Von Heike Unger, Andreas Royer und Thomas Kosarew
Polizeiinspektion Amberg
Mit Beginn der vierten Welle hat die Polizeiinspektion im Dezember auf zwei Zwölf-Stunden-Schichten umgestellt – mit Arbeitszeiten von 6 bis 18 beziehungsweise von 18 bis 6 Uhr. Vier Tage am Stück, dann gibt es vier Tage frei. „Wir haben das beibehalten“, sagt Polizeihauptmeister Marcus Helfensdörfer. Bei den Dienstplänen achte man darauf, dass sich die Gruppen nicht mischen. Auch bei den Streifen werde auf feste Teams Wert gelegt. Die Fachbereiche arbeiten von zu Hause aus oder in Einzelbüros. Das sei kein Notfallplan: „Das findet jetzt schon statt.“ Zudem gebe es in der PI, bei der ohne Kripo, Verkehrspolizei und Einsatzzug mehr als 100 Frauen und Männer beschäftigt sind, ein Schutz- und Hygienekonzept sowie „ein breites Angebot an Testmöglichkeiten“. Zu vielen Coronafällen sei es bisher noch nicht gekommen. Vor diesem Hintergrund sagt der Polizeisprecher: „Die Einsatzbereitschaft ist stets gegeben.“
Kläranlage Theuern
Seit 29. November 2021 wird im Theuerner Klärwerk, in dem das Amberger Abwasser landet, in zwei getrennten Schichten mit je neun Kollegen gearbeitet. „Die einen Kollegen kommen bis 13.30 Uhr, die anderen ab 14 Uhr“, sagt der Amberger Tiefbauamtsleiter Norbert Füger in seiner Funktion als Geschäftsführer des Abwasser-Zweckverbandes. Wegen Corona habe es noch keine Ausfälle gegeben. Kritisch werde es erst ab fünf Ausfällen pro Schicht. „Da kann uns dann auch keiner helfen“, sagt Füger und weist darauf hin, dass in Theuern das Abwasser von 60 000 Menschen und der kompletten Industrie aufläuft. Im Ernstfall könne er den Unternehmen nicht sagen, dass sie die Produktion einstellen sollen: „Dann müssen wir uns mit dem Gesundheitsamt kurzschließen und Lösungen suchen.“ Notfalls müssten Überstunden angeordnet werden: „Das würden die Leute aber auch so mitmachen.“ Füger denkt nicht, dass es so weit kommt, denn: Bis auf eine Ausnahme seien alle Mitarbeiter geimpft.
Integrierte Leitstelle
Bei der integrierten Leitstelle laufen alle Einsätze und Notfälle aus Amberg sowie den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf auf. Personelle Engpässe blieben hier nicht ohne Folgen. Laut stellvertretendem Leiter Stefan Brunner gibt es 50 Mitarbeiter, darunter 30 Disponenten, die die Einsätze koordinieren. Drei von ihnen seien nachts im Dienst, tagsüber maximal fünf. Die Impfquote liege bei 100 Prozent. Notfallpläne gebe es nicht – auch, weil Maskenpflicht bestehe, die Mitarbeiter Abstand hielten, teilweise sogar auf drei Zimmer verteilt. Zudem werde permanent gelüftet. Laut Brunner hat die Leitstelle ein Notfall-Szenario durchgespielt. Mit dem Ergebnis, dass zwei Disponenten immer vor Ort sein müssen: „Damit einer nicht alleine ist, wenn dem Kollegen was passiert.“ Das gelte unabhängig von Corona. Im Zwei-Mann-Betrieb seien die Aufgaben aber auf Dauer natürlich nicht zu erledigen: „Wenn ein Drittel ausfällt, hätten wir ein massives Problem.“ Externe, zum Beispiel Soldaten wie im Krankenhaus, könnten nicht einspringen, „weil die technische Komponente fehlt“. Notfalls müssten Überstunden angeordnet werden: „Das wäre kein Problem. Die Kollegen kommen hauptsächlich aus dem Feuerwehrwesen und dem Rettungsdienst. Sie sind es gewohnt, unter Extrembedingungen zu arbeiten.“
Winterdienst
