03.04.2019 - 16:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Ankermieter kehrt Forum den Rücken

Es ist eine Hiobsbotschaft. Fürs Forum. Und für Amberg. Der Ankermieter, den Stadt und Gewerbebau für das seit 14 Jahren leerstehende Kaufhaus an der Bahnhofstraße am Haken hatten, ist weg! Er hat Anker gelichtet und ist davongesegelt.

von Thomas Amann Kontakt Profil

Bislang hatten Stadt und Gewerbebau als Gebäudeeigentümer den Namen des Interessenten nicht öffentlich gehandelt. Das gehört zwar zu seriösem Geschäftsgebaren dazu, aber in diesem Fall wollte man doppelt vorsichtig sein: Ja nicht den so wichtigen Magneten für die Forum-Belebung irgendwie verärgern mit Aussagen, die ihn in Zugzwang bringen könnten. Daran hielten sich auch die Oberpfalz-Medien - bis jetzt. Nun aber, da der Hoffnungsträger verschwunden ist, ist es Zeit, Ross und Reiter zu nennen. Zumal damit auch der Betroffene selbst keine Probleme (mehr) hat.

Es ist die Unternehmensgruppe Frey aus Cham, die auf Nachfrage der AZ offen Auskunft gibt über ihren Rückzug von Ambergs wohl wichtigstem Projekt in der Altstadt. Geschäftsleiter Helmut Hagner bestätigt die Veränderung ohne Zögern und nennt als Hauptgrund den neuen Standort, für den sich das Familienunternehmen mit seinen Mode- und Möbelhäusern entschieden habe. In Bad Kötzting hat es offiziell zum 1. März das seit rund 40 Jahren bestehende Bekleidungshaus Wanninger übernommen. Mit seinen 35 Beschäftigten und rund 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

In der Stadtratssitzung vom April 2019 gab es bereits erste Andeutungen

Amberg

Etwa genauso groß wäre die Fläche im Ex-Kaufhaus Forum bzw. Storg gewesen, die Frey als Ankermieter übernehmen hätte sollen. Wobei der Begriff Ankermieter bedeutet, dass die Gewerbebau die Hoffnung hatte, mit diesem Zugpferd weitere Läden und Mieter fürs Gebäude leicht(er) zu finden. Doch Unternehmensleiter Hagner sagt, dass die inhabergeführte Gruppe mit sieben Häusern an fünf Standorten (Cham, Marktredwitz, Weiden, Schwandorf und Bad Kötzting) ein Projekt dieser Größenordnung nur alle vier bis fünf Jahre realisieren könne. Eines - und nicht zwei gleichzeitig. "Wir haben begrenzte Kapazitäten und Möglichkeiten, ein solches Objekt zu entwickeln", erläuterte Hagner und verhehlte nicht weitere Hintergründe.

Eine Ursache, warum man das Interesse am Forum zurückgenommen habe - übrigens schon Ende vergangenen Jahres -, sei die "lange Phase der Unsicherheit" gewesen mit der essenziellen Frage, was zum Beispiel in Sachen Denkmalschutz mit dem alten Kaufhaus und seiner Fassade zur Bahnhofstraße hin passiere. Hagner beklagte einen relativ "langen Stillstand", der den Eindruck genährt habe, "dass sich das Projekt in Amberg schwertut". Auch bei den verschiedenen Interessengruppen, angefangen bei den Bürgern über die Nachbarn bis hin zu Stadt und Gewerbebau selbst. "Wir haben gefühlt, das wird schwierig", nannte Hagner als weiteren deutlichen Grund für die Absage der Chamer.

Ungleich leichter fiel da die Übernahme des bestehenden und immer noch laufenden Bekleidungshauses in Bad Kötzting, dessen Inhaber-Ehepaar sich auch aus Altersgründen zurückziehen wollte. Hier konnte ein funktionierender Betrieb übernommen werden - samt eingespieltem Mitarbeiter-Team, was laut Hagner beim gegenwärtigen Fachkräftemangel durchaus auch ein Argument sei. Selbst wenn man fachlich versierte Leute finde, brauche es oft Jahre, "ihnen die DNA unseres Unternehmens einzupflanzen". Als Familienbetrieb mit insgesamt rund 500 Beschäftigten lege die Unternehmensgruppe Frey darauf Wert - sieht darin auch einen Teil ihres Erfolgsgeheimnisses.

