14.09.2018 - 11:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Parkinson teilen und lernen

Papst Johannes Paul II. hatte es, Muhammad Ali und Mao Tse-tung ebenso. Sie sind wohl die prominentesten Vertreter mit der Diagnose Parkinson. Immer mehr Menschen erkranken daran, auch in Amberg. Grund genug für eine Selbsthilfegruppe.

Der Amberger Wolfgang Weiß ist der Motor der neuen Parkinson-Selbsthilfegruppe. Er lädt für Freitag, 21. Sepember, zum nächsten Treffen in Paulaner 18 ein.
von Thomas Amann Kontakt Profil

(ath) Sie hat sich unter der Regie von Wolfgang Weiß, unterstützt von Kerstin Bauer von der städtischen Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, mittlerweile gegründet, nachdem bereits zu den ersten Treffen seit Juni genügend Interessenten gekommen sind. Die nächste Zusammenkunft findet wie jeden dritten Freitag im Monat am 21. September um 15 Uhr im Sozialpsychiatrischen Zentrum an der Paulanergasse 18 statt. Die Parkinson-Selbsthilfegruppe will neben der Kontaktpflege auch die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch, zur Weitergabe von Informationen über Ärzte, Kliniken und Physiotherapeuten bieten.

"Leidensgenossen geben Tipps zur Bewältigung des Alltags und ermutigen sich gegenseitig", heißt es in einer Presseinformation, "auch die Angehörigen sind dazu eingeladen - für sie können die dort geschilderten Erfahrungen ebenso wertvoll sein". Gerade sie oder selbst Bekannte könnten zur Ermutigung gerade bei den ersten Malen gerne mitgehen, um mögliche Hemmschwellen bei Betroffenen zu senken. "Niemand braucht befürchten, dass Privates in die Öffentlichkeit getragen wird. Oberster Grundsatz ist, dass Persönliches streng geheim gehalten wird", versichert Wolfgang Weiß, der lediglich über seinen "eigenen Fall", die Parkinson-Erkrankung seiner Ehefrau, spricht, um seine Initiative zu begründen. Angedacht ist nach seinen Worten ferner ein Austausch und eine Zusammenarbeit mit der Weidener Selbsthilfegruppe, die schon längere Zeit besteht. Wer mehr wissen möchte, kann Wolfgang Weiß vorab kontakten (09621/17 88 04).

Generell weist der Amberger darauf hin, dass in Deutschland rund 300 000 Menschen an Parkinson erkrankt sind und niemand davor gefeit ist. Die Dunkelziffer von unerkannten Fällen rangiere bei weiteren 30 Prozent, was auch daran liege, dass die meisten bei dem Stichwort an ältere, zitternde Leute denken.

Doch Morbus Parkinson hat laut Weiß viele Gesichter: "Die Symptome variieren und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Parkinson ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems, bei der vor allem die Beweglichkeit und der Bewegungsablauf gestört sind. Ursache dafür ist ein stetiger Verlust von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin enthalten. Die Erkrankung beginnt meist schleichend. Bis die Diagnose eindeutig ist, können Jahre vergehen. Eingeschränkter Geruchssinn, schmerzhafte meist einseitige Muskelverspannungen der Schulter-Arm-Region und Störungen der Feinmotorik (Schreiben, Kämmen, Zähneputzen, Zuknöpfen von Bekleidung) können Merkmale sein."

Hintergrund:

Typisch für an Parkinson Erkrankte ist, dass sie oft vornübergebeugt sind, sich in kleinen Schritten bewegen und die Arme wenig mitschwingen. Häufig zittern die Hände, die Gesichtsmimik kann erstarren, die Aussprache leise und schwer verständlich werden. Auch die Handschrift verändert sich meist, wird kleiner und unleserlich.

In einem späteren Stadium versteifen die Muskeln immer mehr, werden die Bewegungen langsamer und schwieriger. Oft scheinen die Füße fast am Boden zu kleben. Die Körperhaltung ist instabil; es kommt nicht selten zu Stürzen. Das Krankheitsbild ist seit 200 Jahren bekannt, die Forschung arbeitet intensiv daran, die Ursache für den Dopaminmangel herauszufinden, aber bisher mit wenig Erfolg. Die bestmögliche medikamentöse Einstellung zu finden, ist für den Arzt in der Regel schwierig, da meist mehrere unterschiedliche Anti-Parkinson-Medikamente kombiniert werden müssen, die jeweils auch ihre eigenen Nebenwirkungen haben.

Besonders erschwert wird die richtige Medikation durch die Tatsache, dass On-Phasen (in denen der Kranke frei beweglich ist und sich beinahe wieder gesund fühlt) und Off-Phasen (gekennzeichnet durch Bewegungsarmut und schlechte geistige und seelische Verfassung) abrupt ohne Vorwarnung wechseln können. Der "Medikamenten-Cocktail" besteht mitunter aus 20 Tabletten, die auf den Tag verteilt pünktlich und im richtigen Abstand zu den Mahlzeiten einzunehmen sind.

Neben den Arzneien sind laut Selbsthilfegruppe physikalische, Physio-, Ergo- und eventuell auch Logotherapie hilfreich, sowie vor allem Bewegung. Besonders eigneten sich neben Fitness-Training, QiGong, Tai Chi, Tanzen und Nordic Walking. (ath)

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