13.12.2019 - 10:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Oberstabsfeldwebel hinterlässt zum Ruhestand einen Spind mit scharfer Munition

Ab in den Ruhestand, doch die Kiste mit einer stattlichen Menge an Munition und Sprengzündern bleibt im Spind der Leopoldkaserne zurück. Ein 52-jähriger Berufssoldat kam dafür jetzt am Amtsgericht mit einem blauen Auge davon.

von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Dreimal sei er von der Bundeswehr angeschrieben worden, dass er seinen Spind in der Leopoldkaserne im Frühjahr 2018 ausräumen sollte. Kurz zuvor war der 52-jährige Berufssoldat und Oberstabsfeldwebel aus der Nähe von Erlangen in den Ruhestand gewechselt. Nach Amberg kam er nicht, er unternahm auch darüber hinaus nichts.

Also wurde der Schrank geöffnet. Die Kameraden fanden eine versperrte Kiste mit allerhand scharfer Munition und Zündern. Oberstaatsanwalt Stefan Täschner brauchte einige Minuten bei der Verlesung der Anklageschrift, um die vielen unterschiedlichen Kaliber aufzuzählen. Gefunden wurde auch eine Leuchtspurpatrone, die in Deutschland als Kriegsmaterial gilt. Warum hortete der Angeklagte diese staatliche Menge an Munition?

Um das zu klären, mussten sich Richterin Kathrin Rieger und die beiden Schöffen aber zunächst gedulden. Denn der 52-jährige Angeklagte erschien erst einmal nicht. Am Telefon erklärte er, dass er die Verhandlung verschwitzt habe.

"Falsche Fürsorge"

Nach rund einer Stunde packte der dann erschienene Soldat im Ruhestand mit einem umfassenden Geständnis aus. In den 30 Jahren als Berufssoldat habe er bei Schießübungen Munition, die nach der Abrechnung übrig war, mitgenommen. Später hätten Untergebene ihm ebenfalls Munition ausgehändigt. "Das ist Usus bei der Bundeswehr." Die Patronen seien bei Übungen oft wieder ausgegeben worden oder bei Amnestien anonym abgegeben worden. "Ich habe das vor meinem Ruhestand versäumt", sagte er. Vielmehr hätte er die Augen vor den Konsequenzen verschlossen. Denn die ordnungsgemäße Rückgabe der Munition sei nicht so einfach. "Und bedeutet viel Bürokratie." Auf keinen Fall wollte er die Kiste und ihren Inhalt mit nach Hause nehmen.

Richterin Rieger verstand nicht, warum man bei der Bundeswehr übrige Munition nicht einfach zurückgeben könnte. "In der Bundeswehr ist der Weg ein anderer", erklärte der Angeklagte zum Verfahren. "Aus einer falschen Fürsorge heraus, habe ich die Munition aufgehoben." Man könne die Reste auch oft als Ausbildungsmaterial hernehmen.

"Ihre Pensionierung kann Sie aber doch nicht überrascht haben", stellte die Vorsitzende fest. Doch gerade die letzten beiden Jahre als Soldat seien wie im Flug vergangen, erklärte der 52-Jährige. "Auch mit der Umgliederung der Panzerbrigade nach Cham war ich sehr beschäftigt, dass ich die Kiste vergessen habe." Als die Mitteilung zur Räumung kam, habe er die Augen verschlossen. Auf dem kleinen Dienstweg sei die Entsorgung der Munition außerhalb einer Amnestie nicht möglich, erklärte er .

Oberstaatsanwalt Täschner konnte allerdings auch nicht verstehen, dass sich ein Oberstabsfeldwebel, der Soldaten den richtigen Umgang mit Waffen und Munition beibringt, nicht an geltende Sicherheitsvorschriften hält. Mit Tränen in den Augen sagte der Angeklagte nur: "Ich bin immer noch durch und durch Soldat." Dessen Anwalt erklärte über das Verhalten seines Mandaten, dass dieser nie auf die Idee gekommen wäre, die Munition im Wald abzuladen. "Sich an einen Vorgesetzten zu wenden, hatte er sich nicht getraut." Also habe der 52-Jährige gehofft, dass die versperrte Kiste irgendwann nach ihrem Auftauchen vernichtet würde. "Das hat er falsch gemacht."

Für Täschner zeugt das von einer Haltung, stets den Kopf in den Sand zu stecken. "Das sieht man heute, als der Angeklagte zunächst nicht zur Verhandlung erschien." Der Staatsanwalt erklärte in seinem Plädoyer, dass der Soldat von Glück reden könne, dass gegen ihn wegen des Nichterscheinens kein Haftbefehl erging. "Da hätten Sie vier bis sechs Wochen in der JVA gesessen."

"Pyrotechnisches Feuerwerk"

Zugute hielt Täschner dem Angeklagten, dass es nur eine Patrone gewesen sei, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt. Die 300 Platzpatronen und die Vielzahl an Zündern und Munition hätten trotzdem "ein wunderbares pyrotechnisches Feuerwerk ergeben".

Täschner sprach sich wegen des minderschweren Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz für eine Geldstrafe über 90 Tagessätze à 80 Euro aus. In ihrem Urteil blieb die Richterin knapp darunter. Der 52-Jährige hat 90 Tagessätze zu je 60 Euro zu zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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