08.11.2018 - 12:03 Uhr
AmbergOberpfalz

Nicht nur im Winter heiß begehrt

Die Amberger Eishalle wurde bereits in den 1960er-Jahren errichtet - mit einem gewaltigen Kraftakt. Bis heute zahlt sich dies mehrfach aus: Die Einrichtung erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit.

Der ERSC Amberg ist mit seinen Heimspielen in der Eishockey-Landesliga ein Besuchermagnet.

Eislauf, Eistanz, Eishockey: Freunde des Kufensports kommen in der Amberger Eishalle auf ihre Kosten, auf dem Eis, am Rande der Bande oder in den Sommermonaten auf der Teerfläche, die sich hervorragend zum Inlineskaten eignet. Und dies bereits seit 1964, als der damalige Gesamtverein, der Eis- und Rollsportclub (ERSC) Amberg, mit dem Bau der Anlage begann.

Tausende Zuschauer

Der Startschuss fiel genauer gesagt am 2. April 1964. Vorausgegangen waren jahrelange Bemühungen des damaligen Vorsitzenden Alfons Guttenberger, einen geeigneten Platz für den im Jahr 1950 gegründeten Verein zu finden. Trat man doch in den ersten Jahren nach der Vereinsgründung in den Wintermonaten im alten Hockermühlbad, dem damaligen Militärbad, auf die zugefrorene Eisfläche. Zu dieser Zeit bestand der Verein nur aus einer Eiskunstlauf-Abteilung, die erste Kunstlaufveranstaltung fand im Winter 1950 statt. Immerhin: Zu der "säumten Tausende von Zuschauern die Ufer des Hockermühlbads", wie aus der Chronik des Vereins zu erfahren ist.

Von da an dauerte es noch 14 weitere Jahre, bis der Verein für damalige Zeiten mit einem ungeheuren Kraftakt die 420 000 Mark für die Bewältigung des ersten Bauabschnitts seines Stadions am Schanzl aufbringen konnte. In den Morgenstunden des 2. April 1964 donnerten die Motoren zweier Bergepanzer der US-Armee und ein Bulldozer auf dem Gelände des geplanten Stadions und zeigten unüberhörbar an, dass die Erdarbeiten begonnen hatten.

Deutschlandweit einmalig

Bis die Eishalle so aussah, wie man sie heute kennt, sollte aber noch einige Zeit vergehen. Zeitungsberichten und Interviews über die Zeit des Stadion-Baus zufolge war damals dieses von den Vereinsmitgliedern bewerkstelligte Projekt bayern- und sogar deutschlandweit einmalig und fand daher auch überregional Anerkennung.

Doch damit gab man sich nicht zufrieden. Bei der Feier zum 25-jährigen Jubiläums des Verein 1975 wurde die Idee, die Kunsteisbahn zu überdachen, zum ersten Mal veröffentlicht, 1979 war es dann soweit. Da die Angebote für Stahlkonstruktionen das Budget des Vereins bei weitem überstiegen, einigte man sich auf eine Holzkonstruktion. Die Holzhalle, die daraufhin eine Münchener Firma errichtete, schloss direkt an das bestehende Wirtschaftsgebäude an.

In dieser Form hatte das Amberger Kunsteisstadion bis 1991 Bestand. Nach der Saison 1990/1991 erfolgte eine Generalsanierung mit umfassenden Maßnahmen.

An Stadt verkauft

Kennt man diese Geschichte und erinnert man sich an die unermüdliche Arbeit der Mitglieder des Vereins zurück, so ist es umso schmerzlicher und enttäuschender, das dieses Stadion Ende der 90er-Jahre an die Stadt Amberg verkauft werden musste, da der Verein durch Misswirtschaft in den Jahren zuvor und wegen ausbleibender Sponsorengelder in massive finanzielle Probleme gekommen war.

Auch die Abteilungen Eiskunstlauf und Eistanz sowie Eisstockschießen spalteten sich in dieser Zeit vom Verein ab und gründeten den ESC Amberg. Die frühere Eisschnelllauf-Abteilung wurde bereits in den 70er-Jahren aufgrund fehlender Mitglieder stillgelegt. Seit dieser Zeit steht die Halle unter Verwaltung des ESC, der nicht nur seinen Mitgliedern dafür viel zu bieten hat.

