16.07.2019 - 17:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Neues Konzept für Katharinenfriedhof

Die Bestattungskultur ist im Wandel. Waren früher Erdbestattungen mit Särgen verbreitet, werden heute viele verschiedene Formen der Beisetzung nachgefragt. Auch in Amberg. Die städtischen Friedhöfe reagieren auf diese Wünsche.

Stichwort Barrierefreiheit: Die Wegeführung im Katharinenfriedhof in Amberg soll verbessert werden.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

„Wir sind natürlich bereit, uns da mitzubewegen“, sagte Harald Knerer-Brütting, der städtische Referent für Jugend, Senioren und Soziales. Urnenbestattungen machen mittlerweile 70 bis 75 Prozent in Amberg aus, auch anonyme Gräber werden verlangt. Oftmals gibt es niemanden, der die Grabpflege übernehmen kann. „Das ist ein ganz sensibler Bereich, da gibt es kein Richtig oder Falsch.“ Jeder Friedhof in der Stadt sei anders. „Jeder für sich ist wichtig“, betonte Knerer-Brütting. „Ich halte nichts von Schließungen. Das ist ein Wert, den es zu erhalten gilt.“ Landschaftsarchitekt Christopher Trepesch hatte im Frühjahr den Auftrag bekommen, ein Konzept für den Katharinenfriedhof zu erstellen.

„Ich halte nichts von Schließungen. Das ist ein Wert, den es zu erhalten gilt", sagt Harald Knerer-Brütting, der städtische Referent für Jugend, Senioren und Soziales, über die Amberger Friedhöfe.

Das präsentierte er am Montagabend, als die CSU-Stadtratsfraktion auf ihrer Sommertour beim Ortsverband Eisberg Halt machte. Vorsitzender Manfred Rauscher hatte auf den Friedhof und in die sanierte Kirche St. Katharina eingeladen. Die bestehenden Urnenstelen sollen in neue Formen überführt werden, erläuterte Trepesch. So könnten Urnengräber in einer Böschung Platz finden oder unter Bäumen. Ein Friedhain steht ebenso zur Diskussion wie Urnenfelder, die individuell gestaltet werden können. Fläche sei ausreichend vorhanden. Die anwesenden Parteimitglieder und Anwohner berieten auch über attraktivere Urnenstelen mit eingebauten Fächern für Blumen oder persönlichen Schmuck.

In solchen Böschungen könnten Urnengräber ihren Platz finden, erklärt der beauftragte Landschaftsarchitekt Christopher Trepesch. "Früher wurden diese Bereiche schon mal genutzt, um Kinder zu bestatten."

Zu Lebzeiten reservieren

Viele Menschen wollen sich ihre Urnenstätten schon zu Lebzeiten aussuchen und diese reservieren, erklärte der Leiter des Standes- und Friedhofsamtes,  Wolfgang Lebe. Die Nachfrage sei hier so groß, dass ihr nicht entsprochen werden könne. Das neue Friedhofskonzept umfasst aber noch weitere Punkte, erklärte Oberbürgermeister Michael Cerny. Diese sollen in verschiedenen Bauabschnitten realisiert werden. So müssten für ausreichend Barrierefreiheit sanierungsbedürftige Wege erneuert werden. Einige Bereiche wirken kahl, kranke Bäume wurden entfernt - und viele weitere müssen noch folgen, erläuterte Bernd Müller vom Friedhofsamt. Hier sollen neue gepflanzt werden, klimaverträgliche. Trepesch: "Die könnten zugleich als Urnenbäume genutzt werden."

Groß war das Interesse am Ortstermin der CSU-Stadtratsfraktion auf dem Katharinenfriedhof.

Weitere freie Stellen könnten als Blühflächen dienen. "Ökologische Bepflanzung muss nicht nach Unkraut aussehen", räumte Cerny Bedenken aus. Zu berücksichtigen gilt es auch, dass es im Katharinenfriedhof viele denkmalgeschützte Grabstätten gibt. Etliche davon sind im Besitz der Stadt. Hier fallen immer wieder Kosten an, stellte Dieter Mußemann, Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion, fest. Trepesch schlug vor, diese Grabanlagen für anonyme Bestattungen zu nutzen. Friedhofspfleger Stefan Ferstl war auch der Lagerplatz ein Anliegen. Dieser sei zu klein. Abhilfe könne geschaffen werden, indem der Zugang für die Öffentlichkeit in diesem Bereich geschlossen und das Tor versetzt wird. Die Umsetzung des vorgestellten Konzeptes wird dauern. "Anders ist das nicht möglich", erklärte Cerny, "auch finanziell. Wir müssen sehen, wie wir das im Haushalt unterbringen, ohne die Grabnutzungsgebühren anheben zu müssen." Realistisch seien 10 bis 15 Jahre.

Frische Farbe, restaurierte Seitenaltäre, ein durchdachtes Lichtkonzept: Architekt Heinrich Schwirzer erklärt, was bei der Sanierung der Kirche St. Katharina alles gemacht wurde.

Ab September offen

Die Friedhofskirche ist nach sieben Jahren Renovierung nun fertig. Pfarrer Markus Brunner und Architekt Heinrich Schwirzer führten durch das sanierte Gotteshaus. Die Anwesenden zeigten sich angetan. Rund 2,3 Millionen Euro habe die Sanierung gekostet, erklärte Schwirzer. Die Unterschriftensammlung und Spendenbereitschaft der Bevölkerung habe gezeigt, welchen Stellenwert die Kirche in Amberg hat, sagte Brunner. Stadt und Kirchenstiftung St. Georg hätten hier gut zusammengearbeitet. Entstanden ist ein "echtes Juwel", freute sich Mußemann. Und das will auch als Rückzugsort für Friedhofsbesucher genutzt werden. Ab Ende September soll die Kirche jeden Morgen auf- und am Abend wieder zugesperrt werden, versprach Brunner. Die AZ hatte den Ortstermin versehentlich für eine Woche später angekündigt. Der Termin am 22. Juli findet nicht statt.

So hat die Kirche vor der Renovierung ausgesehen: Architekt Heinrich Schwirzer hat Fotos dabei.
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