Josef Alzinger leitet den Betriebshof der Stadt Amberg, der auch für den Winterdienst zuständig ist. Von den insgesamt 85 Mitarbeiter seien 60 in diesem Bereich beschäftigt. Einen Omikron-Notfallplan gebe es nicht, es würden schon alle Maßnahmen ergriffen, die vorstellbar sind: 3G, FFP2-Maskenpflicht und Aufteilung des Personals in acht Gruppen, die zeitlich und räumlich getrennt würden. Zudem könne gerade beim Wetter nicht geplant werden. Da es „schon lange keine katastrophalen Schneeverhältnisse mit 20 Zentimetern Neuschnee oder mehr“ gegeben habe, seien personelle Engpässe leicht zu kompensieren: „Das Wetter spielt uns da schon in die Karten.“
Rettungsdienst
„Je höher die Infektionszahlen, desto mehr Personal fällt auch bei uns aus“, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller und ergänzt, dass sich krankheitsbedingte Ausfälle von Mitarbeitern nicht verhindern ließen – obwohl die Impfquote beim Rettungsdienstpersonal relativ hoch sei. 97 Prozent seien bisher zweimal gepikst worden, 86 geboostert. Die Impfung bezeichnet Schaller als Schutzwall. Sie alle hätten sich impfen lassen, sobald es möglich war: „Das ist fachlich versiertes Personal, das weiß, worum es geht.“ Infektionen seien so nicht 100-prozentig zu vermeiden, aber Quarantäne-bedingte Abwesenheiten sehr wohl. Schaller geht aktuell davon aus, dass im Extremfall dennoch sieben bis zehn Prozent des Personals wegen Corona und Omikron fehlen könnten: „Das wäre nicht schön, aber machbar.“ Das liege in erster Linie an dem „riesigen Pool an Ehrenamtlichen“, auf das im Notfall zurückgegriffen werden könnte: „Wenn alle Stricke reißen, fragen wir die jeweiligen Arbeitgeber, ob sie die Ehrenamtlichen freistellen.“ So könnte der Rettungsdienst-Betrieb im schlimmsten Fall sichergestellt werden.
Müllabfuhr Amberg
In Abstimmung mit dem Entsorgungsunternehmen Schmid & Zweck + Bergler GmbH hat sich die Stadt laut ihrer Pressesprecherin Susanne Schwab darauf verständigt, dass die Müllabfuhr auf keinen Fall ausfallen dürfe: „Die Abholung muss gesichert sein.“ Im Extremfall würden stattdessen „andere Dienstleistungen aus der Abfallwirtschaft“ reduziert. So könnten die Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe reduziert und Sammlungen von Problem- oder Sperrmüll ersatzlos gestrichen werden, „weil auch das Personal bindet“.
Stadtwerke Sulzbach-Rosenberg
Wasser ist lebensnotwendig und unverzichtbar. Deshalb gehören auch die Betriebe in den Kommunen, die die Wasserversorgung gewährleisten, zur sogenannten kritischen Infrastruktur. In Sulzbach-Rosenberg haben die Stadtwerke am Annabergweg diese Aufgabe übernommen. Wie deren Leiter Roland Kraus gegenüber Oberpfalz-Medien mitteilt, sei seine Abteilung im Falle Corona-bedingter Ausfälle gut gewappnet: „Wir haben zurzeit unser technisches Personal zeitversetzt in einer Art Schichtmodell im Einsatz, was Kontakte quasi untereinander gänzlich ausschließt. Im Einsatz sind also zwei getrennte Trupps.“ Dieses Modell funktioniere seit Pandemiebeginn Anfang 2020 sehr gut. Der Ausfall von einmal drei Beschäftigten gleichzeitig hätte in der Vergangenheit auch relativ gut kompensiert werden können. Für die Wasserversorgung aus den Tiefbrunnen sieht der Stadtwerke-Chef auch keine Gefahren. „Bei der Förderung, Speicherung oder Steuerung setzen wir personell ebenfalls auf Flexibilität. Im Ernstfall könnte sicherlich auch nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt ein Infizierter ohne oder mit leichten Symptomen die entsprechenden Aufgaben übernehmen“, sagt Kraus, der gegenwärtig sein Personal komplett an Bord hat. Bei eventuell auftretenden Rohrbrüchen in der Häuserversorgung verweist er auch auf Fremdfirmen, die derartige Reparaturen leisten könnten.
