24.06.2018 - 16:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Mythen und Chancen im Alltag mit Kunststoff

Mikroplastik in Kosmetika, Weichmacher in Kunststoffprodukten - alle machen sie krank. Mythen und negative Schlagzeilen über Plastik gibt es viele. Vier Experten klären auf, was es damit auf sich hat.

Mythen und Chancen rund ums Thema Plastik (von links): Burkhard Berninger (Professor für Recycling und Abfalltechnik), Joachim Hummich (Professor für Maschinenbau), OTH-Präsidentin Andrea Klug, Tim Jüntgen, Peter hense und Mario Mocker klären auf. n
von Wolfgang RuppertProfil

(pwpt) Kunststoff ist aus dem heutigen Alltag schwer wegzudenken. Verpackungen aus dem Stoff machen Lebensmittel länger haltbar, Autos können damit leichter und spritsparender gebaut werden.

Zur Einführung in den Themenabend an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH), der unter dem Motto "Kunststoffe - Die unbequeme Wahrheit über Mikroplastik, Müllstrudel und Weichmacher" stand, sagte Studiendekan Mario Mocker allerdings: "Es vergeht wohl kein Tag, an dem nicht irgendwo etwas negatives über Mikroplastik in den Schlagzeilen steht." Unter den zehn häufigsten Einwegprodukten, die alltäglich im Meer landen, befänden sich einerseits Gegenstände, von denen jeder wüsste, dass sie das Meer verschmutzen. Andererseits stünden auch Wattestäbchen und Luftballonhalter mit auf dieser Liste.

Zu Beginn seines Vortrags sagte Burkhard Berninger: "Jedes Jahr landen über acht Millionen Tonnen Müll im Meer", und stellte die Frage: "Wie sollen wir das stoppen?" Wichtig sei bei der Verwertung von Plastik, dass die "beste ökonomische und ökologische Option" gewählt werde. Dabei müsse es sich nicht zwangsläufig immer um Recycling handeln. "Von dem, was Sie heute Abend, wenn sie nach Hause kommen, noch in den Gelben Sack stecken, wird nur ein Drittel recycelt", sagte Peter Hense von Fraunhofer Umsicht. Er zeigte sich davon überzeugt, dass Recycling zumindest knappe Ressourcen wie Erdöl schützen kann. "Warum aber kann dann unser Recycling nicht mehr leisten?", fragte er. Problematisch seien die "Vielfalt von Kunststoffen" sowie verschiedene Schad- und Füllstoffe, mit denen das Plastik versetzt wird. Hinzu kommt laut dem Experten: "Kunststoff ist auch nicht unendlich wiederverwendbar. Denken Sie an den Plastikgartenstuhl. Der wird irgendwann porös, weil er zu lange in der Sonne stand."

Joachim Hummichs Ziel war es, mit hartnäckigen Mythen aufzuräumen. Dass bei der Herstellung von Kunststoff Erdöl verschwendet wird, entspreche nicht der Wahrheit. 87 Prozent des gesamten Erdöl-Verbrauchs ginge auf das Konto von Heizung und Verkehr. "Für die Herstellung von Kunststoff brauchen wir nicht mal unbedingt Erdöl", sagte er und fügte hinzu: "Nicht jeder weiche Kunststoff enthält auch Weichmacher." Das aber würde viel zu oft fälschlicher Weise behauptet. Als Beispiele dafür nannte er Brotzeitdosen, Trinkflaschen und Gummi-Schlappen. Auch das Mikroplastik aus Kosmetikartikeln und Zahnpasta sei nicht Kern des Problems. "Lediglich zwei Prozent des Mikroplastiks, das jährlich ins Meer geschwemmt wird, stammt aus Kosmetika. Der Abrieb von Reifen macht ein Vielfaches davon aus", sagte Hummich.

Der Schlussredner des Abends war Tim Jüntgen, Professor für Maschinenbau und Umwelttechnik. Er wollte schließlich aufzeigen, dass ein Leben ohne Plastik weder möglich noch sinnvoll wäre. In der Medizin sei es gar nicht mehr wegzudenken. "Schließlich müssten wir sogar auf Strom verzichten oder zurück zu Holzrädern mit Metallbeschlag."



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