01.06.2018 - 14:18 Uhr
AmbergOberpfalz

OTon: Mund aufmachen!

In meinem letzten Schuljahr hielt ein Mann von der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) einen Vortrag über Knochenmarkspende. Ich und meine Mitschüler waren jetzt berechtigt zu spenden. Wir könnten damit Menschen retten, meinte der Mann.

So sieht das Registrierungsset aus, dass die DKMS per Post kostenlos versendet.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Ich war tief beeindruckt und erschüttert zugleich. Den Großteil der Zeit versuchte ich Gedanken an lebensbedrohliche Krankheiten auszublenden. Da denkt doch niemand gerne dran. Nach diesem Vortrag war ich aufgeregt, ich hatte mir fest vorgenommen mich registrieren zu lassen. Doch schon bald kamen Zweifel. Vollnarkose. Krankenhaus. Risiko. Ich war 18, kurz vor dem Abitur. Danach folgten Ferienjob, Umzug und Studienbeginn. Ich habe mich nicht für eine etwaige Operation bereit gefühlt. Und so verwarf ich die Idee wieder. Bis vor ein paar Wochen.
Es war Montagabend. Eine liebe Kollegin aus meinem Nebenjob als Kellnerin schrieb mir per Whats App. Der vierjährige Sohn ihrer Freundin sei schwer herzkrank und braucht eine teuere Operation in den USA, um überleben zu können. Sie fragte, ob ich nicht mal was in der Zeitung darüber schreiben könnte. Die Geschichte über den kleinen Basti, dem dank zahlreicher Spenden tatsächlich dieser Eingriff finanziert werden kann, dürfte den Meisten bekannt sein. Ergriffen von diesem Schicksal machte ich mir so meine Gedanken. Es gibt so viele Tragödien auf der Welt, nicht immer gibt es die Möglichkeit zu helfen. Bei Blutkrebspatienten schon. Eine Knochenmarkspende kann leben retten, wenn auch niemand zu einhundert Prozent geheilt werden kann. Ich hatte mich entschieden.
Die Registrierung ist unkompliziert. Ob ich überhaupt in Frage komme, wurde online in wenigen Klicks abgefragt: Wohnen Sie in Deutschland? Wie alt, groß und schwer sind Sie? Haben Sie chronische Krankheiten? Haben Sie schon Blut gespendet? Nach ein paar Sekunden war ich durch und gab meine Adresse ein. Erledigt. Ein paar Tage später lag der Umschlag mit Zubehör im Briefkasten. Flyer mit Informationen habe ich mir noch dazu bestellt.

Sollte ich als Spender für einen Patienten in Frage kommen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Häufigste ist die periphere Stammzellenentnahme. Ich würde über fünf Tage ein Medikament verabreicht bekommen, dass die Stammzellen wachsen lässt. Über ein spezielles Verfahren werden sie extrahiert. Ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist normalerweise nicht nötig.
Seltener wäre Knochenmarkentnahme. Hier wird unter Vollnarkose etwa ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm entnommen. Danach folgen zwei bis drei Tage im Krankenhaus und ein paar Tage Erholung Zuhause. Das Risiko bei dem Eingriff beschränkt sich auf die Vollnarkose.
Mit großer Wahrscheinlichkeit müsste ich also gar nicht im Krankenhaus bleiben, was ja eine meiner großen Sorgen war. Das ist doch machbar, oder? Ein bisschen Papierkram gibt es noch in dem beigelegten Formular auszufüllen. Dann können meine Gewebeproben, die ich mit den drei beigelegten Wattestäbchen aus der Mundhöhle entnommen habe, an die DKMS zurückgeschickt werden. Jetzt wird meine DNA auf Tauglichkeit getestet und mit allen Blutkrebs-Patienten weltweit verglichen. Nur wenn ein Erkrankter und ich nahezu eine identische DNA haben, funktioniert der Transfer. Natürlich hoffe ich auch eines Tages jemandem helfen zu können. Eine Registrierung ist schon der erste Schritt. Und wisst ihr was? Hat gar nicht weh getan.

Weitere Informationen: www. dkms. de

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