17.09.2018 - 10:15 Uhr
AmbergOberpfalz

"Notorischer Rechtsbrecher"

Der Staatsanwalt lässt kein gutes Haar an ihm. Er nennt den Mann "unverbesserlich" und hat damit die gleiche Meinung wie die Richterin. "Sie leben offenbar in einer Parallelwelt", hört der Angeklagte von ihr.

von Autor HOUProfil

Bei seinen Verhandlungen gilt: Schuld sind eigentlich immer andere. Der 55-jährige aus einer Stadt im östlichen Landkreis gilt als aggressiv, unbeherrscht und aufbrausend. "Sie haben Probleme, geltendes Recht zu akzeptieren", schrieb ihm Amtsrichterin Julia Taubmann ins Stammbuch.

Nicht zum ersten Mal. Die Juristin kennt den Mann zu genüge. In seiner Anklageschrift erhob Staatsanwalt Tobias Kinzler zwei Vorwürfe. Der erste: Ein Mann sollte mit dem Umbringen bedroht worden sein. Das mutmaßliche Opfer der Verbalattacke erschien in Begleitung seines Rechtsanwalts und unterstrich: "Ich habe Angst vor dem Mann." Da aber die näheren Umstände der Verbalattacke schwierig zu klären gewesen wären, verzichtete der Anklagevertreter auf eine weitere strafrechtliche Verfolgung und wandte sich dem zweiten Delikt zu.

Trotz Fahrverbots im Auto

Der 55-Jährige hatte wegen erheblicher Geschwindigkeitsüberschreitung ein Fahrverbot bekommen. Doch das kümmerte ihn weiter nicht. Er setzte sich trotzdem in den Wagen einer nahen Verwandten und wurde zwei Mal erwischt. Das gab er jetzt auch zu. Allerdings mit der Einschränkung: "Ich habe nicht gewusst, dass das Fahrverbot rechtskräftig war." Die Richterin griff zu den Akten und verlas mehrere Schreiben des Polizeiverwaltungsamtes. Den Briefen ließ sich entnehmen, dass der 55-Jährige zu keinerlei Stellungnahme bereit war und nie reagierte.

Auch dann nicht, als man ihm dringend empfahl, zur Vermeidung einer Beschlagnahmeanordnung den Führerschein freiwillig abzugeben. "Diese Sendungen haben Sie erhalten und ignoriert", ließ Taubmann keinerlei Einwände gelten. Im Regelfall wären diese Schwarzfahrten wohl mit einer Geldstrafe abgegangen. Doch bei einem, der mit zwölf Vorahndungen wie Betrug, gefährliche Körperverletzung, Bedrohung und Unfallflucht auf der Anklagebank saß und zur Tatzeit noch dazu unter Bewährung stand, konnte es keine Nachsicht geben.

Halbes Jahr Gefängnis

"Sie sind ein notorischer Rechtsbrecher", brandmarkte Staatsanwalt Kinzler den Berufskraftfahrer und legte nach: "Wir lassen uns hier nicht für dumm verkaufen." Dann forderte Kinzler sechs Monate Haft ohne Bewährung und weitere drei Monate Fahrverbot. "Weil hier mit Vorsatz gehandelt wurde." Verteidiger Hans-Wolfgang Schnupfhagn (Weiden) sah ein fahrlässiges Handeln seines Mandanten und stellte in Frage, "ob ihn die Schreiben vom Amt erreichten." Eine Geldstrafe reiche deshalb aus. Die Richterin stellte sich an die Seite des Staatsanwalts, schickte den 55-Jährigen für ein halbes Jahr hinter Gitter und fügte drei Monate Fahrverbot hinzu.

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