04.06.2019 - 10:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Mehr ÖPNV: Der Weg ist weit

Der Kreistag von Amberg-Sulzbach hat eine ganze Reihe von Wünschen formuliert, wie der Öffentliche Personennahverkehr, ÖPNV, attraktiver gestaltet werden soll. Schon jetzt ist klar: Wird das jemals Wirklichkeit, wird es dauern und teuer.

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) auf dem flachen Land. Die lokalpolitische Wunschliste ist lang, die Realität ernüchternd.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Die ÖDP hatte das Thema "weniger als zwölf Monate vor der nächsten Kommunalwahl" (Sitzungsvorlage) aufgegriffen und alle anderen Kreistagsfraktionen sprangen ohne Zögern auf. Das war im April. Auf der Wunschliste standen am Ende ein 1-Euro-Ticket ebenso wie ein 365-Euro-Ticket, eine Imagekampagne und die Absichtserklärung, sich das alles auch mehr als bisher kosten zu lassen. Verwiesen wurden die Themen erst einmal an den Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS).

Der bezog nun Stellung. In der Verbandsversammlung am Montag dämpfte Geschäftsführer Hans-Jürgen Haas unter Verweis auf mehrere Sitzungvorlagen die Erwartungen gewaltig. Landrat Richard Reisinger (CSU) schien zudem zum jetzigen Zeitpunkt nicht an einer ausführlichen Diskussion interessiert. Er argumentierte, dass noch eine ganze Reihe von Sondierungsgesprächen mit verschiedensten Stellen sowie den Busunternehmen nötig seien, um sich dann im Juli in großer Runde zusammenzusetzen.

Nicht "zustimmungsfähig"

So oblag es Haas, umweltpolitische Höhenflüge und Forderungen nach der Verdichtung des ÖPNV auf dem flachen Land auf den Boden der Tatsachen zu holen. Demnach hält die Regierung der Oberpfalz die Absicht, für bestimmte Tage ein 1-Euro-Ticket (jede Fahrt vom Ein- bis Ausstieg kostet einen Euro) "mangels Bestimmtheit" des Antrags "weder für prüf- noch für zustimmungsfähig". Ähnlich sehe es beim 365-Euro-Ticket (Jahresticket für bestimmte Zonen) aus, wobei schon auf ministerieller Ebene von "einer Vielzahl von Problemen" die Rede ist und einer nur langfristigen Umsetzbarkeit ausgegangen wird.

Zusatzkosten

Der ZNAS diskutierte dieses Thema allerdings bereits auf der Ebene des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN), dessen Mitglied er ist. Würde dort ein 365-Euro-Ticket nur für ältere Schüler und Auszubildende angesiedelt, so sei von Zusatzkosten für den Landkreis von 155 000 Euro jährlich auszugehen. Dieser Betrag sei ebenso einzusetzen, wenn der VGN - wie dort überlegt - eine fünfjährige Tarif-Stabilität garantieren möchte. Beide Maßnahmen würden den Kreishaushalt mithin für fünf Jahre um 1,55 Millionen Euro mehr belasten. Nachdem Reisinger diesen Rahmen als "für uns noch finanziell überschaubar" beschrieb, stimmte das Gremium zu. Außerdem sei nicht sicher, ob es so komme.

Was die Forderung nach einer Werbe- oder Imagekampagne betrifft, so stößt dieses Ansinnen auf volle Unterstützung seitens des ZNAS. Im "Grundlagenvertrag", so eine Sitzungsvorlage, sei jedoch geregelt, dass "Werbemaßnahmen Aufgabe der Verkehrsunternehmen" seien. "Und genau hier liegt im Verbandsgebiet das Defizit", heißt es weiter unter Verweis auf die Kampagnen des VGN, der nichts anderes als "ein Unternehmensverbund" sei.

Auflagen zu streng?

