16.09.2020 - 16:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Neuer Direktor am Amtsgericht Amberg: Täschner folgt auf Stich

Es hätte ein Festakt werden sollen. Doch die Pandemie sorgt dafür, dass der Führungswechsel im Amtsgericht nur mit wenigen Gästen vonstatten geht. Der langjährige Direktor Ludwig Stich geht, sein Nacholger Stefan Täschner wird eingeführt.

Zum Führungswechsel beim Amtsgericht kamen der Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg, Thomas Dickert (Mitte) und seine Stellvertreterin Waltraut Bayerlein (links) nach Amberg. Sie verabschiedeten den langjährigen Direktor Ludwig Stich (Zweiter von links) in den Ruhestand und begrüßten dessen Nachfolger Stefan Täschner (rechts).
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Oberlandesgerichtspräsident Thomas Dickert achtete auf Abstand. Er war aus Nürnberg zusammen mit der OLG-Vizepräsidentin Waltraut Bayerlein angereist, um einen Stabwechsel im Amtsgericht zu vollziehen. Dies geschah, weil Corona es so gebot, in einem schmucklosen Sitzungssaal. Die weltweit für Vorkehrungen sorgende Seuche ließ es noch nicht einmal zu, dass die Familien der beiden Hauptpersonen eingeladen werden konnten. OLG-Präsident Dickert wandte sich zunächst dem schon vor einigen Monaten in den Ruhestand getretenen Ludwig Stich zu. "Sie haben das Amtsgericht geprägt", lobte er und nannte Stich "einen seriösen Richtertyp". Danach erinnerte Thomas Dickert daran, dass Stich 37 Jahre lang im Dienst der bayerischen Justiz stand und machte dessen Kompetenz an einem Urteil fest, das Ludwig Stich schrieb, als er noch einer Strafkammer des Landgerichts angehörte. Der Schriftsatz umfasste 243 Seiten.

"Sie waren dem Amtsgericht ein souveräner Direktor", beschrieb der OLG-Präsident die Arbeit des Juristen Stich und erinnerte daran, dass der gebürtige Vilsecker in seiner Berufslaufbahn zwei Jahrzehnte lang dem AG Amberg angehörte: Von 2000 bis 2009 als stellvertretender Leiter, danach als Chef. Ludwig Stichs Nachfolger ist der ebenfalls aus Vilseck stammende Stefan Täschner. Der neue Direktor arbeitet seit 25 Jahren für die Justiz im Freistaat. Täschner, promovierter Jurist, war Staatsanwalt und Richter, hatte früher auch schon Positionen beim Amtsgericht Amberg inne und wechselt von der Position eines Oberstaatsanwalts auf die Direktorenstelle.

"Wir haben uns gewünscht, dass Sie diese Stelle erhalten", ließ Thomas Dickert anklingen. Den neuen Amtsinhaber beschrieb der OLG-Präsident als "Teamspieler, der sich durch Arbeitsfreude, Elan und hohe soziale Kompetenz" auszeichne. "Sie kennen Land und Leute", beschrieb der OLG-Präsident die Heimatverbundenheit Täschners und erwähnte, dass Stefan Täschner 14 Jahre lang Elternbeiratsvorsitzender des Amberger Max-Reger-Gymnasiums war. Nun werde er Chef eines Gerichts mit 89 Mitarbeitern.

Die in sich ruhende Gelassenheit war stets ein Merkmal von Ludwig Stich. Im Beisein von Landgerichtspräsident Harald Riedl und des Leitenden Oberstaatsanwalts Joachim Diesch sagte er: "Es war immer meine Vorstellung, als freier und unabhängiger Richter arbeiten zu können. Dieser Wunsch hat sich erfüllt." Sein Nachfolger Stefan Täschner ließ anklingen: "Ich hatte bisher das große Glück in meiner Berufslaufbahn, dass immer Leute an meiner Seite waren, die mich mitgenommen haben." Nun, fuhr Täschner fort, sei er "an das Amtsgericht zurückgekehrt und mit offenen Armen empfangen worden."

Hintergrund:

Nach siebenjähriger Tätigkeit als Stellvertreter des Amtsgerichtsdirektors räumt Richter Peter Jung seinen Schreibtisch in Amberg und kehrt zurück in seine Heimatstadt Schwandorf. Hier wird er ab 1. Oktober als ständiger Vertreter der Amtsgerichtsdirektorin Petra Froschauer tätig sein. Die Stelle in Schwandorf war seit mehreren Monaten vakant.

Neben seinen Vertretungsaufgaben im Fall einer Abwesenheit des Behördenleiters hatte Peter Jung in Amberg auch die Funktion des Jugendrichters. Er führte außerdem den Vorsitz beim Jugendschöffengericht. Auch in Schwandorf wird der 59-Jährige strafrichterliche Funktionen übernehmen. Jungs Name wird mit zwei für überregionales Aufsehen sorgende Prozesse in Verbindung gebracht. Vor einigen Jahren führte er in Amberg den Vorsitz bei einem Verfahren gegen fünf junge Asylbewerber, die grundlos eine Prügelattacke in der Innenstadt gestartet und dabei mehrere Menschen verletzt hatten. Jahrzehnte liegt das zweite Ereignis zurück. Damals noch Zivilrichter in Schwandorf, wurde vor Peter Jung im Gerichtssaal darüber debattiert, ob der Fronberger Kirwabaum, weil dessen Nadeln in eine benachbarte Dachrinne fielen, entfernt werden sollte. Der Baum blieb stehen.

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