25.09.2019 - 15:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Optimistische Töne bei erstem Wirtschaftsempfang in Amberg

Brexit, Trump, eine kriselnde Weltwirtschaft - die Zeiten momentan sind alles andere als rosig. Trotzdem bleibt ein Experte optimistisch: IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes entpuppt sich beim ersten Wirtschaftsempfang als Mutmacher.

Rund 150 Repräsentanten der Unternehmen in Amberg waren zum ersten Wirtschaftsempfang der Stadt ins Rathaus gekommen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Rund 300 Einladungen hatte die Stadt zu dieser Premiere, die dazu dienen sollte, den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung zu fördern, für Dienstagabend verschickt. Schlussendlich waren es rund 150, die an der Veranstaltung im großen Rathaussaal teilnahmen. Schwungvoll waren die Gäste mit Sektempfang und dem Trio Burst in den Abend gestartet. Cerny erwähnte, dass in Amberg über 3000 Unternehmen angemeldet seien, darunter teilweise einige, die in ihrer Branche in der Weltspitze zu finden seien. "Made in Amberg" gehe in die Welt hinaus, betonte der OB, der auch auf den Bildungsstandort Amberg und den Fachkräftemangel einging.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes aus Regensburg spannte den Bogen vom Brexit ("Handelsrechtlich wird das Vereinigte Königreich dadurch zu einem Drittstaat wie die Mongolei oder Kambodscha") über Trump, der seine Exportwirtschaft in die Bredouille bringe, bis hin zu China mit einem Wirtschaftswachstum auf dem niedrigsten Wert seit 30 Jahren. Helmes skizzierte die Auswirkungen der Weltpolitik auf Deutschland: die Exporte leiden ("Die Export-Orientierung ist Deutschlands Stärke, aber zugleich unser Risiko"), die Auftragslage in der Industrie sinkt, die Wirtschaft ist verunsichert.

Hinzu kämen Globalisierung, Digitalisierung ("Sie wird unsere Gesellschaft viel radikaler verändern als die Dampfmaschine, das Fließband und der Siegeszug des Automobils"), die ungelöste Frage der Migration und der Klimawandel. Dauerkrise - das sei die Wahrnehmung in den Köpfen. "Steuern wir also ungebremst auf die Apokalypse zu, hören wir schon den Hufschlag der Reiter?", fragte Helmes in die Runde und gab die Antwort einen Wimpernschlag später: "Nein, so schlimm ist es nicht." Den Deutschen bescheinigte er, exzessive Pessimisten zu sein. "Wir sind nicht nur vierfacher Fußball-Weltmeister, sondern auch unumstrittene Angst-Weltmeister."

Dabei gebe es gute Gründe, optimistisch in die Zukunft zu schauen. So habe Amberg eine starke mittelständische Struktur, viele Unternehmen zeigten Spitzenleistungen in ihrer Branche, viele seien Inhaber-geführt. "Das zahlt sich in Krisenzeiten aus." Helmes hatte aber auch Forderungen an die Politik - sowohl an die große (moderne, umfassende Handelsabkommen; Stärkung der WTO; niedrigere Unternehmenssteuer) als auch an die Verantwortlichen vor Ort (weiterhin moderne Stadtentwicklung, zügige Umsetzung der Projekte Bürgerspital und Forum). Amberg sei nicht gerade gesegnet mit freien Gewerbeflächen, sagte Helmes, lobte die Stadt im Gegenzug aber für ihre interkommunale Zusammenarbeit. "Ich wäre froh, wenn wir in Regensburg auch schon so weit wären."

Ehe die Unternehmer dann bei einem warmen Imbiss Kontakte knüpfen und vertiefen oder den einen oder anderen Impuls aus Helmes' Referat diskutieren konnten, appellierte der IHK-Hauptgeschäftsführer noch an sie alle: "Lassen Sie uns die Zukunft mit Mut und Zuversicht gestalten."

Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg, hielt das Hauptreferat beim Wirtschaftsempfang im Rathaus.
Info:

Immense Kaufkraft

Auf den ökonomischen Wert der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) ging deren Kanzler Ludwig von Stern ein. 3000 Studierende habe die OTH. Das sei eine Kaufkraft von 120 Millionen Euro pro Jahr. „Das ist Geld, das schon nicht in den Universitätsstädten Regensburg und München ausgegeben wird.“ Die 300 Beschäftigten hätten eine Kaufkraft von 15 Millionen Euro, die Absolventen, die nach ihrem Studium in der Region bleiben, eine von 250 Millionen Euro.

„Sie wandern nicht ab, sie gründen hier eine Familie, sie halten unsere Heimat lebendig“, freute sich von Stern. Kurz schnitt er auch noch die Forschungs- und Entwicklungsprojekte der OTH an. Die Hochschule sei ein Partner der Wirtschaft und der Unternehmen.

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