Vor allem im Wettbewerb mit dem Onlinehandel ist dieser Aspekt nach Einschätzung von Helmut Hagner nicht zu vernachlässigen, nachdem es für den stationären Handel immer schwieriger werde, im Kampf mit dem Internet zu bestehen. Doch darüber jammert der Unternehmensleiter nicht; er weist stattdessen darauf hin, dass gut geführte Läden wie Freys Mode-, Sport- und Möbelhäuser durchaus punkten: "Es ist nicht alles schlimm, aber man muss seine Hausaufgaben besser machen", schildert er die Situation der Branche vor Ort. Und zur eigenen Firma mit ihren Expansionsbestrebungen betont er noch einmal: Im Gegenteil "gibt es noch Unternehmen, die an den stationären Handel glauben und Standorte übernehmen". Auch in Schwandorf ist Frey mit einem "Mode-Erlebnis-Kaufhaus" an der Friedrich-Ebert-Straße vertreten. Dorthin würden bereits Kunden aus Amberg und Umgebung kommen - ein weiterer Grund zusammen mit den anderen , warum das Forum aus dem Fokus rückte.

Der OB nimmt Stellung

Amberg

Dossier zum Projekt Neue Münze

Kommentar:

Das Herz blutet neu

Au Backe, das tut weh! Nicht nur, weil der Verlust des Ankermieters fürs Forum an sich schon eine Ohrfeige für Amberg ist, sondern weil nun wieder ein langer und schmerzlicher Prozess der Suche und Entwicklung beginnen könnte. Der nächste geeignete Interessent – ein Wunschkandidat a là Frey mit regionaler und familiärer Verwurzelung – wird nicht gleich vor der Tür stehen. Denn draußen vor der Tür sind denkbare Namen ja schon in den vergangenen Jahren stehengeblieben – ohne ernsthaftes Interesse am in der Branche längst als schwierig gehandelten Projekt Forum.
Weitere bange Fragen tun sich auf: Was ist mit Ten Brinke? Wie reagiert man dort auf den neuen Forum-Schock? Wird’s nicht auch für diese Investoren schwierig(er), gute Mieter für ihr Objekt zu finden? Schließlich hatte man sich eine gegenseitige Befruchtung beider gegenüberliegender Häuser erhofft – im Sinne von neuer Anziehungspunkt im Osten der Altstadt.
Und was ist mit der Tiefgarage und ihrer Einfahrt in der Bahnhofstraße, die beide Häuser bedienen soll? Fragen über Fragen. Und das traurige Gefühl, dass es mit der ersehnten Belebung der City wieder dauern kann. Zum Kopfschütteln – ohne Vorwurf, der uns auch nicht weiterbringt. Denn ums Weiterbringen geht’s ja – von Amberg und seiner tollen Altstadt, die nicht aussterben darf und eine bessere Zukunft verdient hat.

Thomas Amann

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Kommentare

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Volker Gebhard

Zitat von OB Cerny:
"Dabei gehen wir nach wie vor davon aus, dass es uns gelingt, eine interessante Lösung für die Stadt Amberg zu finden."

Ja Herr Cerny, fragt sich nur ob dies noch in diesem Jahrhundert stattfinden wird. Unsere Nachbarstädte Neumarkt und Weiden machen Nägel mit Köpfen mit ihren Einkaufszentren, während Amberg mal wieder alles "verschläft" und nachher dumm schaut, weil viele woanders einkaufen gehen. Sind wir doch mal ehrlich: Ein Glanzleistung unserer Politiker im Stadtrat ist das nicht. Vielleicht mal keine Beamten sondern richtige Profis ranlassen. Ansonsten wird das nie was.

04.04.2019