30.01.2020 - 17:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Nichte bei Ferienaufenthalten im Ehebett missbraucht

68-Jähriger kommt mit zwei Jahren auf Bewährung davon. Das Opfer war zur Tatzeit zwölf Jahre jung.

Wegen sexuellen Missbrauchs stand in Amberg ein 68-jährigher Rentner vor Gericht.
von Autor HWOProfil

Manche der Übergriffe liegen sieben und noch mehr Jahre zurück. Wenn eine damals Zwölfjährige zur Ferienzeit in die Wohnung von Verwandten kam, wurde sie dort vom Hausherrn unsittlich begrapscht. Ein Tatbestand, der nun vor dem Schöffengericht als sexueller Missbrauch eines Kindes angeklagt war.

Vor der Polizei hatte der Beschuldigte alles gestanden. Im Gerichtssaal aber ruderte der heute 68-Jährige aus dem südlichen Landkreis plötzlich zurück und führte Zweierlei ins Feld. Seine Nichte, damals während der Ferien immer mal wieder Gast in seinem Haus, habe "ja mitgemacht". Außerdem seien seinerseits zwar Zugriffe am Oberkörper der Schülerin erfolgt, nicht aber "weiter unten".

Das verwunderte Gerichtsvorsitzende Katrin Rieger und mit ihr Staatsanwältin Barbara Tutsch. "In den Protokollen steht, dass Sie vor der Kripo alle Vorwürfe umfassend zugegeben haben", hielten sie dem Rentner vor. Dieses Argument führte zu einem Hinweis von Pflichtverteidiger Uwe Pohl: "Ich weiß nicht, ob mein Mandant überhaupt in der Lage ist, rein von der Intelligenz her die Dinge einzuordnen."

Was daraufhin geschah, besaß Seltenheitswert. Mit der im Saal anwesenden Psychiaterin Anna-Christine Wunder-Lippert hatte sich der 68-Jährige trotz Aufforderung zuvor nie getroffen. Auf Drängen seines Anwalts willigte er plötzlich ein. Die Fachärztin aus Nürnberg unterhielt sich anschließend eine Stunde lang hinter verschlossenen Türen mit dem Rentner und bescheinigte ihm danach eine eher niedrige Intelligenz.

Die Steuerungsfähigkeit des Mannes zu den einzelnen Tatzeitpunkten hielt sie nicht für ausgeschlossen. In diesem Moment war der Beschuldigte an einer längeren Haft vorbeigeschrammt.

Das Opfer, heute 20 Jahre alt, musste aussagen. Die junge Frau beschrieb fast abstruse Situationen: Zu Gast bei den Verwandten übernachtete sie im Ehebett zwischen dem Mann und seiner Gemahlin. Dabei sei sie gegen ihren Willen am ganzen Körper betatscht und begrapscht worden. "Auch unten?", fragte die Richterin. Das wurde bejaht. "Und mitgemacht?" Es folgte eine entschiedene Zurückweisung.

Das Opfer der sexuellen Attacken im Ehebett trug die Begebenheiten Jahre mit sich herum. Dann erst offenbarte sich die Frau einer Freundin, ihrer Mutter, dem Jugendamt und schließlich der Polizei. So kam das Verfahren wegen eines Verbrechenstatbestands des sexuellen Kindesmissbrauchs in Gang.

Wenn einer Geschädigten die Aussage vor Gericht nicht erspart werden kann, setzt es für den Täter im Regelfall eine Haftstrafe ohne Bewährung. Doch diesmal hatte die Justiz einen Beschuldigten vor sich, der im Gespräch mit der Psychiaterin noch nicht einmal sein genaues Lebensalter nennen konnte. Einer, der sich an der Grenze zur Debilität bewegt.

Staatsanwältin Tutsch beantragte zwei Jahre Haft für die Sexattacken und fügte hinzu, man könne dem bis dahin unvorbestraften Mann eine Bewährungschance geben. Gleicher Ansicht war Verteidiger Pohl.

Das Schöffengericht schloss sich an. Allerdings mit den Auflagen, dass sich der 68-Jährige von "Kindern und Jugendlichen fernhalten muss" und 2000 Euro an die Geschädigte zu zahlen hat. Das wird ihm bei 800 Euro Rente nicht leicht fallen.

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