23.08.2018 - 16:55 Uhr
AmbergOberpfalz

Panik bei den Bäumen

Nach einem extremen Sommer ist Abkühlung in Sicht. Auf dem Mariahilfberg und in anderen Wäldern scheint der Herbst schon angekommen zu sein: Die andauernde Hitze und der ausbleibende Niederschlag machen der Natur dort schwer zu schaffen.

Helga Verron zeigt sich besorgt angesichts der extremen Trockenheit. Auch die Linden auf dem Mariahilfberg lassen schon erschreckend viel Laub fallen. Sie hofft, dass sich die Bäume nach dieser langen Dürrezeit im Winter wieder erholen und nächstes Jahr wieder austreiben.

Braunes Laub, schüttere Kronen, Blätter rascheln unter den Füßen: Waldspaziergänger hätten in den vergangenen Tagen - abgesehen von den hochsommerlichen Temperaturen - meinen können, dass der Sommer bereits vorbei ist - und das mitten im August. Als Reaktion auf die ungewöhnlich trockenen Bedingungen ist bei Birke, Kirsche, Linde und Ahorn Laubfall zu beobachten, ebenso wie die Rotfärbung der Hain- und Rotbuchen.

"Die Bäume sind durch Hitze und Wassermangel gestresst", sagt Helga Verron, stellvertretende Leiterin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Amberg. Betroffen sei nicht nur die Fichte, sondern auch Laubbäume. Die Expertin erklärt, welche Auswirkungen der extreme Sommer außerdem für den Wald hat: Hohe Waldbrandgefahr und eine starke Vermehrung der Borkenkäfer. Waldbrandgefahr

Seit Wochen warnt der Deutsche Wetterdienst vor Waldbränden. "Die bereits seit April fehlenden Niederschläge und hochsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen haben die Waldböden stark austrocknen lassen. Kommt dann noch trockener Wind hinzu, kann sich ein Feuer rasant ausbreiten", schildert Verron. Stark gefährdet seien Kiefern- und Fichtenwälder wegen der harzigen Nadeln, die nach längerer Trockenheit extrem brennbar sind.

Nur ein geringer Prozentsatz der Waldbrände könne jedoch eindeutig einer natürlichen Brandursache zugeordnet werden. "Feuer im Wald werden vor allem durch fahrlässiges Verhalten von Waldbesuchern ausgelöst." Die Sensibilisierung der Bevölkerung sei aus diesem Grund wichtig zur Vermeidung von Waldbränden. Waldbesuchern raten forstliche Behörden deshalb regelmäßig: Waldbrände sofort an die Feuerwehr melden; beim Autofahren keine Zigarettenkippen aus dem Fenster werfen; im Wald oder in Waldnähe kein offenes Feuer machen; Autos nicht auf trockenem Gras parken, da es sich am heißen Katalysator entzünden könnte; Rettungswege stets freilassen; Restholz nicht verbrennen, sondern abtransportieren, häckseln oder einen Witterungs-Umschwung abwarten. Zudem gilt vom 1. März bis 31. Oktober Rauchverbot in Wäldern. Borkenkäfer

Bei extremer Trockenheit "ist auch der Borkenkäfer nicht weit", weiß die stellvertretende Amtsleiterin. Sekundärschädlinge wie Borkenkäfer befallen vermehrt geschwächte Fichten. Bäume, die sich sonst noch von den Auswirkungen der Trockenheit hätten erholen können, sind dann vom Absterben bedroht. "Aufgrund der anhaltend hohen Temperaturen ist dieses Jahr nicht mehr nur an den Rändern von Fichtenbeständen, sondern auch im Bestandsinneren starker Käferbefall festzustellen, so dass die Suche nach Befallsherden unbedingt ausgeweitet werden sollte", macht Helga Verron deutlich.

Durch die trockene Witterung sei das Bohrmehl gut sichtbar und die Waldbesitzer sollten intensiv suchen. "Befallene Fichten müssen rasch eingeschlagen und die Brut unschädlich gemacht werden." Verron weist darauf hin, dass, wenn sich unter der Rinde Jungkäfer befinden, das Fällen nicht ausreicht, um die Jungkäfer am Ausflug zu hindern. Die Rinde trockne nicht schnell genug aus. Deshalb sollte auch nicht im Inneren von Fichtenbeständen entrindet werden. Ein Abfallen der Rinde bei der Rückung sollte verhindert werden.

Drei Fragen an Helga Verron:

Wie reagiert die Forstbehörde auf den Klimawandel und die zunehmend langen Trockenzeiten?

Helga Verron: Um den Wald für die Zukunft gut aufzustellen, hat die Bayerische Forstverwaltung schon vor langer Zeit ein Programm entwickelt – basierend auf der Standorteignung der Baumarten angesichts des Klimawandels. Bei uns in der Oberpfalz ist die Fichte der Problem-Baum, der ein feucht-kühles Klima benötigt, bei uns aber ein kontinentales, sprich trockenes, kaltes Klima vorfindet. Da die Fichte in der Oberpfalz keine idealen Standortbedingungen mehr hat, forcieren wir nun eine Laubbaum-Bepflanzung unserer Wälder.

Wie geht die Behörde mit dem vermehrten Borkenkäferbefall um?

Der Borkenkäfer ist kein neues Problem. Bereits vor rund 30 Jahren hat die Bayerische Forstverwaltung eine Verordnung erlassen. Da der Borkenkäfer ein reiner Fichtenschädling ist, wird sich dessen Bestand mit der Reduktion des Fichtenanbaus reduzieren.

Was sind die langfristigen Folgen dieses Umdenkens der Forstbehörden angesichts des Klimawandels?

In der Oberpfalz überwiegt historisch bedingt seit Jahrzehnten mit Fichte und Kiefer das Nadelholz, auch deshalb, weil Fichte und Kiefer pflegeleichte Bäume sind. Wenn die Umstellung auf Laubbäume erfolgt, die seit jeher in Unterfranken das Bild des Waldes bestimmen, bringt das nicht nur Änderungen für die Waldbewirtschaftung mit sich, sondern auch für die Holzverarbeitung. Was sich beides aufwendiger gestalten wird als mit der pflegeleichten Fichte. Zudem setzt man auf neue Baumarten, doch deren Erprobung dauert beim langsamen Wachstum der Bäume dementsprechend lang. Grundsätzlich müssen wir angesichts des Klimawandels umdenken, was die Waldwirtschaft und die Holzverarbeitung betrifft. (ads)

Am Wochenende soll es kühler werden, doch Wetterexperten sagen nur wenig Regen voraus.
Borkenkäfer.
Die Linden auf dem Mariahilfberg verlieren bereits so viel Laub, dass man denken könnte, es sei schon Herbst.
Helga Verron auf dem Mariahilfberg in Amberg.
Helga Verron auf dem Mariahilfberg in Amberg.
Helga Verron auf dem Mariahilfberg in Amberg.
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