17.01.2021 - 09:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Ordnungsdienst überführt Christbaum-Sünder

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Alle Jahre wieder türmen sich ausrangierte Christbäume an den Standorten von Grüngut-Containern. Das ist verboten. Die Stadt Amberg lässt den neuen Kommunalen Ordnungsdienst kontrollieren. Die ersten Müll-Sünder sind bereits überführt.

Alfred Ligensa ist für den Kommunalen Ordnungsdienst im Einsatz. An 37 Standorten kontrollieren er und seine Kollegen die Müll-Container. Zehn Christbaum-Sünder haben sie bereits erwischt.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Der Rest vom Fest landet nicht immer dort, wo er auch hingehört. Alle Jahre wieder entsorgen viele Amberger ihren ausrangierten Weihnachtsbaum kurzerhand an den Orten, an denen zu wärmeren Jahreszeiten die Grüngut-Container stehen. Das ist verboten und der Stadt Amberg ein Dorn im Auge. Sie bedient sich daher heuer erstmals des neuen Ordnungsdienstes, den der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit seit August 2020 anbietet und der in diesen Tagen den Müll-Sündern auf der Spur ist, wie Geschäftsführerin Sandra Schmidt auf Nachfrage bestätigt: "Die Grüngut-Container-Standorte werden im Rahmen eines Dienstgangs unseres Kommunalen Ordnungsdienstes regelmäßig kontrolliert. Im Moment natürlich mit erhöhter Priorität, da es dort immer wieder vorkommt, dass Christbäume illegal entsorgt werden."

An 37 Standorten

Im Stadtgebiet existieren 37 dieser Standorte, sie alle werden jetzt kontrolliert: "Natürlich gibt es Schwerpunkte, auf die wir aktuell ein größeres Augenmerk legen." Wie zum Beispiel an der Merianstraße, wo sich laut Ingolf Just von der städtischen Abfallberatung erfahrungsgemäß die meisten unerlaubt entsorgten Bäume befinden: "Dort ist es echt immer am schlimmsten." Es habe Jahre gegeben, in denen weit mehr als 100 Exemplare nachträglich von einem Abfuhrunternehmen abgeholt werden mussten.

Die Merianstraße ist kein Einzelfall: Auch hier auf dem Parkplatz an der Hans-Thoma-Straße beim Milchhof werden Fichten und Tannen illegal entsorgt.

Auch heuer häufen sich die Tannen und Fichten. Der Kommunale Ordnungsdienst soll und will aber genau das verhindern. Schmidt: "Unsere Teams sind regelmäßig unterwegs. Die Dienstzeiten können dabei über den gesamten Tag verteilt sein, finden also sowohl morgens als auch in den Abendstunden statt. Dafür wird monatlich extra ein Dienstplan erstellt." Wann genau kontrolliert wird, will Schmidt nicht verraten, schließlich sollen die Müll-Sünder erwischt werden.

Kontrolleure deutlich zu erkennen

Heimlich geschehe das allerdings nicht. Die Mitarbeiter arbeiten nicht etwa wie Zivilfahnder, sondern tragen jeweils eine blaue Uniform mit dem nicht zu übersehenden Aufdruck "Kommunaler Ordnungsdienst". Sandra Schmidt: "Damit sind sie sofort und klar erkennbare Ansprechpartner, die Ordnungswidrigkeiten vorbeugen sollen, jederzeit für Auskünfte zur Verfügung stehen, aber auch festgestellte Verstöße aufnehmen, um dann ein entsprechendes Ordnungswidrigkeitenverfahren einzuleiten." Die Kontrolleure haben zudem jeweils einen Dienstausweis bei sich, den sie jederzeit vorzeigen können. In der Praxis läuft die Kontrolle laut Sandra Schmidt so ab: "Wird jemand dabei angetroffen, wie er illegal seinen Weihnachtsbaum an einem der Container-Standorte ablegt, wird ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet." Sich in diesem Moment zu entschuldigen und den Baum wieder mitzunehmen, funktioniere jedoch nicht: "Der Tatbestand wurde schließlich bereits erfüllt."

Um die weitere Bearbeitung des Ordnungswidrigkeitenverfahrens kümmerten sich aber nicht der Zweckverband oder die Polizei, sondern das Ordnungsamt der Stadt, das die Höhe des Bußgeldes festlege. Mindestens 30 Euro werden laut der städtischen Pressesprecherin Susanne Schwab fällig. Bei "Wiederholungstätern" und Abladungen von größeren Müllmengen könne der Betrag noch weiter steigen. Bisher sind laut Sandra Schmidt zehn Christbaum-Sünder erwischt und entsprechende Verfahren eingeleitet worden. Weitere Ermittlungen seien zudem noch am Laufen. Wohin dann also mit dem Christbaum nach den Feiertagen? In den Wertstoffhöfen im Frauental 7 (Gailoh) und in der Max-Planck-Straße 25 (Industriegebiet Nord) kann ganzjährig Grüngut, also auch die Christbäume, kostenlos abgegeben werden. Das ging bis Freitag, 15. Januar, auch auf dem Dultplatz.

Problem am Dultplatz

So sollte es auf dem Dultplatz nicht aussehen: Der Container, der etwas weiter links steht, wird einfach ignoriert.

Seit 7. Januar stand dort ein Container, in den die ausrangierten Bäume geworfen werden konnten. Doch trotz dieses Angebots gab es ein Problem. "Die Ersten haben ihren Baum wohl schon vor dem 7. Januar loswerden wollen", vermutet Susanne Schwab und erklärt damit die Tatsache, dass auf dem Dultplatz viele Tannen und Fichten nicht im, sondern neben dem Container gelandet sind. Viele Amberger hätten dann, wohl auch aus Bequemlichkeit, ihr Exemplar einfach auf den bereits vorhandenen Haufen geworfen und das eigens dafür aufgestellte Behältnis einfach ignoriert. Schwab: "Da kann man aber nur vermuten und auch nichts dagegen machen."

Darum reagiert die Stadt Amberg auf das unerlaubte Entsorgen der Christbäume

Amberg
Kommentar:

Trotz Kontrollen: Viel wird sich nicht ändern

Jedes Jahr dasselbe Prozedere: Die Stadt weist in Pressemitteilungen darauf hin, dass die Entsorgung von Christbäumen an den Standorten der Grüngut-Container verboten ist. Im Alltag ändert das aber nichts. Die Berge von Tannen, Fichten und Kiefern häufen sich regelmäßig aufs Neue. Warum? Weil nicht jeder Zeitung liest? Weil nicht jeder von den Abholaktionen der Pfarreien weiß? Womöglich. Vermutlich ist es vielen Ambergern aber schlicht und ergreifend egal. Ob das die Kontrollen des Kommunalen Ordnungsdienstes ändern werden? Noch ist es zu früh für eine seriöse Einschätzung. Die Vermutung bleibt, dass aber auch das nicht viel an der nicht vorhandenen Moral ändern wird.

Thomas Kosarew

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