12.07.2019 - 16:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Neue Pläne für Leerstand: Hotel soll ins Forum einziehen

Am Montag war Notartermin, die Tinte ist trocken: Nach langem Hin und Her und vielen Gesprächen gibt es eine neue Nutzung für das leerstehende Forum in der Amberger Altstadt.

Es gibt neue Pläne für das leerstehende Kaufhaus Forum in der Amberger Altstadt (links im Bild): Ein Bauträger aus Amberg hat die Immobilie erworben.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Das städtische Tochterunternehmen Gewerbebau GmbH gibt das Projekt an den privaten Amberger Bauträger Bauart GmbH ab. Das bestätigte Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik am Freitag auf Nachfrage. Die Gewerbebau hat sich von dem Ziel, das ehemalige Kaufhaus mit rund 4000 Quadratmeter Handel wiederzubeleben verabschiedet, nachdem sich im Frühjahr der potenzielle Ankermieter, das Modehaus Frey aus Cham, zurückgezogen hatte. "Wir haben unsere Ziele korrigiert", erklärte Brandelik dazu.

Im April 2019 wurde bekannt, dass sich die Pläne für großflächigen Handel zerschlagen

Amberg

Überdachter Innenhof

Mit der Bauart GmbH hat die Gewerbebau einen vielversprechenden Partner gefunden. Das Unternehmen, zu dessen Kernkompetenzen die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude gehört, wird geleitet von drei Geschäftsführern aus der Region: Wolfram Buegger, Thomas Helm und Kostja Künzel.

Auch die Bauart GmbH bestätigte die notariell besiegelte Übereinkunft mit der Stadt. Wolfram Buegger umriss die Pläne des Investors folgendermaßen: Einrichtung einer kleinteiligen Ladenpassage im Erdgeschoss, Büros und Praxen im ersten Obergeschoss und ein Hotel im Stockwerk darüber, wobei die Gastronomie des Hotels im Parterre untergebracht und auch den Innenhof bespielen soll. Die Fassaden, über deren Erhalt in der Vergangenheit kontrovers diskutiert wurde, bleiben im Großen und Ganzen erhalten.

Themendossier zum Leerstand in der Amberger Bahnhofstraße

Oberbürgermeister Michael Cerny sieht in dem Vorhaben ein lukratives Angebot an die Stadt. Rückblickend auf die verworfenen Pläne sagte er: "Das Konzept mit dem großflächigen Handel war 2015 richtig, aber 2019 nicht mehr tragfähig." Die wichtigsten Entwicklungsziele blieben an dieser Stelle aber unangetastet. "Wir wollen die Attraktivität der Altstadt steigern und wir wollen auch den Forum-Innenhof wieder beleben."

Hotel-Erfahrung

Auch das städtische Baureferat hat sich in den vergangenen Wochen intensiv mit den neuen Plänen auseinandergesetzt. Baureferent Markus Kühne sagte am Freitag, er stehe mit den Investoren in engem Kontakt. Schon in den nächsten Tagen gehe es in Fachgesprächen um weitere Details. Die Firma Bauart ist nicht nur als Bauträger aktiv, sondern verfügt auch über Erfahrungen im Hotel-Geschäft. Im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen betreibt ein Tochterunternehmen einen exklusiven Beherbergungsbetrieb im bayerischen Stil namens "Mariandl am Meer". Im Internet wird das Hotel als "nördlichstes Alpenresort Deutschlands" beworben.

Info:

Referenzen des Investors

Wolfram Buegger, Kostja Künzel und Thomas Helm sind Amberger. Ihre gemeinsame Firma Bauart hat hier ihren Sitz und in Amberg haben sie in den vergangenen Jahrzehnten ihre Spuren hinterlassen.

Frank’sches Palais

Den Anfang machte 2004/2005 das Frank’sche Palais in der Herrnstraße. „Damals war die Altstadtsanierung praktisch tot“, erinnert sich Wolfram Buegger daran, dass Bauart zu dieser Zeit eines der wenigen Unternehmen überhaupt war, das sich der Sanierung alter Häuser in Amberg annahm. Der heutige Bauboom war damals in weiter Ferne, trotzdem setzten die Bauart-Leute auf das Konzept der Sanierung.

Ehemaliges Jesuitenseminar

In der Seminargasse zeichnet die Bauart für die Umgestaltung des ehemaligen Jesuitenseminars verantwortlich.

Metzgerei Hubmann

Nächstes Beispiel: Die alte Metzgerei Hubmann in der Löffelgasse. Gegen die größten Widerstände des Landesamtes für Denkmalpflege stimmte hier 2010 der Stadtrat dem Konzept zu, das die Firma Bauart für die Sanierung des Gebäudes vorgelegt hatte, das seit Jahren leer stand und in einem schlechten Zustand war. Heute ist der Hubmann als Gaststätte ein beliebter Treff in der Altstadt, das Objekt gilt als denkmal- und zeitgerecht saniert.

Jugendstilvilla Sechserstraße

In der Sechserstraße sanierte die Bauart eine der prächtigen Jugendstilvillen, in denen einst die Offiziere der Kaiser-Wilhelm-Kaserne wohnten, besonders aufwendig gestalteten sich hier die Arbeiten an den unzähligen Figuren, die am Sims entlang eingebaut worden sind.

Ehemaliges Vis-à-vis

Letztes und aktuelles Bauart-Projekt in der Altstadt ist die ehemalige Gaststätte Beck, das spätere Vis-à-vis in der Lederergasse. Noch laufen hier die Arbeiten auf Hochtouren, doch die ersten Wohnungen sollen schon bald übergeben werden. Das Besondere an diesem Objekt ist die gleichzeitige Sanierung des Altbaus samt Ergänzung durch einen modernen Anbau mit einem futuristischen Treppenhaus.

Ehemaliges Zollamt

Außerhalb der Amberger Altstadt verwirklichte sich das Unternehmen unter anderem am ehemaligen Zollamt in der Merianstraße. (ass)

Eine der Referenzen: Die von der Bauart sanierte Jugendstilvilla in der Sechserstraße.
Kommentar:

Gute Nachrichten für Amberg

Es sind drei gute Nachrichten in einer. Erstens: Das ehemalige Kaufhaus Forum hat neue Eigentümer. Zweitens: Das sind drei Amberger, die ein großes Interesse daran haben, dass hier endlich etwas passiert. Und drittens: Sie haben Ideen und Konzepte, was sie aus diesem Komplex machen können, ohne den historischen Kontext zu zerstören. Kostja Künzel, Thomas Helm und Wolfram Buegger von der Bauart GmbH beweisen immer wieder, dass eine neue Nutzung für ein altes Gebäudes möglich ist, ohne gleich die Abrissbirne auszupacken.
Sie haben als Einheimische natürlich die Diskussion mitbekommen um den Teilabbruch von Fassaden, von kompromissloser Entkernung und einer Tiefgarageneinfahrt mitten in der Bahnhofstraße. Das alles brauchen die Leute von Bauart nicht. Sie setzen auf kreative Ideen, sie gehen neue Wege und bringen dabei das Alte zur Geltung. Und das alles in dem Bewusstsein, ihrer Heimatstadt Amberg etwas Gutes zu tun. Was will man mehr?

Andreas Ascherl

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