20.02.2019 - 15:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Ostbayerisches Filmorchester in Amberg

Wolfgang Dersch organisiert wieder ein Konzert des Ostbayerischen Filmorchesters im ACC. Der Amberger Kulturreferent muss dabei den Überblick über 200 Musiker und Sänger behalten.

Der Amberger Kulturreferent Wolfgang Dersch organisiert wieder eine Filmmusik-Gala im ACC Amberg.
von Peter GeigerProfil

Die Oscar-Verleihung wirft ihre glamourösen Schatten voraus. Einen Abend, bevor in Los Angeles die begehrtesten Filmpreise der Welt verliehen werden, lädt das „Ostbayerische Filmorchester“ am 23. Februar unter der Leitung von Wolfgang Dersch zur Filmmusik-Gala ins ACC. Nach den großen Erfolgen 2014 und 2016 entführen die fast 200 Mitwirkenden das Publikum mit den Originalklängen aus über 70 Jahren Filmgeschichte in die emotionsgeladene Welt Hollywoods.

ONETZ: Es ist ja kein Geheimnis, dass Ambergs Kulturreferent Wolfgang Dersch nicht nur bürokratisch zu agieren vermag, sondern dass er auch den Dirigentenstab zu schwingen weiß …

Wolfgang Dersch: Ja, das mache ich wirklich leidenschaftlich gerne. Das fing schon sehr früh an, und als ich dann an der Universität Regensburg Lehrbeauftragter für das University Jazz Orchestra war, habe ich mir in den Kopf gesetzt, das Symphonieorchester und die Big Band für ein Projekt zusammenzuspannen und Original-Filmmusik zu spielen. Das war 2003 nicht nur ein großer Erfolg vor ausverkauftem Audimax mit 1500 Besuchern, sondern auch ein Schlüsselerlebnis für die Musiker der unterschiedlichen Genres. Für mich zudem die ideale Ergänzung zur Verwaltungsaufgabe.

ONETZ: Sie dirigieren aber das Ostbayerische Filmorchester nicht nur - Sie sind auch für dessen personelle Zusammenstellung verantwortlich. Worauf legen Sie bei der Auswahl Wert?

Wolfgang Dersch: Für dieses Projekt erfolgte die Auswahl in erster Linie natürlich über die musikalische Qualität und eine gewisse Orchestererfahrung. Zentrale Positionen wie zum Beispiel Konzertmeister und die erste Trompete wurden mit echten Profis besetzt. Konzertmeisterin wird dieses Mal Dania Lemp sein, die ich noch aus gemeinsamen Zeiten im Bayerischen Landesjugendorchester kenne und die jetzt bei der Staatsoper in München spielt. Christian Höcherl, Solotrompeter der Dresdner Philharmoniker und ständiger Gast bei der deutschen Blechbläserelite von „German Brass“, wird die erste Trompete spielen.

ONETZ: Aber Ihnen kommt’s auch auf die regionale Herkunft kommt’s an?

Wolfgang Dersch: Ja, das ist mir sehr wichtig, dass wir Musiker aus Amberg und der Umgebung Möglichkeiten eröffnen. Es sind viele bekannte Gesichter und wirklich tolle Talente dabei, die in Berlin, Weimar, Augsburg oder Osnabrück ihre Instrumente studieren. In Bernhard Müllers mit seinem qualitativ hochwertigen „Kammerorchester Sinfonietta“ habe ich den idealen Partner und Grundstock für die Streicher und Holzbläser. Er ist ein unglaublicher Allround-Musiker , nicht nur bekannt durch seine Orgelkonzerte, sondern auch als Oboist, Pianist und erfahrener Chorleiter. Er hat auch den über 100-köpfigen Projektchor zusammengestellt und einstudiert.

ONETZ: Mit Magdalena Hinterdobler präsentieren Sie eine renommierte Solistin, die an der Oper Leipzig große Erfolge feiert. Sie stammen beide aus Straubing - das ist sicher kein Zufall?

