Eigentlich ist es eher eine undankbare Aufgabe, nach der zehnseitigen und recht umfassenden Jahresabschlussrede des Oberbürgermeisters noch zu einer eigenen Betrachtung der zurückliegenden zwölf Monate als ältestes Stadtratsmitglied ansetzen zu müssen. Doch Emilie Leithäuser wählte dafür geschickt gleich zu Beginn ein Thema aus, das Michael Cerny ausgespart hatte: die Weiterentwicklung der Altstadt.
Die Planung der Neuen Münze und der Bebauung des Bürgerspitalareals sei ins Stocken geraten, konstatierte die FDP-Frau. Die Vorhaben würden von den Mitgliedern der IG menschengerechte Stadt als nicht akzeptabel zurückgewiesen. "Ich aber bin der Meinung, dass der Zeitpunkt für den Startschuss gekommen ist. Wir können nicht länger abwarten. Wir müssen die Altstadt, gerade auch in diesem Bereich, wiederbeleben." Auch die anderen Geschäfte litten unter dem langen Leerstand und "dieser Abwartetaktik".
Einig war sich Emilie Leithäuser mit dem OB in der Bewertung der Reaktion der Amberger und des Stadtrats auf die AfD-Kundgebung am 12. Oktober im ACC: "Gemeinsam haben wir deutlich gemacht, dass wir für eine weltoffene, soziale, freundliche und solidarische Stadt stehen, in der Ausgrenzung und Hass keinen Platz finden." Für OB Cerny waren das gemeinsame Statement des gesamten Stadtrats zusammen mit dem "Fest der Demokratie" und der Demo gegen die AfD sogar besondere Sternstunden 2018. Das "deutliche Signal für unsere gemeinsamen Grundwerte" habe auch überregional große Bedeutung gefunden.
Ähnliches lässt sich über die Gründung des Landesamtes für Pflege in Amberg sagen. In den angestrebten 350 Mitarbeitern sieht Cerny hervorragende Zukunftschancen für die Region, genau wie im Zentrum für Medienkompetenz in der Frühpädagogik in Kombination mit der OTH.
Positiv hob der OB die vielen zugkräftigen Veranstaltungen in der Innenstadt sowie die Aktivitäten der neuen Wirtschaftsförderin Altstadt hervor. Zusammen mit ihr entwickelten die Einzelhändler neue Ideen. Lob hatte Cerny zudem für die "vorbildliche Zusammenarbeit" von Baufirmen, Anwohnern, Händlern und dem Stadtmarketing bei der Sanierung des Kanals in der Unteren Nabburger Straße parat. Beim Klinikum hob er hervor, dass es gleich vier Mal in der neuen Focus-Liste der besten deutschen Kliniken auftauche.
Doch auch schwere Moment verschwieg Cerny nicht. Den Abschied von Alt-OB Franz Prechtl etwa oder den Verlust der Bundeswehr nach 300 Jahren im Rang einer Garnisonsstadt. Es sei eine Herausforderung, für die Leopoldkaserne eine adäquate Nachfolgenutzung zu finden. Cerny machte jedoch deutlich, dass er hier den Bund als Grundstücksbesitzer in der Pflicht sehe und "dass die Stadt Amberg nicht mit einer eigenen Entwicklung und einem dafür notwendigen Erwerb der Kaserne den Bund subventionieren möchte".
Insgesamt aber wertete Cerny 2018 als ein "sehr gutes Jahr". Das habe man durch gemeinsame Anstrengungen erreicht: "Schlagen können wir uns nur selbst, indem wir das Miteinander zum Wohle unserer Stadt aufgeben und alte Verhaltensmuster des politischen Gerangels wieder aufbrechen lassen. Die Bürger erwarten von uns, dass wir diesen Pfad des konstruktiven Miteinanders nicht durch politisches Taktieren oder rhetorisches Diskreditieren verlassen."














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