Discolauf in der Amberger Eishalle: Bei passenden Lichteffekten und heißer Musik macht es richtig Spaß über die Eisfläche zu rutschen.

Der Schaulauf der Eiskunstabteilung des ESC Amberg ist einer der Saisonhöhepunkte. Auch für Einsteiger bietet der ESC die Möglichkeit, das Schlittschuhlaufen zu lernen.

Eishockey, Eiskunstlauf, Eisdisco:

Amberg. (brü) Wer das Amberger Eisstadion besucht, kann viel erleben. Den ERSC Amberg etwa, der mit seinen Eishockeymannschaften die Besucher zu den Heimspielen in der Landesliga lockt und mit seinen Nachwuchsmannschaften sämtlicher Jahrgänge auf Punktejagd geht.

Glücklicherweise ist der Verein wieder in ruhigen und vor allem sicheren Wassern angekommen. Nach der Insolvenz 1999 und 2000 und dem damit verbundenen Abstieg der ersten Mannschaft von der Oberliga in die niedrigste bayerische Liga, die Bezirksliga, spielen die „Wild Lions“ nun seit 2004 ununterbrochen in der Landesliga des Bayerischen Eishockey-Verbandes.

In den vergangenen Jahren tut dies das Team mit zunehmendem Erfolg, der angestrebte Aufstieg in die Bayernliga ist aus sportlicher Sicht möglich – allerdings ist die laufende Saison noch relativ jung. Derzeit belegt der ERSC den zweiten Tabellenplatz. Mit Sebastian Aukofer steht immer noch ein Spieler im aktuellen Kader, der die Hoch-Zeiten des Amberger Eishockeys persönlich kennt, als er 2002 zu den „Wild Lions“ in die Regionalliga Süd kam.

Kinder können beim ERSC bereits ab vier Jahren ins Eishockey-Training einsteigen. Die Jugendabteilung hat sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt. Und erfüllt auch alle Anforderungen, die der Verband an die Vereine bezüglich der Nachwuchsarbeit stellt. In sämtlichen Mannschaften, beginnend ab der U 7, über die U 9, U 11, U 13, U 15, U 17 und U 20 jagen die Amberger Nachwuchsspieler bayernweit dem Puck hinterher.

Großen Wert legt der Verein auf die Laufschule. Jeden Freitag in der Eis-Saison von 18 bis 19 Uhr wird Kindern von drei bis acht Jahren die Möglichkeit geboten, unter professioneller Anleitung das Schlittschuhlaufen zu lernen. Zudem werden die Kleinen an den Eishockey-Sport herangeführt. Dabei sind die ersten drei Trainings-Teilnahmen für die Kinder kostenlos, ab der vierten Teilnahme kann man für 50 Euro eine Zehnerkarte erwerben.

Überdies bietet auch der ESC eine Laufschule an. Diese ist eher an die Erfordernisse des Eiskunstlaufs angepasst und etwas filigraner. Dabei gibt es beim ESC zwei Abteilungen – zum einen die Eistänzer, zum anderen die Eiskunstläufer. Für beide stehen mit ihren Galavorstellungen zum Ende der Saison die sportlichen Höhepunkte an, zu denen in jedem Jahr mehrere 100 Besucher kommen.

Die Eiskunstläufer sind ferner bei verschiedenen Turnieren in ganz Bayern unterwegs, haben die eine oder andere bayerische Meisterschaft gefeiert und weitere Titel mit nach Amberg gebracht. Für den größten Teil des Erfolgs der Amberger Eiskunstläufer dürfte Regine Allwardt verantwortlich sein. Die mittlerweile 75-jährige Eiskunstlauftrainerin engagiert sich bereits seit 1969 beim ERSC.

In jungen Jahren trat die gebürtige Mecklenburgerin als professionelle Läuferin in Revuen in Europa sowie in Nord- und Südamerika auf. Seit Beginn ihres Engagements als Trainerin in Amberg sind von ihr wohl Tausende von Kindern aus Amberg und dem Landkreis im Eiskunstlauf ausgebildet worden – und werden es auch künftig entsprechend lernen.

Äußerst beliebt bei vielen Hobby-Eisläufern ist neben der Möglichkeit zum öffentlichen Eislauf die regelmäßig stattfindende Eisdisco. Im Sommer ist die Eisfläche dann für den Inlinerbetrieb geöffnet. Auch die Gaststätte „Eisblick“ öffnet in den Wintermonaten regelmäßig und lädt zum Verweilen ein.

