Der Mann weiß, dass er mindestens sechs Jahre in Haft kommt. Zusammen mit anderen hat der 29-Jährige einen Drogenhandel aufgezogen, der in solcher Form seit langem nicht mehr in Amberg ablief. Im Prozess vor dem Landgericht geht es jetzt um 26 Pfund Marihuana sowie um jeweils vier Pfund Haschisch, Amphetamin und Kokain. Er arbeitete in der Gastronomie. Doch für den 29-jährigen Amberger gab es einen Nebenjob, bei dem weit mehr verdient wurde, als jeden Monat auf das reguläre Gehaltskonto floss. Ab Februar 2018, so steht es in der von Oberstaatsanwalt Stefan Täschner verlesenen Anklageschrift, war der Mann federführend eingebunden in einen schwunghaften Rauschgifthandel, bei dem die Lieferanten in den Niederlanden, in Spanien und in der Tschechischen Republik saßen.
Der Amberger kaufte an und verkaufte weiter. Das geschah im großen Stil und ging weit über das hinaus, was lokale Gerichte im Regelfall zu verhandeln haben. Zwölf einzelne Fälle wurden von den Ermittlungsbehörden erfasst und aufgelistet. Unter dem Strich stehen jetzt 13 Kilo Marihuana, zwei Kilo Haschisch, ein Kilo der Partydroge Ecstasy, zwei Kilogramm Amphetamin und zwei Kilo des als sehr teuer geltenden Kokain zur Debatte. An- und Weiterverkauf fanden im Regelfall auf Parklätzen von Supermärkten statt. Meist in Amberg, aber auch in Neumarkt und in Lauf. Treffs von Lieferanten und Ankäufern gab es außerdem in der Amberger Wohnung des 29-Jährigen.
Bis zum 12. Juni 2019 bekamen die Behörden keinerlei Wind von den kriminellen Geschäften. An diesem Sommertag hatte der Angeklagte auf einem Amberger Hotelparkplatz von einem Holländer sechs Kilogramm Drogen angekauft und sie nur zehn Minuten später am gleichen Ort und dann auch in seiner Wohnung an angereiste Abnehmer verhökert. Abends gab es in Mittelfranken eine Polizeikontrolle. Aufkäufer gingen dabei ins Netz. Einen Tag darauf kam der Amberger in Untersuchungshaft.
Nach einem Rechtsgespräch zwischen den Richtern, Verteidiger Maximilian Pauls (München) und dem Oberstaatsanwalt legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Er relativierte dabei lediglich einzelne Drogenmengen. Die Erste Strafkammer sicherte ihm für seine Angaben eine Haftstrafe zwischen sechs und knapp sieben Jahren zu. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.
Nahezu parallel zu dem Drogenprozess in Amberg hat vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth das Verfahren gegen einen 25-Jährigen begonnen, der offenbar eng in die Deals verwickelt war. Der aus Mittelfranken stammende Mann tauchte wiederholt auf, um größere Rauschgiftlieferungen von einem 29 Jahre alten Amberger entgegenzunehmen. Vor der Kammer in Nürnberg geht es um ähnliche Mengen wie jetzt auch in Amberg: Im Fall des 25-Jährigen stehen 17 Kilo Marihuna, sechs Pfund Amphetamin, vier Pfund Haschisch und 650 Gramm Kokain zur Debatte. Mit dem Urteil in Nürnberg wird am 12. März gerechnet. Im gleichen Zeitraum dürfte auch in Amberg eine Entscheidung fallen.
Zwölf einzelne Rauschgift-Großdeals hat die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage aufgelistet. Einer davon trägt kuriose Züge: Im Oktober 2018 übergab der jetzt angeklagte 29-Jährige in Amberg 400 Gramm Kokain an einen Kurier, der die Fracht nach Tschechien zu einem Abnehmer ringen sollte. Der Mann deponierte den Drogenbeutel allerdings im Kühlschrank seiner Großmutter.
Erst über zwei Monate später fuhr er dann ins Nachbarland, wo er von Fahndern festgenommen wurde. „Das Kokain konnte sichergestellt werden“, erfuhr danach die Amberger Staatsanwaltschaft dazu.













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