07.09.2021 - 17:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Markus Sendelbeck will für die Linke in den Bundestag

Markus Sendelbeck will etwas an der Pflege in Deutschland ändern. Für die Linke tritt er bei der Bundestagswahl als Direktkandidat im Wahlkreis Amberg-Neumarkt an. Im Gespräch verrät er, welche Baustellen er auf kommunaler Ebene sieht.

Bücher und Schach: zwei Leidenschaften des Direktkandidaten Markus Sendelbeck, der im September für die Linke in den Bundestag einziehen möchte.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Markus Sendelbeck beschäftigt sich mit einem Thema, das er selbst als sein "Steckenpferd" bezeichnet. Ihm liegt die Situation der Menschen, die in der Pflege arbeiten, am Herzen. Der 37-Jährige aus Pyrbaum im Landkreis Neumarkt tritt bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Amberg-Neumarkt für die Linke als Direktkandidat an. Dass Sendelbeck weiß, worum es geht, wenn er über den Pflegeberuf spricht, zeigt ein Blick auf seine Vita. Nachdem er an der Kunstoberschule in Nürnberg war, machte er bei der Arbeiterwohlfahrt eine Ausbildung zum Krankenpfleger, war zeitweise beim Bayerischen Roten Kreuz und arbeitete sich vom Bereichsleiter zum Pflegedienstleiter hoch, wie er selber sagt. Seit einigen Jahren schon ist er Hygienebeauftragter im öffentlichen Dienst für die Pflegeeinrichtungen der Stadt Nürnberg sowie Personalratsvorsitzender der städtischen Pflegeeinrichtungen Nürnberg.

Warum er sich politisch für die soziale Gleichberechtigung in der Pflege einsetzen möchte, erklärt er so: "Die Pflege ist nun leider immer noch ein prekäres Feld. Dort arbeiten viele Frauen, die oftmals alleinerziehend sind oder einen Migrationshintergrund haben. Die Pflege ist ein Bereich, der nicht gut für seine eigenen Rechte eintritt." Was Sendelbeck zufolge "gar nicht geht", sind anteilige Zeitverträge für junge Pflegende. "Wie soll man junge Menschen in diesen Beruf bringen, wenn nicht sogar locken, wenn die Bedingungen so schlecht sind?", fragt Sendelbeck.

Die Bundestagswahl kurz erklärt

Aus Überzeugung die Linke

Als Erklärung, warum er für die Linke in den Bundestag will, nennt Sendelbeck, wie er selbst sagt, pragmatische Gründe. "Ich wähle selbst die Linke aufgrund meines gewerkschaftlichen Hintergrunds. Mein Vater war Gewerkschaftssekretär, meine Mutter hat sich immer vehement für Arbeitnehmerrechte eingesetzt." Gerade auch weil sich die Linke für den Pflegeberuf stark mache, sei er von ihr überzeugt. "Die Partei vertritt ursozialdemokratische Positionen", sagt er und fügt an: "Ich verstehe nicht, warum gerade konservative Parteien das Thema Pflege so links liegen lassen. Es ist im Moment nicht schön, in Deutschland alt zu werden, wenn man pflegebedürftig ist."

Er betont, dass dieser Zustand keinesfalls an den Menschen liege, die in diesem Bereich arbeiten, wohl aber an den Rahmenbedingungen. Diese hätten zu einer schlechten Bezahlung der Angestellten und einem enormen Mangel an Pflegekräften geführt. Sendelbeck sagt, dass die Menschen ein glückliches und selbstbestimmtes Leben leben sollen. "Darunter stelle ich mir vor, dass jeder sein Leben so gestalten soll, dass es für ihn möglichst angenehm ist. Das ist ethisch aber nur vertretbar, wenn die gesamtgesellschaftlichen Verpflichtungen einer jeden Person nicht außen vor gelassen werden." Das Zauberwort für Sendelbeck lautet Solidarität. Ein selbstbestimmtes Leben ohne Solidarität ist nicht möglich. Jeder ist an irgendeinem Punkt auf die Hilfe anderer angewiesen."

