Amberg
30.08.2019 - 13:23 Uhr

Müllwagenfahrer rammt Zaun, sieht aber keinen Schaden: Prozess

Eine Verhandlung mit vielen menschlichen Zügen. Der Unfallfahrer sagt: "Ich habe am Zaun nichts gesehen." Vom Geschädigten hört der Richter: "Der Mann ist Berufskraftfahrer und braucht seinen Führerschein."

Ein Müllwagenfahrer, der einen Zaun beschädigt hat, stand jetzt in Amberg vor Gericht. Ein ungewöhnliches Verfahren. Bild: Oliver Berg/dpa
Ein Müllwagenfahrer, der einen Zaun beschädigt hat, stand jetzt in Amberg vor Gericht. Ein ungewöhnliches Verfahren.

Für den Müllwagenfahrer war es eine Tour wie jede andere. Doch wegen Bauarbeiten musste er in einer Ortschaft im östlichen Landkreis wenden. Er wollte zunächst den Rückwärtsgang einlegen, geriet aber in einen Vorwärtsgang. Der Lkw touchierte gleich darauf einen Gartenzaun, was mit einem lauten Geräusch einher ging. Neben dem Fahrer hörte das auch ein Nachbar.

Der 50-jährige Müllwerker stieg aus und sah sich den Zaun an. Seine Eindrücke schilderte er nun Amtsrichter Markus Sand: "Da war nichts." Deshalb sei er weitergefahren. Gewesen aber ist doch etwas:. Eine Zierkugel am Metallzaun war mit Farbabrieb vom Lastwagen versehen, außerdem brach ein Betonfundament. Der Grundstücksbesitzer, vom Nachbarn verständigt, rief die Polizei. Doch irgendwie tat ihm das jetzt leid. Im Gerichtssaal schilderte der Mann den ihm entstandenen Schaden und fügte in sehr freundlichem Ton hinzu: "Ich will dem Müllwagenfahrer keine Schwierigkeiten machen. Es war keine große Sache und er braucht seinen Führerschein."

Die Staatsanwaltschaft hatte nach Vorlage der polizeilichen Anzeige einen Strafbefehl wegen Unfallflucht bei Richter Sand beantragt. Darin standen 2200 Euro Geldstrafe und zwei Monate Fahrverbot. Sand unterschrieb ihn nicht und ordnete eine mündliche Verhandlung an. In deren Verlauf hörte sich der Jurist die Schilderungen an und traf dann eine salomonische Entscheidung: "Das Verfahren könnte eingestellt werden. Allerdings gegen eine Geldauflage von 1000 Euro." Staatsanwältin Christine Apfelbacher stimmte zu und dem Angeklagten fiel ein Stein vom Herzen. Für ihn hatte während der Verhandlung gesprochen, dass es sehr glaubhaft klang, als er sagte: "Ich habe an dem Zaun nichts gesehen."

 
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