27.05.2020 - 14:46 Uhr
AmbergOberpfalz

Mildes Urteil im Prozess um Mädchen und Sterbehelfer

Weil er eine 12-Jährige aus Baden-Baden in die Oberpfalz lockte und vorgab, ihr beim Sterben zu helfen, muss ein Altenpfleger aus Schwandorf für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis.

Staatsanwältin Barbara Tutsch (rechts) vertrat die Anklage, Anwalt Mike Thümmler war im Prozess Interessensvertreter der 12-jährigen Schülerin aus Baden-Baden. Was sie in ihren Plädoyers beantragten, blieb Zuhörern verborgen. Denn die Schlussvorträge liefen nichtöffentlich ab.
von Autor HOUProfil

Das Urteil des Amberger Landgerichts fiel milde aus: Ein 37-jähriger Altenpfleger aus Schwandorf muss für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Ihm wurde vorgeworfen eine 12-Jährige aus Baden-Württemberg in die Oberpfalz gelockt zu haben, um ihr dann beim Sterben zu helfen. Doch der Tatbestand des Bereiterklärens zum Totschlag konnte vor Gericht nicht bewiesen werden.

Es könnte sein, dass diese Entscheidung des Amberger Landgerichts auf den Prüfstand kommt. Zumal man nicht weiß, was Staatsanwältin Barbara Tutsch, Verteidiger Georg Karl und Nebenklagevertreter Mike Thümmler in ihren Plädoyers forderten. Die Schlussvorträge gingen nichtöffentlich vonstatten. Warum das? Die 12-jährige Hauptzeugin war hinter verschlossenen Türen gehört worden. Daher mussten auch die Strafanträge ohne Zuhörer stattfinden.

Der Angeklagte hatte sich im Handy-Chat mehrfach bereit erklärt, einer Schülerin aus Baden-Baden aktiv dabei zu helfen, sich umzubringen. Zur Überzeugung der Richter stand nach zweitägigem Prozess fest, dass der Schwandorfer seine Chat-Freundin in den Stadtpark von Teublitz lockte. "Ihr beim Sterben zu helfen, hatte er nie vor", befand nun die Erste Strafkammer und hielt vielmehr "rein sexuelle Motive" für ausschlaggebend.

Ahndung wegen Entziehung Minderjähriger

Der Tatbestand des Bereiterklärens zum Totschlag fiel weg. Stattdessen wurde der Mann, der sich "Robby19" nannte, wegen Entziehung Minderjähriger geahndet. Ein sexueller Missbrauch konnte nicht schlüssig nachgewiesen werden. Der Altenpfleger hatte im Teublitzer Park zwar die Hand des Mädchens genommen und sie an seine Oberschenkel gedrückt. Doch ob das nun unmittelbar im Intimbereich des Mannes war, sei unklar geblieben, hieß es.

Der "Prinz", wie ihn seine Chat-"Prinzessin" nannte, hatte sich via Handy als Sterbehelfer mit viel Verständnis für das Mädchen ausgewiesen. Die 12-Jährige habe ernsthaft nach dem Tod gesucht und er gab sich einfühlsam, als die Schülerin schrieb: "Ich kann's kaum erwarten. Morgen ist es soweit." Die Minderjährige reiste am 28. Mai 2019 ohne Wissen ihrer Eltern in die Oberpfalz, wurde im Zug ohne Fahrkarte erwischt und kam trotzdem in Teublitz an. Im Stadtpark wurden drei junge Schaustellergehilfen auf das ungleiche Paar aufmerksam. Sie schritten ein und verpassten dem 37-Jährigen eine Abreibung, bei der er eine Flasche über den Kopf geschlagen bekam. Damit endete die Geschichte.

Verstöße gegen Weisung der Führungsaufsicht

Sie führte vor Gericht zu zwei Jahren und acht Monaten Haft für den 37-jährigen Angeklagten. In diese Urteil fließen auch Verstöße gegen Weisungen der Führungsaufsicht mit ein. Weiterhin wurde der Altenpfleger erst wenige Wochen vor dem Treffen mit dem 12-jährigen Mädchen aus dem Gefängnis entlassen. Im Urteil wurde ihm eine zweijährige Alkoholentzugstherapie zugebilligt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es in der Begründung von Richterin Roswitha Stöber, "dass er auch zur Tatzeit unter Alkohol stand."

Der Artikel zum Prozessbeginn

Schwandorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.