Konkrete Ziele für Wahlkreis

Was er in seinem Wahlkreis ändern wollte, weiß Sendelbeck bereits, falls er in den Bundestag einzieht. Er möchte zunächst das Thema öffentlicher Nahverkehr angehen. Es sei schön und gut, wenn es einen solchen in den Städten gebe. Auf dem Land aber sei der derzeitige Zustand eine absolute Katastrophe. Bezogen auf die Gemeinde, in der er lebt, sagt er: "Man muss gar nicht erst darüber sprechen, wie selten hier ein Bus fährt." Er sehe es an den Jugendlichen, die zur Schule müssen. Sendelbeck: "Das ist ein grundlegendes Problem. Das trifft gerade auch wieder die berufstätigen Eltern."

Als beispielsweise während des Wechselunterrichts in der Pandemie die Klassen geteilt wurden, seien Fahrgemeinschaften zerbrochen. Weil Eltern ihre Kinder auf einmal selbst in die Schule hätten bringen müssen, sei die Belastung sichtbar geworden. "Ich bin überzeugt, dass man da was ändern muss", sagt er. Unter öffentlichem Nahverkehr versteht der 37-Jährige "das Versprechen vom Staat auf Mobilität für seine Bürger". Sendelbeck: "Dabei geht es noch nicht einmal darum, ob sich ein Bus wirtschaftlich rentiert." Es geht um das Verprechen, dass die ältere Dame, die zum Arzt muss, der Schüler, der in die Schule will oder der Arbeitnehmer auf dem Weg zur Arbeit sich darauf verlassen können, dass der Bus dann auch fährt, wenn sie ihn brauchen."

Mehr Naturschutz im Kleinen

Wichtig sei es ihm ebenfalls, mehr Naturschutz auf kommunaler Ebene anbieten zu können. Er betont, dass es ihm zufolge dabei nicht um Verbote gehen soll. "Steingärten verbieten ist völliger Quatsch. Sinnvoller ist es, Anreize für die Menschen zu bieten."

So gebe es in etwa die Idee, Fördergelder bereitzustellen, wenn die Leute Bäume oder Sträucher in ihren Gärten Pflanzen. "Das wäre etwas, was ich gerne auch über die Grenzen von Pyrbaum hinaus umsetzen würde", so Sendelbeck.

Kunst, Philosophie und Sport

Sendelbeck ist Dozent für Arbeitsrecht bei der Gewerkschaft Verdi und Projektmitarbeiter am Institut für Pflegeforschung, Gerontologie und Ethik an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg. Dort beschäftigt er sich insbesondere mit Maschinenethik, unter anderem auch im Bereich der Pflege.

In seiner Freizeit setzt er sich ebenfalls gerne mit Philosophie auseinander und hat eine Leidenschaft für die Kunst. ER zeichnet und malt gerne Bilder und Portraits. Sport hilft ihm, wie er selbst sagt, wieder einen klaren Kopf nach einem langen Arbeitstag zu bekommen.

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Weiden in der Oberpfalz
Info:

Zur Person Markus Sendelbeck

  • Sendelbeck lebt in Pyrbaum im Landkreis Neumarkt.
  • Er hat eine Ausbildung zum Krankenpfleger bei der AWO in Nürnberg gemacht.
  • Mittlerweile ist er Hygienebeauftragter im öffentlichen Dienst für die Pflegeeinrichtungen der Stadt Nürnberg.
  • Der 37-Jährige ist ebenfalls Personalratsvorsitzender der städtischen Pflegeeinrichtungen der Stadt Nürnberg.
  • Er war vier Jahre lang ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Nürnberg.
  • Sendelbeck ist Dozent für Arbeitsrecht bei der Gewerkschaft Verdi.
  • Er ist Projektmitarbeiter am Institut für Pflegeforschung, Gerontologie und Ethik an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg.

 

 

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