Amberg
21.12.2025 - 11:42 Uhr
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Oberpfälzer Schlossteufel auf dem Weihnachtsmarkt: Brauchtum oder geschmacklos?

An ihnen scheiden sich im wahrsten Sinne des Wortes die Geister. Für die einen sind die Schlossteufeln eine besondere Attraktion. Andere wiederum machen Front gegen diesen Auftritt, der für sie nichts mit Weihnachten zu tun hat.

Es ist Spätnachmittag am dritten Sonntag im Advent. Vor dem Rathaus in Amberg drängen sich zahlreiche Menschen. Viele Erwachsene sind gekommen, aber auch Familien mit Kindern, die gespannt den Klängen der Musik im Vorspann lauschen. Dann ist es so weit und die Vorführung beginnt. Nach mystischem Glockenschlägen erscheint der Heilige Nikolaus in Begleitung einer Engelschar, die sich, wie eine Stimme im Hintergrund erläutert, auf den Weg in die abgelegenen Dörfer aufgemacht haben, um die dort lebenden Kinder zu beschenken.

Freilich sind damit nur die braven Kinder gemeint. Denn schon bald sollen ihre unartigen Zeitgenossen in die Schranken verwiesen werden. Gruselige Hexen bilden einen Kreis um die Feuerstelle in der Mitte des Platzes. Sie sind die Vorbotinnen einer Reihe von Gestalten, die mit ihren noch unheimlicher aussehenden Masken, teils mit Hörnern und leuchtenden Augen sowie den aus Ziegen- und Schaffellen genähten Kostümen ein wildes Spiel miteinander und mit dem Publikum treiben.

Familiärer Verein

Jeder von ihnen stellt einen Krampus dar, der – vielen auch als Knecht Ruprecht besser bekannt – zusammen mit dem Nikolaus die Familien besucht, um den weniger gehorsamen Kindern ein schlechtes Gewissen und ein wenig Angst zu machen. Verkörpert werden die wilden Gesellen von einem Teil der insgesamt 63 Mitglieder zählenden „Oberpfälzer Schlossteufeln“. Sie treiben im Advent und noch bis in den Januar hinein auf Weihnachtsmärkten und bei anderen Gelegenheiten ihr Unwesen. Das Gastspiel in Amberg ist nur eines von zahlreichen Auftritten, die den Terminplan der Gruppe füllen.

Die „Teufeln“ verstehen sich als einer der sogenannten Krampusvereine, von denen es vor allem im Alpenraum eine ganze Reihe gibt und die dort schon seit vielen Jahren zum Brauchtum gehören. Nicht immer gehen deren Auftritte friedlich vonstatten. Anders bei den Schlossteufeln. „Wir sind ein familiärer Verein und haben bei unseren Auftritten besonders die Familien im Blick. Unsere Jüngste ist vier Jahre alt, unser ältestes Mitglied 76. Bei uns geht es vor allem um den Spaß, deshalb achten wir auch stets darauf, dass keiner vor uns Angst haben muss“, betont Vorsitzende Tanja Gärtner.

Aus diesem Grund haben die Krampusse auch die klare Anweisung, sich ängstlich zurückweichenden Kindern nicht allzu sehr zu nähern, um ihnen nicht noch mehr Furcht einzuflößen. Die Mutigeren hingegen werden schon einmal erschreckt oder mit den langkralligen Handschuhen an den Haaren gezogen. Aber auch die, die dabei ins Visier der wilden Horde geraten, machen an diesem Tag in Amberg keinen allzu verängstigten Eindruck. Viele von ihnen sind es wohl schon gewohnt, dass es bei den Schlossteufeln etwas rauer zugeht.

„Geschmacklosigkeiten“

Ohnehin haben es nur wenige der Zuschauer in die ersten Reihen geschafft. Schon lange vor dem Beginn war der gesamte Bereich von einer großen Menschenmenge bevölkert. Vielen von ihnen bleibt daher nur die Möglichkeit, das Geschehen auf der Leinwand zu verfolgen. Doch die Angst der Kinder ist es gar nicht, die den größten Kritiker dieser Veranstaltung und Leserbriefschreiber Peter Brunner am meisten stört. „Weihnachten ist ausschließlich ein christliches Fest, das inzwischen hauptsächlich zum Konsum verleiten soll und damit seinen eigentlichen Sinn verloren hat“, stellt er bedauernd fest.

