23.08.2019 - 13:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Wegen Indianer: Polizei statt Super Bowl

Es gibt Eishockeyspieler, die genießen Heldenstatus. Und es gibt Geschichten, die sind legendär. Die Kombi aus beidem ist eine Story, die beim ERSC Amberg im Prinzip seit 20 Jahren immer wieder die Runde macht.

Verteidiger, Kapitän und ein Spieler, der bei den Fans heute noch Heldenstatus genießt: Jiri Kunce. Als 27-Jähriger kam der Tscheche 1998 von den Nürnberg Ice Tiger aus der DEL zum ERSC und blieb drei Jahre.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Jetzt erzählt Jiri Kunce, wie das war, mit ihm und der lebensgroßen Indianer-Figur aus einem Lokal. Beim genauen Datum tut sich der ehemalige Verteidiger schwer und auch beim Jahr muss er überlegen. Aber es dürfte 1999 gewesen sein, als die Mannschaft an einem Sonntag im Januar gemeinsam darauf wartete, den Super Bowl im American Football live im Fernsehen zu verfolgen. "Wir hatten damals ja viele Kanadier und Amis im Team. Da gehörte das einfach dazu", erinnert sich der Tscheche Kunce und erzählt, dass der ERSC an diesem Abend sein Ligaspiel gewonnen hatte: "Ich weiß nicht mehr gegen wen, aber die Laune war gut." Und der Plan folgender: Nach der Partie ging's in Mike's Bierhaus an der Regensburger Straße, wo die Zeit bis zum Anpfiff des Super Bowl überbrückt werden sollte.

Limo oder Wasser hat an dem Abend keiner bestellt: "Wir haben Bier getrunken und viel Spaß gehabt." Im Laufe des feuchtfröhlichen späten Abends fielen die Blicke auf eine laut Kunce gut zwei Meter große Indianer-Figur, die in der Ecke stand: "Irgendwann haben wir sie zu uns an den Tisch gestellt und so getan, als ob das unser Kumpel wäre. Wir haben mit ihm geredet und ihm zugeprostet. Der gehörte zu uns."

Ausweis als Pfand

Jiri Kunce im Juli 2019.

Der Anpfiff des Football-Spiels rückte immer näher und der harte ERSC-Kern schickte sich an, die gesellige Runde in die Wohnung des mittlerweile verstorbenen Ian Young zu verlegen. Jiri Kunce: "Die Hälfte der Leute war mit dem Taxi schon weg und wir mussten ja auch los. Aber nicht ohne den Indianer. Der musste mit. Er war ja unser Kumpel. Ich weiß nicht mehr genau, wer die Idee dazu hatte, aber ich weiß noch, dass ich die Figur genommen und nach draußen getragen habe." Die Bedienung hatte etwas dagegen, aber Jiri Kunce argumentierte: "Wir machen nichts kaputt. Falls was kaputtgeht, bezahlen wir das natürlich."

Die Kellnerin blieb aber hartnäckig und verneinte den Wunsch. Jiri Kunce und seine Begleiter, die er an dieser Stelle nicht nennen möchte, ließen aber auch nicht locker: "Wir haben gesagt, dass wir die Figur am nächsten Tag zurückbringen. Ich habe als Pfand sogar meinen Ausweis dagelassen. Dann habe ich den Indianer einfach gepackt und ins Taxi gesteckt. Der hat nicht komplett reingepasst." Irgend ein Teil guckte noch raus, als der Fahrer wissen wollte: "Habt ihr den geklaut?" Kunce: "Und wir so, nein, das ist geklärt. Passt."

Also setzte sich das Taxi mit dem nicht zu übersehenden Häuptling in Bewegung - kam aber nicht weit: "Etwa nach 300 Metern war blaues Licht hinter uns. Die Polizei hat uns angehalten und gesagt, dass das Diebstahl ist." Der damals 28 Jahre alte Kunce erwiderte: "Nein, das kann nicht sein. Es ist doch alles geklärt." Und wie es in derartigen Fällen nun mal so ist, wollten die Ordnungshüter die Papiere sehen. Während die Teamkollegen dieser Aufforderung nachkamen und die Fahrt zur Football-Sendung fortsetzen durften, musste Jiri Kunce passen: "Kein Ausweis!" Denn der lag ja bekanntlich noch als Pfand am Tresen: "Also haben die Polizisten den Indianer geschnappt und sind mit mir auf die Wache."

Dort musste der ERSC-Verteidiger, der den Super Bowl komplett verpasst hat, mitten in der Nacht seine damalige Frau anrufen, "die bestätigt hat, dass ich der Jiri Kunce bin". Eine Sonderbehandlung gab's allerdings nicht. Im Gegenteil: "Die haben mich dann zwar freigelassen, aber sie haben ein Protokoll gemacht und ich habe eine Anzeige bekommen." Die wiederum führte zu einer Gerichtsverhandlung. Jiri Kunce weiß noch ganz genau, dass er erst vom Richter erfuhr, wie wertvoll die Figur tatsächlich war - rund 2000 Mark.

Ohne Strafe

Der Jurist habe ihm aber eine kleine Brücke gebaut: "Er hat mich gefragt, ob das vielleicht eine Schnapsidee war. Ich habe ja gesagt und dass ich die Figur nie mitgenommen hätte, wenn ich gewusst hätte, wie wertvoll sie ist." Letztlich kam Kunce, der danach noch zwei Jahre für den ERSC spielte, straffrei davon: "Gott sei Dank!" - Konsequenzen hatte die Aktion dennoch: "Die Mannschaft hat sich totgelacht. Unser Torhüter Waldemar Quapp hat mich seitdem immer Indianer oder Häuptling genannt." Apropos? Was wurde aus der Figur? "Die war zurück beim Besitzer. Der hat das sportlich genommen."

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