Bauhof Sulzbach-Rosenberg
„Durch die Delta-Variante hatten wir vor Weihnachten sechs Ausfälle zu kompensieren, was für den Winterdienst in Sulzbach-Rosenberg bei starken Schneefällen schon erhebliche Schwierigkeiten gebracht hätte“, sagt Bauhofleiter Erwin Thurner, der gegenwärtig aber von Normalbetrieb spricht. Lediglich ein Mitarbeiter befinde sich in Quarantäne, was die Leistungsfähigkeit der „Männer in Orange“ nicht beeinträchtige. Nach Thurners Angaben praktiziert der Sulzbach-Rosenberger Bauhof seit Jahren ein Dreischichtmodell mit insgesamt 21 Fahrern. So könnten in aller Regel auch in der Coronapandemie die wichtigsten vielbefahrenen Wege und Straßen wie gewohnt von Schnee und Eis befreit werden. Was dem Bauhofleiter aber zunehmend Sorge bereite, sei die Versorgung mit Baumaterialien. „Straßenbaustoffe, wie etwa Granitbordsteine, sind schon ziemlich knapp. Allgemein zeigt sich auch für uns eine Verknappung und Verteuerung bei den Baumaterialien, wenngleich sich auf diesem Sektor wieder eine leichte Beruhigung abzeichnet“, sagt Erwin Thurner. Was in Zukunft auch für den Sulzbach-Rosenberger Bauhof ein Thema werden könnte, sei die Versorgung mit Gütern durch Lkw, da der Branche etwa 8000 Brummifahrer fehlten. „Das kann sich irgendwann natürlich auch auf die Silozug-Fahrer auswirken, die uns mit Streusalz beliefern. Ihnen fehlt ebenfalls der Nachwuchs“, blickt der Bauhofleiter kritisch in die Zukunft.
Polizei Sulzbach-Rosenberg
„Grundsätzlich sind wir voll einsatzfähig“, ist von Inspektionsleiter Michael Kernebeck auf Nachfrage zu hören. Sollte es durch die Omikron-Welle zu erhöhten Ausfällen bei seinen Polizeibeamten kommen, würden verschiedene Maßnahmen greifen, mit denen je nach Lage die Lücken im Personalstand gefüllt werden könnten. „Wir haben sowieso personengleiche Gruppen im Dienst, die sich nicht vermischen, arbeiten teilweise im Homeoffice und in Präsenz, um Ansteckungsrisiken zu minimieren“, so der Erste Polizeihauptkommissar. Kernebeck verweist auf variable Hygienekonzepte, die Nutzung vielfältiger Testmöglichkeiten in enger Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst der VII. Abteilung der Bereitschaftspolizei und eine konsequente Umsetzung der Impfempfehlung, was bei den Sulzbach-Rosenberger Ordnungshütern zu einer Impf- beziehungsweise Booster-Quote von bislang 94 Prozent führte. Für die Bevölkerung sei keine Beeinträchtigung der Sicherheitslage zu befürchten. Eventuell auftretende Engpässe könnten durch eine extra eingerichtete Verfügungsgruppe bedarfsgerecht kompensiert werden. „Wir können all unseren Aufgaben nachgehen und gegebenenfalls im Stundentakt Ergänzungen beim Personal umsetzen“, sagt Michael Kernebeck.
