23.12.2018 - 13:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Notdienst selbst ein Notfall

Zunächst tut sich eine gewaltige Versorgungslücke auf für die Feiertage. Dann schließt sich diese doch noch zu einem guten Teil. Doch die Frage bleibt, wie künftig die Versorgung mit Notärzten sichergestellt werden soll.

Notarzt im Einsatz. Immer weniger Ärzte erklären sich tatsächlich bereit, bei Nacht und Nebel und bei jeder Witterung hinaus zu fahren. Die Leitenden Notärzte fordern eine deutliche Änderung des bestehenden Systems.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Der Hinweis kommt aus dem Nachbarlandkreis Schwandorf. Dort merkt der Leitende Notarzt Dr. Michael Heidrich im Interview mit Oberpfalz-Medien an, im Landkreis Amberg-Sulzbach und in der Stadt Amberg sei der ärztliche Notdienst über die Feiertage nicht besetzt. Er müsse von den Schwandorfer Kollegen übernommen werden. Und tatsächlich sieht es auf den ersten Blick so aus, als ob die Amberg-Sulzbacher Versorgungslücken von Schwandorf aus geschlossen werden müssten.

Drei Notarzt-Stützpunkte existieren in unserer Region: Amberg, Sulzbach-Rosenberg und der relativ neue in Hirschau. Jeder dieser Stützpunkte muss in Schichten à zwölf Stunden mit einem Notarzt besetzt werden. Doch woher diese nehmen? Leitender Notarzt Dr. Sven Mörk, der die Liste für den Standort Sulzbach einteilt, rechnet vor, was allein der Stützpunkt Hirschau an Mehraufwand bringt: "Dort haben wir dadurch 365 Tage mit je zwei Schichten zu besetzen, der Personalstand im Notarztdienst hat sich aber nicht zwingend erhöht."

Eher trifft wohl das Gegenteil zu. Pensionierungen, Wegzug oder schlicht der Rückgang der Dienstwilligkeit haben laut Sven Mörk zu einer Reduzierung der tatsächlich zum Rückkehr der Kollegen geführt, die zu Notdiensten eingeteilt werden können. "Und so tauchen inzwischen Lücken auf", gibt er unumwunden zu. "Und an Weihnachten ist der Zeitpunkt, an dem noch mehr Kollegen als sonst überlegen, ob sie Notdienst machen wollen oder lieber daheim bei ihrer Familie bleiben."

Zusätzlich werde die Ausbildung zum Notarzt auch noch von der Kassenärztlichen Vereinigung erschwert. "Die ist über die Jahre immer härter geworden." Und das bei einer Bezahlung, die nur wenig Anreize biete. "So richtig Geld verdient ist mit den Notdiensten ja nicht", weist Sven Mörk auf den finanziellen Aspekt hin. Er zieht den Vergleich mit dem Notdienst für die Heizung an den Feiertage, der sich schnell auf ein paar hundert Euro belaufe. Die Kasse hingegen bezahle für jeden Einsatz eines Notarztes nur 73 Euro. Bei durchschnittlich zwei Einsätzen pro Nacht könne man sich ausrechnen, wie viel da in Kombination mit den 20 Euro pro Stunde Bereitschaft übrig bleibe. "Und die 20 Euro müssen Sie ja noch zurückzahlen, wenn Sie in dieser Stunde einen Einsatz haben."

Von der Sulzbacher 20er-Gruppe an Ärzten, die theoretisch für den Notdienst zur Verfügung stehen, fährt laut Sven Mörk nur die Hälfte auch wirklich regelmäßig bei Nacht, Nebel und Glatteis hinaus. "Wenn man bei Eis und Schnee nach Süß heizen muss, dann ist das nicht gerade ein Spaß", beschreibt Mörk die äußeren Umstände, die nicht jedem Arzt gefallen - auch wenn sie mit Fahrer unterwegs sind. Oft stelle sich dann vor Ort auch noch heraus, dass der vermeintliche Notfall nur ein Fall für die normale ärztliche Bereitschaft gewesen wäre.

Laut Dr. Mörk ist der Notarzt-Standort in Sulzbach-Rosenberg tatsächlich zwischen 23. und 25. Dezember nicht besetzt, außerdem nicht am 1. und 2. Januar sowie an Dreikönig. "Wenn jetzt nur in Amberg ein Notarzt sitzt, dann muss er an solchen Tagen den gesamten Landkreis abdecken." Da bis Freitagvormittag auch für Amberg und Hirschau keine Lösung vorhanden ist, fürchtet der Schwandorfer Notarzt zurecht, dass er letztendlich allein für ganze zwei Landkreise zuständig sein wird. Zum Glück verändert sich die Situation aber dann noch einmal.

Info:

Lücken gefüllt

Lange hat es so ausgesehen, als ob der ärztliche Notdienst für Amberg-Sulzbach und Amberg selbst zum Notfall werden würde. Doch am Freitagmittag kann Stefan Neppl, der Geschäftsführer des Zweckverbands (ZRF) für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung für die Regionen Schwandorf und Amberg Sulzbach, erst einmal vorsichtige Entwarnung geben. „Es hat gedauert, aber wir haben es geschafft, dass in der Dienstgruppe Amberg über die Feiertage alle Notarztdienste besetzt werden können.“ Erleichtert sagt Neppl: „Das hat sich für uns erledigt.“ Aber auch in Hirschau zeichne sich inzwischen eine Lösung ab. „Der Dienstplan ist fast fertig.“ Stefan Neppl gibt offen zu, dass es bis Mittwoch so ausgesehen hat, wie es der Schwandorfer Notarzt Dr. Michael Heidrich befürchtet hatte: „Bis dahin war es dramatisch, gottseidank haben wir das erst einmal gelöst.“ Aber auch Neppl glaubt, dass es eine Lösung geben muss, um die ärztlichen Notdienste wieder attraktiver zu gestalten für die Mediziner. Einig sind sich alle Notärzte darin, dass auch der Rettungshubschrauber die Notarztlücken nicht überall schließen kann. „Sie brauchen nur mal zum Fenster rausschauen, bei diesem Regen fliegt kein Hubschrauber“, sagte Neppl am regnerischen Freitag.

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