14.11.2019 - 09:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Notorischer Schwarzfahrer muss sechs Monate in Haft

Der Mann ist zu mieten. Wenn er gebucht wird, reist der Handwerker zu Urlaubs- und Krankheitsvertretungen an. Mitunter allerdings ohne Fahrschein der Deutschen Bahn. Nach 27 Vorstrafen muss der 52-Jährige jetzt für ein halbes Jahr in Haft.

von Autor HWOProfil

Die Verhandlung vor der 3. Strafkammer des Landgerichts trug streckenweise skurrile Züge. Im wahrsten Sinn des Wortes. Denn es ging um Schwarzfahrten in Waggons der Deutschen Bahn und um die Frage, wie man den Täter auf das richtige Gleis hätte bringen können. Der aus Nürnberg angereiste Verteidiger Peter Roth beschrieb seine Ansicht recht burschikos mit folgenden Worten: "Geben Sie ihm doch noch mal Bewährung. Und wenn er dann wieder etwas anstellt, soll er im Knast verrotten." Da schmunzelte der Vorsitzende Richter Peter Hollweck.

Unterbezahlter Fahrschein

Was Hollweck und seine beiden Laienrichter vernahmen, war zumindest die Andeutung eines verbalen Feldzugs gegen Regularien der Bahn. "Ich könnte vieles sagen", ließ der im Kreis Amberg-Sulzbach wohnende Angeklagte wortreich erkennen und äußerte sich zu einem Vorfall, bei dem man ihn in einem von Limburg nach Frankfurt fahrenden Regionalexpress ohne Ticket erwischt hatte. "Ich besaß einen Fahrschein, doch der war unterbezahlt", erfuhr die Strafkammer. Da sei der Zugbegleiter streng vorgegangen.

Es gab noch weitere Begebenheiten, in der die zu Urlaubs- und Krankenvertretungen gebuchte Handwerker verwickelt war. Zum Beispiel in ICE-Zügen zwischen Nürnberg und Hannover und gleich anderntags zurück.

Ohne Fahrschein auf beiden Touren ebenso ertappt wie in einem ICE zwischen Hannover und Kassel. Was sich dort bei Kontrollen abspielte, wurde im Prozess nicht mehr näher erörtert. Und das, obgleich Zugbegleiter bis aus Berlin und Frankfurt nach Amberg als Zeugen angereist waren. Sie konnten unvernommen die Heimreise mit der Bahn antreten.

Zähneknirschend Urteil akzeptiert

Der pendelnde Miet-Handwerker, in der Lebensmittelbranche eingesetzt und mit Werkzeug unterwegs, hatte angesichts seiner Vorstrafen vom Amtsgericht Amberg ein halbes Jahr Haft ohne Bewährung erhalten. In der Berufungsinstanz signalisierte Richter Hollweck dem 52-Jährigen: "Zu erneuter Bewährung besteht kein Anlass. Nehmen Sie den Einspruch zurück. Denn die Strafe könnte noch höher ausfallen." Da zürnte der zum Nulltarif reisende Mann zwar. Doch er akzeptierte das Ersturteil zähnekirschend.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.