12.02.2019 - 16:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Ode an das Ehrfurchts-Chaos

Wer Comedy mit plattem Klamauk verwechselt, ist selbst schuld. Gogol und Mäx präsentieren und zelebrieren dieses unterhaltsame Genre als Kunst.

Mäx (links) und Gogol, gestreng beäugt von dem Großmeister der klassischen Musik, Johann Sebastian Bach, der edel porträtiert das Geschehen auf der Bühne beobachtet.
von Helmut FischerProfil
Wird schon werden: Auf dem Programm steht „Ja, die Liebe hat bunte Flügel“ aus der Oper Carmen.
Ein Szenenbild, als hätte Karl Valentin Regie geführt.

Das ist Musik-Comedy wie sie sein soll. Gogol und Mäx, nach Jahren endlich wieder einmal im Amberger Stadttheater, begeistern mit einer atemberaubenden Vorstellung nicht nur Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren, sondern ebenso die Eltern, Großeltern, sprich Erwachsene. Auf der offenen Bühne stehen in schwarzes Klavier und eine Pauke, im Hintergrund grüßen Großporträts von Bach und Mozart. Quer verstreut, einige zunächst undefinierbaren Gegenstände.

Und dann kommen sie: Gogol (Christoph Schelb), als Pianist im seriösen Frack gewandet, und Mäx (Max-Albert Müller) als sein vermeintliches Faktotum mit urig-langen Schnabelschuhen, grauer Haarpracht und im Schlamper-Outfit. Bedeutungsvoll präsentiert sich Gogol als ambitionierter Pianist. Quer durch die Musikliteratur kündigt er seine Vorträge an, stets mit dem Hinweis "piano solo", der mit zunehmender Dauer vom Publikum skandiert wird. Ein Klavier-Solo wird es an diesem Abend aber nicht geben.

Mäx gelingt, mit stets neuen Einfällen und mit allen möglichen und immer wieder anderen Instrumenten die Piano-Vorträge Gogols nicht direkt zu stören, aber zu ergänzen. "La Kukaracha" ist dabei seine Lieblingsmelodie, die er auf (fast) allen seinen brillanten Einlagen anstimmt. Da würzt (beispielsweise) Mäx mit einem Klasse-Paukensolo die "alla turca" von Mozart. "Ja, die Liebe hat bunte Flügel" spielen beide kopfüber auf dem Klavier liegend vierhändig. Das berühmte Präludium von Bach wird von Mäx mit Kuhglocken passend "instrumentiert" und "Concererto" von Franz Liszt - natürlich für "piano-solo" - begleitet Mäx klanglich mit einem meterlangen Alphorn.

Das Spiel mit dem Spiel

Mozart wird garniert mit Glockenspiel und Schubert veredelt mit von der Geige erzeugten Flagiolet-Tönen. Zur "piano-solo" präsentierten Chopin-Etüde bringt Mäx ein klaviergroßes Xylofon auf die Bühne und präsentiert sich dabei als brillanter Virtuose mit atemberaubender Technik. Einfach toll: die (vermeintlich) so unvereinbaren Instrumente harmonieren stets perfekt miteinander. Große Kunst wird hier spielerisch leicht präsentiert.

Dass sich die beiden dabei frotzelnd anspornen, Mäx für stete Lachsalven sorgt und mit seinen tollen Ideen Staunen hervorruft, ist die Würze für diese tolle Show. "Piano-Solo" von Bach mit Klarinette, Beethovens "Für Elise" mit Saxofon, und nach einer akrobatischen Notensuche an und über einem wackligen Gerüst auch mit Posaune und kleiner Trompete. Faszinierend, welche Instrumente hier kurzweilig und gekonnt vorgestellt werden.

Schumanns Kinderszenen "piano solo" werden "überhöht" mit Okarina-Klängen. Auch einen Gartenschlauch mit riesigem Trichter bringt Mäx zum Klingen. Ein großes Horn und eine riesige Tuba kommen auf die Bühne, und dem verblüfften Gogol wird der Trichter der Tuba über den Kopf gestülpt, so dass er Beethovens "Wut über den verlorenen Groschen" praktisch blind spielt, trommelnd von Mäx auf dem Papierkorb begleitet.

Als wäre es spontan

All diese Gags erscheinen nie konstruiert, sondern erwachsen aus dem Augenblick heraus als wären sie spontan. Keine Sekunde Leerlauf, Staunen der kleinen und großen Besucher und permanente Freude im Parkett - so etwas ist große Klasse. Und wenn zum "Finale furioso" Gogol im rosafarbenem Tutu mit aufgespanntem Schirm auf einer riskant befestigten Metallstange balanciert, dann noch auf einem über rollenden Blechbüchsen liegenden Brett Saxofon spielt (diesmal mit Mäx am Klavier) und letztlich auch noch auf Händen über die Bühne hüpft, dann sind euphorischer Beifall und "Zugabe"-Rufe selbstverständlich.

Als Schluss-Überraschung entpuppt sich der Inhalt zweier aufs Klavier geschobener großer grauer Kästen als eine Sammlung von mit Wasser gefüllten Gläsern, die von Gogol und Mäx in einer Variation über "Schlafe mein Prinzchen, schlaf ein" zum finalen Klingen gebracht werden. Jubel, riesengroße Begeisterung und nur fröhliche Gesichter am Ausgang: Es ist einfach eine geniale Show, die Gogol und Mäx hier bieten.

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