Wolfgang Dersch: Die Verbindung kommt natürlich über unsere gemeinsame musikalische „Brutstätte“, das Anton-Bruckner-Gymnasium in Straubing zustande. Sie hat an der Musikhochschule in München studiert und ergänzte ihre Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Seit fünf Jahren ist die junge Sopranistin an der Oper Leipzig festes Ensemblemitglied und glänzt durch überzeugende Auftritte mit schwierigen Partien. Man kann sagen, dass sie zu den gefragtesten deutschen Nachwuchssängerinnen zählt. Ich freue mich ganz besonders auf den Titelsong aus dem Kinofilm „Die Schöne und das Biest“ von 2017.

ONETZ: Was haben Sie denn außerdem heuer im Programm?

Wolfgang Dersch: Nun, die Auswahl ist sicherlich immer die größte Herausforderung bei der Fülle an Filmmusiken, die es so gibt. Nur eines war heuer sicher. Wir wollten wieder Stücke mit Chor auf die Bühne bringen, nachdem wir 2016 den Abend ohne Chor veranstaltet hatten und die Sängerinnen und Sänger uns inständig gebeten haben, wieder mit von der Partie sein zu können. Und so waren für die erste Probe des Projektchors 30 Sängerinnen und Sänger angemeldet, gekommen sind aber 60. Zusammen mit dem 40-köpfigen Chor „Martinsgänse“ waren die 100 schnell voll. Mehr dürfen es aber auch nicht sein, weil wir nicht mehr Platz auf der Bühne haben. Leider ist es nicht so einfach, Notenmaterial für originale Filmmusik mit Chor zu bekommen. Glücklicherweise kann ich auf meinen persönlichen Kontakt zu Nic Raine, Dirigent und Arrangeur des „Klassik Radio Pops Orchester“ zurückgreifen, der mich mit professionellem Notenmaterial versorgt. So kann man sich auf die Musik aus „Der Pate“, „Die Glorreichen Sieben“, „La La Land“, „Game of Thrones“, „Da Vinci Code“ oder „Gladiator“ freuen. Die Stücke aus Harry Potter, die wir spielen, die sind wiederum Leihmaterial der Europäischen Filmphilharmonie aus Berlin.

ONETZ: Als Spiritus Rector haben Sie ja bereits vier solcher Nächte verantwortet. Das musikalische Material scheint Ihnen aber nicht auszugehen?

Wolfgang Dersch: Das ursprüngliche von mir ausgedachte Konzept für die LIONS-Musiknacht sieht vor, dass sich die Filmmusik-Galas mit den Chorabenden der vier Amberger Gymnasien abwechseln. So hat man einen zweijährigen Turnus, der die Sache abwechslungsreich hält. Und Material für Filmmusiken gibt es noch jede Menge. Man könnte die Konzerte zum Beispiel auch thematisch angehen mit einem reinen Western- oder James-Bond-Abend. Aber darüber denken wir nach dem Konzert mal nach.

ONETZ: Das Publikum ist bei Ihnen nicht nur Staffage - es ist auch eingeladen, sich selbst ein bisschen als Star zu fühlen …

Wolfgang Dersch: Selbstverständlich dürfen die Gäste über den roten Teppich in das festlich beleuchtete Amberger ACC laufen, wo sie von Filmfiguren wie Stormtrooper oder Director Krennic aus Star Wars, Davy Jones aus Fluch der Karibik oder Captain America erwartet werden. Dort kann man sich dann mit diesen Figuren ablichten lassen. Mein Smoking und die Lackschuhe stehen jedenfalls schon bereit.

ONETZ: Finden Sie als viel beschäftigter Mann eigentlich auch Zeit, ab und zu noch selbst ins Kino zu gehen?

Wolfgang Dersch: Oh ja, wenn es die Zeit erlaubt, gehen meine Frau und ich sehr gerne ins Kino. Zuletzt hat uns „Bohemian Rhapsody“ mit Rami Malek total begeistert. Wir drücken ihm für die Oscar-Verleihung als bester Hauptdarsteller die Daumen.

Tickets für die Filmmusik-Gala:

Karten gibt es beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice der Geschäftsstellen sowie telefonisch unter 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0.

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