03.06.2019 - 10:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Neue Schäden an sanierter Brücke

Die Sandsteinbrüstung ist gerissen, überall platzen Teile ab und aus den Steinfugen verschwindet so nach und nach der Spezialmörtel. Gut sechs Jahre nach ihrer Sanierung ist die Nabburger Torbrücke ein Fall für die Gerichte.

von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Zu übersehen sind die Schäden mittlerweile nicht mehr. Tiefe Risse in der Brüstung der Brücke zeugen von gewaltigen Kräften, die hier gewirkt haben müssen. Stellenweise ist der Sandstein schon so weit abgeplatzt, dass die innenliegende Metallkonstruktion zu sehen ist. Und nicht nur hier "verschwindet" der Mörtel auf den Fugen, der erst vor sechseinhalb Jahren hier eingebaut worden ist. Wer unter die Brücke über den Stadtgraben beim Nabburger Tor geht, kann sehen, dass auch aus den Bögen der Mörtel rieselt, in den Fugen tauchen Plastik-Keile auf, die hier bei der letzten Sanierung eingebaut worden sind.

Rückblende: Im Dezember 2012, ein paar Tage vor Weihnachten, wiedereröffnete Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer, die Brücke, die nicht nur ihm gewaltiges Kopfzerbrechen bereitet hat. Das Bauwerk über den Stadtgraben, aus Muschelkalk, Sandstein und Granit erbaut im Jahr 1867, war um die Jahrtausendwende den zunehmenden Belastungen des modernen Straßenverkehrs nicht mehr gewachsen. Seit 2008 ruhte sie auf einer Hilfskonstruktion aus Stahl, 2012 ging die Generalsanierung mit einem Kostenaufwand von 1,15 Millionen Euro über die Bühne.

Bei den vorgelagerten Befundungen hatte sich schnell herausgestellt, dass von der ursprünglichen Brücke im Prinzip nur noch die äußere Hülle bleiben würde. Das gesamte Innenleben wurde mit einem Edelstahlskelett versehen und in Spezialmörtel gegossen. Doch außen rum sollte die historische Brücke noch als solche zu erkennen sein. Was bei den Arbeiten schief gelaufen sein könnte, das bleibt im Augenblick noch im Dunkeln. Unübersehbar aber sind inzwischen die Schäden am Mauerwerk.

Ein Leserbrief machte in den vergangenen Wochen ausdrücklich auf den schlechten Zustand der Brücke aufmerksam. "Offensichtlich ist die Instandsetzung völlig misslungen und es wurden grundlegende Fehler gemacht", schreibt Leitender Baudirektor a.D. Alfons Swaczyna, der maßgeblich an der Sanierung der Steinernen Brücke in Regensburg beteiligt war.

Auf Anfrage der Amberger Zeitung gibt man sich bei der Stadt Amberg allerdings sehr bedeckt. Ja, so heißt es aus der städtischen Pressestelle, die Schäden an der Brücke sind tatsächlich vorhanden. Eine Erklärung oder einen Kommentar dazu gibt es allerdings nicht. Wie Thomas Graml aus der Pressestelle erläutert, läuft tatsächlich bereits seit August 2018 ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren in dieser Angelegenheit. "Und zu laufenden Verfahren geben wir grundsätzlich keine Auskunft."

Das Beweissicherungsverfahren erklärt auch, warum die Schäden an der Brücke nicht repariert werden. Solange das Gericht nicht festgestellt hat, woher die Schäden kommen und wer für ihre Beseitigung aufkommen muss, kann am Status Quo nichts verändert werden. Zumal laut Thomas Graml die Statik, also die Haltbarkeit der Brücke nicht betroffen ist. "Würde es hier Schäden geben, müssten wir die Brücke ja komplett sperren", sagt er auf Nachfrage.

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