18.10.2018 - 12:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Nashornkäfer schützen

Einige Nashornarten sind vom Aussterben bedroht und genießen deshalb einen besonderen Schutz. Auch als Käfer. Das Schöne daran: Den Nashornkäfer gibt es auch bei uns.

Unverkennbar ein Nashornkäfer, zum Größenvergleich vor einer Kastanie.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Diesem Großinsekt ist wie dem Hirschkäfer sein Name ins Gesicht geschrieben. Ähnlich dem Dorn einer Rose ragt das Horn des schwarzen, bis zu vier Zentimeter großen Käfers empor. Allerdings nur bei den Männchen. Auf der Roten Liste bedrohter Tierarten steht der leicht identifizierbare Krabbler nicht. Er genießt jedoch den naturschutzrechtlichen Status "besonders geschützt", weshalb die zuständigen staatlichen Stellen ein besonderes Auge auf das Insekt werfen.

Wenn sie den Nashornkäfer überhaupt zu Gesicht bekommen. Häufig ist er nicht, und meist treibt er sich in dunklen, feuchten Ecken herum, umgeben von moderndem Holz. Solche Lebensräume schwinden ebenso in der freien Natur wie bebauten Umgebungen. Also welche schaffen. Einen offiziellen Spatenstich braucht es dafür nicht, nur den Wille, ein paar Quadratmeter Wiese, ein paar alte Bäume, einen Häcksler, Ruhe und Zeit. Fertig ist die naturnahe Laube.

Gemeinschaftsprojekt

Sie sieht aus wie ein voluminöser, unscheinbarer Haufen von verrottendem Grüngut, das beim Ausputzen von Büschen, Bäumen und Hecken übriggeblieben ist. Am Mittwoch scharen sich am westlichen Ende des Flugplatzes der Amberger Segelflieger viele Leute rund um so einen brusthohen Hügel. Sie haben dafür gesorgt, dass es ihn gibt. Vertreten sind die Regierung der Oberpfalz, die Stadt und der Landkreis als höhere und untere Naturschutzbehörde, der Landschaftspflegeverband und ein freiberuflicher Landschaftsökologe.

Bitte nicht stören

Sie haben zweierlei Anliegen. Vordringlich wollen sie Lebensraum für den Nashornkäfer, respektive dessen Larven, schaffen. Sie brauchen drei bis vier Jahre, bis das fertige Insekt schlüpft. Und sie brauchen Ruhe. Deshalb sollen Spaziergänger, die dort viel unterwegs sind, den Haufen Haufen seinlassen. Die Egerlinge, von denen einige Hundert tief unten in dem Hügel leben, stammen aus dem Vorratsbunker einer Hackschnitzelheizung. Dort hat sie Richard Lehmeier, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Amberg-Sulzbach, nach einem Hinweis des Betreibers aufgestöbert. Zwei Vorkommen waren ihm bisher in Gressenwöhr und Mimbach bekannt.

Inzwischen sind es "29 eindeutige Funde". Ihr Nachweis gelang im Zuge eines gezielten Artenhilfsprojekts für den Nashornkäfer, das die Regierung vor dem Hintergrund vom Freistaat aufgelegten Biodiversitätsprogramms aufgelegt hat. Nach mehreren möglichst breit gestreuten öffentlichen Aufrufen haben Menschen aus der Region zuständigen Stellen gemeldet, dass sie einen Nashornkäfer beobachtet haben. Meist nachgewiesen auch durch Smartphone-Fotos. Ein weiteres Vorkommen ist nun dazugekommen.

Jetzt brauchen die Nashornkäfer-Larven, mit den der Häckselgut-Haufen im Hintergrund geimpft wurde, nur noch Zeit und Ruhe (von links): Ambergs Rechts- und Umweltreferent Bernhard Mitko, Florian Haas (Stadt Amberg), Rudolf Leitl (Landschaftspflegeverband), Landschaftsökologe Hartmut Schmid, Maria Hanauer (Regierung), Richard Lehmeier (Landschaftspflegeverband) und Thomas Blank (Stadt Amberg).

Der Nashornkäfer:

„Ursprünglicher Lebensraum des Nashornkäfers ist stark zersetzter, weicher Holzmulm, wie er sich im Inneren von abgestorbenen Baumstämmen oder dicken Ästen alter Laubbäume ansammelt. In den Urwäldern Europas (...) war solcher Mulm weit verbreitet.

Eine Vielzahl von Käferarten ist darauf spezialisiert, das Holz zu zersetzen. Während zahlreiche Mulmkäfer heute als „Urwaldrelikte“ sehr selten, oft vom Aussterben bedroht sind, ist dem Nashornkäfer der Übergang auf neue, vom Menschen gemachte Substrate gelungen. Die Art kann mittlerweile in Sägewerken, Kompostwerken, wenig genutzten Komposthaufen mit hohem Anteil an Holzmulm und in Hochbeeten gefunden werden. Die Art lebt als Larve mehrere Jahre lang sehr heimlich im Substrat und ernährt sich von den Pilzen, die das Holz zersetzen.

Als fertiger Käfer unternimmt das Großinsekt nächtliche Flüge, bei denen es Lichtquellen anfliegt. Es ist durch seine beeindruckende Größe von bis zu vier Zentimetern und das bei den Männchen sehr auffällige Horn auch für Laien leicht erkennbar.“ (Pressemitteilung Landschaftspflegeverband)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.