Stellt der ZNAS bei der Ausschreibung von Linien zu hohe Anforderungen an das Alter und die technische Ausstattung von eingesetzten Bussen? Diese Frage stellte im April die SPD-Kreistagsfraktion nach dem Besuch bei einem Busunternehmer. Nein, erwiderte Haas in aller Deutlichkeit. Demnach macht der Zweckverband die Abgasnorm "Euro 4 oder besser und maximal zwölf Jahre alt" zur Auflage. Das sei sogar mit den Unternehmen so abgestimmt. Andere Nahverkehrsträger seien deutlich rigider, heißt es in der Sitzungsvorlage. Etwa die Landkreise Neumarkt (Euro 6 und zehn Jahre) oder Forchheim (maximal zehn Jahre).

Regeln aushandeln

In einem Punkt wird der ZNAS den Busunternehmen etwas entgegenkommen. Dafür hatte sich der Landrat eingesetzt. Demnach sollen Ausnahmeregelungen hinsichtlich der Ausstattung und des Alters der Fahrzeuge beim punktuellem Einsatz bei Engpässen (Verstärkerbusse) ausgehandelt werden.

Weitere Themen:

Schulausfall

Fällt im gesamten Landkreis die Schule beispielsweise witterungsbedingt aus, entfällt auch die Beförderungspflicht seitens der Schulbus-Linienbetreiber. Auch, wenn Berufspendler die Linie nutzen.

Handy-Ticket

Seit 2015 möchte der ZNAS Online-Buchungsmöglichkeiten beziehungsweise ein Handy-Ticket einführen. „Dies wurde aber stets abgelehnt“ (Sitzungsvorlage). Seit diesem Jahr wurde diese Option in die Ausschreibung von Linien aufgenommen. Start soll nun am 1. Juli „zumindest auf den großen RBO-Linien“ (ZNAS-Geschäftsführer) sein.

Kostenloses WLAN

In 20 Bussen von ZNAS-Linien wird laut Sitzungsvorlage bereits der Zugang zu kostenlosem WLAN angeboten. Dieser Service für Smartphone-Nutzer soll auf 60 Fahrzeuge ausgeweitet werden. Der Freistaat hat bisher im Zuge eines Pilotprojekts die nötige Hardware samt Betriebkosten übernommen. Das Fördersystem wurde geändert. Nun gibt es nur noch Geld für die Hardware. Der ZNAS stellt deshalb 22 000 Euro für die nötigen Betriebskosten zur Verfügung.

Edelsfeld barrierefrei

Der ZNAS stellt 4000 Euro zur Verfügung, um die Haltestelle „Grüner baum“ in Edelsfeld barrierefrei auszubauen. Die Gemeinde ist mit 7500 Euro an der Maßnahme beteiligt.

Freudenberg optimiert

Zwei zusätzliche Busverbindungen erhält Freudenberg. Die Linie 59 wird so optimiert, dass morgens ein Bus am Dorfplatz hält, der um 7.15 Uhr am Bahnhof in Amberg ist. Am späteren Nachmittag geht es einmal mehr von Amberg (ab 16.25 Uhr) nach Freudenberg (an 16.45 Uhr).

Kostenvergleich

Der ÖPNV sieht sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, dass die Fahrpreise zu hoch seien. Der ZNAS hat nun einen „echten“ Kostenvergleich angestellt und der Verbandsversammlung vorgelegt. Die Beispielberechnung umfasst die Strecke Vilseck (Marktplatz) nach Amberg (Bahnhof). Das sind einfach 22,7 Kilometer. Für einen Mittelklasse-Pkw liegen laut ADAC-Rechner die Kosten zwischen 21,92 und 21,25 Euro, ein Taxi-Fahrer würde 77,60 Euro verlangen. Beim ZNAS kostet die Route maximal 11,60 (Einzelfahrkarte), wenigstens 4,16 Euro (Senioren-Monatsticket). Dazwischen gibt es viele Varianten, etwa per 6er-Karte 10,16 Euro, 10er-Karte 8,70 und Monatskarte 6,25 Euro. (zm)

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