Klinikum St. Marien Amberg
Mit Sorge blickt Manfred Wendl, Vorstand des Klinikums St. Marien, auf die Pandemie-Entwicklung. Omikron könnte in der ohnehin angespannten Personalsituation zu einem großen Problem werden – wenn zu viele Mitarbeiter gleichzeitig ausfallen. „Wenn die Omikron-Welle komplett über die Bundesrepublik schwappt“, könnte es nötig werden, Abteilungen zusammenzulegen. In St. Marien tagt zweimal die Woche ein Krisenstab. Immer ein Thema: Wie viele Mitarbeiter fallen aus? „Zurzeit zieht’s an“, sagt Wendl. „Wir haben tatsächlich erhöhte Ausfälle.“ Eine Station habe man schon geschlossen, um das Personal anderweitig einsetzen zu können. Wendl irritiert die aktuelle politische Diskussion. Die ziele „eher auf Öffnungen, was ich nicht verstehe. Wenn man die Welle wirklich brechen wollte, müsste man stattdessen zu härteren Maßnahmen greifen“. Tatsächlich aber gebe es schon jetzt „draußen nur relativ wenige Beschränkungen“. Wendl sagt: „Ich sehe das mit Besorgnis.“
Feuerwehren
Kreisbrandrat Fredi Weiß sieht die 114 Feuerwehren mit 4800 Aktiven im Landkreis auch in Zeiten explodierender Corona-Zahlen gut aufgestellt: „Bei uns hat jede Gemeinde zwei bis acht Feuerwehren. Sollte also wirklich mal eine ganze Feuerwehr ausfallen, haben wir in drei, vier Kilometern die nächste.“ Schon seit Beginn der Pandemie gelten bei den Wehren „umfangreiche Hygienekonzepte“: Alles, was nicht nötig ist, finde nicht statt, Versammlungen laufen digital, Übungen in kleinen Gruppen und bei Einsätzen sitzen im Fahrzeug weniger Aktive mit Maske und offenen Fenstern. Die große Zahl an Aktiven lässt Weiß relativ entspannt bleiben: Selbst wenn viele Aktive gleichzeitig ausfallen würden, wären noch genügend andere da. Und: Die Amberg-Sulzbacher Feuerwehren haben eine Impfquote von „90 bis 95 Prozent, und zwar an Dreifach-Geimpften“.
Stadtwerke Amberg
Die Stadtwerke beschäftigen sich bereits seit Beginn der Pandemie „mit Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung ihrer Kunden, vor allem mit Wasser, aber auch mit Strom, Gas und Fernwärme“, teilt Pressesprecherin Karoline Gajeck-Scheuck mit. Bereits getroffene Maßnahmen von Homeoffice bis zu getrennten Einsatzteams „werden immer wieder angepasst“ und hätten bislang auch „gut gewirkt“. Damit sehe man sich gut gerüstet.
Landratsamt Amberg-Sulzbach
„Die Stellschrauben werden von der großen Politik gesetzt“, das Landratsamt setze „die Vorgaben aber von Beginn an konsequent um“, sagt Christine Hollederer, die Sprecherin des Landratsamts. Für die kritische Infrastruktur wurden Arbeitszeiten erweitert, um „Kontakte untereinander so gering wie möglich zu halten“. Dabei gehe es vor allem um Gesundheitsamt, Katastrophenschutz, Sozial-, Ausländer- und Jugendamt sowie die IT-Abteilung. „Wir setzen alles daran, den Dienstbetrieb aufrecht zu erhalten.“
Bis März die Hälfte aller Europäer infiziert: Das würde die WHO-Prognose für die Region bedeuten
Regionaldirektor Hans Kluge, bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa zuständig, warnte Mitte Januar unter Berufung auf eine Hochrechnung davor, dass sich bis März über die Hälfte aller Europäer mit Omikron infiziert haben könnte.
- Bei einer Einwohnerzahl von 42.000 (Amberg) und 103.000 (Landkreis) wären das mindestens 72.500 Infektionen.
- In der Stadt Amberg gibt es seit Pandemie-Beginn 4457 Corona-Fälle, im Kreis sind es 10.800.
- In Amberg und Amberg-Sulzbach würden sich demnach in den nächsten sechs Wochen noch 57.243 Menschen infizieren.
- Pro Woche wären das 9540 Infektionen, pro Tag 1362.
- Ganz aktuell meldete das Robert- Koch-Institut (RKI) am Dienstag für Amberg 34 neue Fälle und für den Landkreis 109, in der Summe also 143 an einem Tag. Zum Vergleich: Vor einer Woche waren es 23 (9 in Amberg, 14 im Kreis), vor zwei Wochen 22 (3 in Amberg, 19 im Kreis).





















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