Auch der „holde Knabe im lockigen Haar“ werde daher von einer Mehrheit der deutschen Bevölkerung nur mehr verniedlicht für ihr Konsumverhalten instrumentalisiert und nicht mehr als Sohn Gottes wahrgenommen, so Brunner weiter. Die Weihnachtsmärkte sind für ihn daher zu Dezemberfesten geworden, der Auftritt der Schlossteufeln stelle hierbei „nur eine von inzwischen vielen Geschmacklosigkeiten“ dar. Aber vor allem müsse es in einer Zeit, „in der in der Welt momentan wirklich der Teufel los ist“, nicht sein, „dass man jetzt auch noch auf Weihnachtsmärkten den Teufel loslässt“, ist er der Ansicht.

Denn mit diesen „Märchenfiguren“, zu denen Peter Brunner auch das „süße Jesu-Knäblein“ zählt, werde man „der wirklichen vielschichtigen Macht des Bösen und der wirklichen Macht des Guten“ nicht gerecht, meint der Kritiker. Er verweist darauf, dass die Kernbotschaft von Weihnachten auch mit modernen Liedern, Singspielen, Gedichten und dergleichen in ansprechender Weise auf den Weihnachtsmärkten transportiert werden kann – „aber sicher nicht mit Schlossteufeln, Schlagerfuzzys, Kinderkarusells und sonstigen sinnfremden Aktivitäten“.

Unterstützung des Einzelhandels

„Ich habe diese Veranstaltung nie als schlimm empfunden“, entgegnet Peter Harant, der als Vorsitzender der Amberger Park- und Werbegemeinschaft (PWG) für das Programm auf dem Weihnachtsmarkt verantwortlich zeichnet. Seiner Ansicht nach soll und darf auch unsere heidnische Vergangenheit nicht geleugnet werden, „zumal selbst die Kirche viele dieser Bräuche in abgewandelter Form übernommen hat.“

Es gibt aber noch etwas, das den bekennend gläubigen Christen Harant antreibt, der großen Wert darauf legt, dass jede der Veranstaltungen auf dem Weihnachtsmarkt rechtzeitig vor Beginn der Abendmesse in der Basilika St. Martin beendet ist. Nicht nur, dass der größte Teil des Programm- und Verkaufsangebots auf dem Weihnachtsmarkt dem wahren Sinn des christlichen Fests entspreche. „Als gelernter Einzelhändler ist es mir angesichts der aktuellen Entwicklung in den Innenstädten genauso wichtig, Menschen in die Altstadt zu ziehen, um damit unseren Einzelhandel zu unterstützen“, betont der PWG-Vorsitzende.

Dieser habe zwar am Sonntag nicht geöffnet, doch wie die Erfahrung zeige, könnten viele Gäste bei solchen Gelegenheiten neugierig gemacht und dazu angeregt werden, zu einem späteren Zeitpunkt wiederzukommen. Und was die von Peter Brunner angesprochenen zahlreichen Anrufe und Schreiben betrifft, die ihm recht geben und ihn in seiner Meinung bestärken, hat Peter Harant nach eigenem Bekunden ebenfalls eine andere Erfahrung gemacht. Er versichert: „Ich habe lediglich einen einzigen Brief bekommen, der sich vehement gegen den Auftritt der Oberpfälzer Schlossteufeln auf dem Weihnachtsmarkt ausspricht."

Kommentare

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Winfried Neubauer

Wenn schon "Weihnachtsmärkte" so gut wie nichts mit dem Weihnachtsfest an sich zu tun haben, sind doch solche "Schlossteufel" auch schon wurscht.

21.12.2025
Fischer Alex

Diesem Peter Brunner sollte mal man aufklären, dass die Bibel eigentlich auch nur eine Sammlung von Märchen und Mythen ist!
Also ein Vorgänger von den Brüdern Grimms gesammelten Märchen!

Fanatismus ist in jeder Ausprägung nun mal Schmutz!!!

21.12.2025
Winfried Neubauer

Nicht jeder "out of the box " Kommentar, ist auch sinnig und geistreich !

21.12.2025
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