07.11.2018 - 15:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Millionen für Elektro-Züge

Es ist zwar noch ein bisschen zu früh, um die Sprit-Tanks wegzuräumen, doch auf lange Sicht darf sich der Amberger Bahnhof von den stinkenden Dieselloks verabschieden. Die Elektrifizierung kommt - und vielleicht auch die S-Bahn.

Vorsicht am Bahnsteig - die Elektrifizierung fährt ein! Der Zugverkehr durch Amberg soll im nächsten Jahrzehnt unter Strom gesetzt werden.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Die Bahnlinie von Nürnberg über Amberg nach Schwandorf wird für Elektro-Lokomotiven fit gemacht. Das steht seit Dienstag fest. Das Projekt zur Elektrifizierung der Strecke ist wegen seiner günstigen Kosten-Nutzen-Analyse vom „potenziellen“ in den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplanes 2030 aufgestiegen. Und dieser hat Gesetzeskraft.

Die Jahreszahl 2030 allerdings deutet bereits darauf hin, dass es dauern wird, bis der Schienenausbau beginnt. Wie umfangreich das Bauvorhaben ist, lässt sich an den veranschlagten Kosten ablesen. Sie belaufen sich auf 706 Millionen Euro – Geld für die Planung, die Ertüchtigung der Schienen und den Bau der Oberleitungen. „Das bedeutet noch nicht, dass morgen der Bagger rollt, aber die Elektrifizierung der Strecke rückt damit ein gewaltiges Stück näher. Alle Baumaßnahmen der Zukunft werden sich bereits daran orientieren“, ordnet Oberbürgermeister Michael Cerny die Nachricht aus Berlin ein. „Deshalb war es auch richtig die Baumaßnahme Bahnbrücke Regensburger Straße zurückzustellen, bis die Entscheidung getroffen wurde.“ Der nächste Schritt müsse jetzt sein, die Mittel für die konkrete Planung bekommen. Denkbar ist es für Cerny dabei auch, das Thema S-Bahn-Strecke von Nürnberg Richtung Amberg aufzugreifen und so vielleicht in Schritten und schneller voranzukommen. „Wir sind ja als Stadt in der Sondersituation, dass wir sowohl dem Verkehrsverbund Nürnberg wie auch dem Verkehrsverbund Regensburg angehören. Also muss die Vision sein, dass wir in beide Richtungen auch einen leistungsfähigen Schienenpersonalverkehr anbieten können.“ Personenverkehr – das ist das Stichwort für Landtagsabgeordneten Harald Schwartz (CSU). Für ihn ist jetzt wichtig, darauf zu achten, dass dieser im Vordergrund steht. Auch der Lärmschutz müsse berücksichtigt werden. Landrat Richard Reisinger zeigt sich guter Dinge: „Unsere Bemühungen hatten stets darauf abgezielt, dass das Amberg-Sulzbacher Land nicht abgekoppelt wird. Für die Region ist die aktuelle Ankündigung eine tolle Nachricht.“

Der bayerische Innenminister schaltete sich in die Diskussion ein

Unterschiedliche Anforderungen in Schwandorf und Amberg

Stichwort:

Der Fachbegriff Elektrifizierung findet vor allem im Eisenbahnverkehr Verwendung. Gemeint ist die Ertüchtigung der Schienenwege für elektrisch betriebene Lokomotiven. Eine Elektrifizierung erfordert hohe Investitionen vor allem für die Ausstattung der Bahnstrecken mit Oberleitungen. Als Vorteile gelten: höhere Energieeffizienz, geringere Kosten im Betrieb, verminderte Auslandsabhängigkeit, geringere Wartungskosten, kein Zeitverlust für das Auftanken der Lokomotiven, keine aufwendige Logistik für die Kraftstoffversorgung von Lokomotiven, die Reduzierung von Abgasen und Lärm. Heute sind bei der Deutschen Bahn rund 60 Prozent der Strecke elektrifiziert, darüber wird rund 90 Prozent der Verkehrsleistung erbracht.

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