Der Stadionbau - ein gewaltiger Kraftakt:

Amberg. (brü) Zwei Bergepanzer der US-Armee erledigten Anfang April 1964 die Erdarbeiten für das Eisstadion im Rahmen einer „Übung“. Der schwere Lehmboden stellte sogar das Militärgerät der damaligen Jahre vor große Probleme. Planiert und gleichzeitig auf 1,50 Meter tief ausgehoben wurde eine Fläche von 60 mal 90 Metern, auf der hauptsächlich die bis heute existierende Eisbahn mit international anerkannter Größe von 30 mal 60 Metern entstehen sollte.

Ein großer Vorteil des ausgesuchten Areals bestand darin, dass die Werkswasserleitung der Kurfürstenquelle dieses Areal versorgte – und dies bis heute tut. Somit waren die Voraussetzung für die Eisbereitung ideal. Auf ein Frostschutz-Fundament mit einer Tiefe von 1,50 Metern mit 25 Zentimeter starken Stahlbetonmauern wurde eine zehn Zentimeter starke Deckplatte aufgebracht. Wiederum hierauf setzten die Bauarbeiter die eigentliche Laufplatte mit 14 Zentimeter Stärke.

In diese Platte wurden insgesamt 18,5 Kilometer Rohrleitungen integriert. Und um die Fläche herum wurde ein Kanal angelegt, der die Bahn- und Tribünen-Entwässerung aufnahm und Versorgungsschächte für Kühlmittel- und Elektroleitungen enthält. Dazu kam ein provisorisch erstelltes Maschinenhaus mit einer Kühlanlage. Acht elf Meter hohe Betonmasten nahmen die Beleuchtung der Bahn auf und vervollständigten diesen Bauabschnitt.

Der zweite Bauabschnitt sollte das provisorische Wirtschafts- und Maschinengebäude aus Holz durch einen Massivbau ersetzen. Ebenso sollten die erste befestigte Stehtribünen-Konstruktion und die bis heute bestehende überdachte Sitztribüne entstehen. Zwei Mannschafts-Umkleiden, eine Garage für die Eisbereitungsmaschine, Umkleiden für Damen und Herren beim öffentlichen Eislauf sowie eine Schiedsrichterkabine, WCs und ein Maschinenhaus im Erdgeschoss, eine Hausmeisterwohnung, eine Gaststätte mit 140 Quadratmeter, eine Kommando-Kanzel und ein Club-Büro im Obergeschoss, Lagerräume im Keller, eine Beton-Einfassung der Erdtribünen sowie eine überdachte Sitztribüne fanden in die Planungen Eingang. Die zunächst vorgesehene Kegelbahn im Keller wurde nicht verwirklicht. Unter der Berücksichtigung des Arbeitseifers der Mitglieder wurden die Kosten dieses Bauabschnittes auf weitere 400 000 Mark kalkuliert. Am 12. April 1967 begannen die Bauarbeiten am zweiten Bauabschnitt. Die Kalkulation für diesen Abschnitt wurde sogar unterboten, er kostete 220 000 Mark. Am 23. November des Jahres 1967 konnten alle Beteiligten Richtfest feiern. Alles in allem betrug der Gesamtaufwand nach den zwei Bauabschnitten knapp eine Million Mark.

Alles rund um die Eishalle Amberg:

Adresse: Eishalle Amberg, Am Schanzl 1, 92224 Amberg

Internet: www.eishalle-amberg.de

Grundfläche heute: 85 mal 60 Meter

Lichte Höhe: 18 Meter

Größe der Eisfläche: 60 mal 30 Meter (internationale Größe)

Kühlanlagen: zwei Aggregate mit je 200 kW Kühlleistung

Gesamtkapazität: 3500 Zuschauer

Stehplätze: 3265

Sitzplätze: 235

Kühlmittel: 5000 Liter Ammoniak

Kühlleitungen: circa 20 Kilometer Rohrleitung

Benötigte Wassermenge: 1800 Liter pro Eisbereitung

Beleuchtung: 41600 Watt

Infos zu Eintrittspreisen für öffentlichen Lauf und den Spielen des ERSC Amberg gibt es auch im Internet:

www.eishalle-amberg.de www.erscamberg.de

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