21.11.2018 - 09:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Pflegefamilie lindert Kinderleid

"Ich will den Kindern Gutes tun und der Gesellschaft etwas zurückgeben." So begründet Marcel Morgenstern, warum er mit seiner Frau zwei Pflegekinder aufgenommen hat. Obwohl das Paar bereits drei eigene Kinder hat - ein Beispiel für andere.

Melissa Sitorius, Julia Herzog und Andrea Graf vom SkF (von links) präsentieren gemeinsam mit den Pflegeeltern Doris Adunka, Daniela Zimmermann und Marcel Morgenstern (von rechts) das Thema Pflegefamilien, für das der Sozialdienst katholischer Frauen dringend Verstärkung in Stadt und Landkreis sucht. Dass Interessenten ein großes Herz für Kinder haben müssen, zeigt Marcel Morgenstern, der nicht nur fürs Foto auf den Schaukelelefant steigt.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Denn der Pflegekinderdienst des SkF braucht dringend Verstärkung. Auch Marcel Morgensterns Familie ist erst im Januar dazugestoßen, aber schon voller Überzeugung dabei. An die Blicke, die man sich mit fünf Buben und Mädchen im Schlepptau - alle zwischen zwei und 17 Jahre alt - einfängt, hat er sich längst gewöhnt und findet sie im Grunde "lustig". Ist halt so, "wenn sieben Leute reingestürmt kommen, dass man schon wie eine eigene kleine Gruppe wirkt", beschreibt der Landkreisbewohner das Auftreten seiner Familie und manche Reaktionen gelassen. Das kann ihm und Daniela Zimmermann sowie Doris Adunka den Spaß an Pflegekindern nicht nehmen. Die beiden Frauen aus dem Sulzbacher Land machen diese Aufgabe schon seit Jahren, weil das Problem, dass Kinder nicht bei ihren eigenen Eltern aufwachsen und bleiben können, eben auch bei uns in der Region seit langem existiert.

Für Notfälle und auf Dauer

Im Landkreis engagiert sich der Sozialdienst katholischer Frauen schon seit 42 Jahren für dieses Thema, in Amberg ist er seit 2004 mit dem Pflegekinderdienst eingespannt, den zuvor die Stadt selbst organisiert hatte. Wie gefragt diese Hilfeleistung ist, zeigen aktuelle Zahlen, die SkF-Geschäftsführerin Andrea Graf sowie Julia Herzog und Melissa Sitorius als zwei von insgesamt sechs SkF-Fachkräften für diesen Bereich am Dienstag in einem Pressegespräch im Domizil des Vereins am Studentenplatz schilderten. 154 Buben und Mädchen werden derzeit nach ihrer Auskunft in rund 120 Pflegefamilien allein im Landkreis betreut, 33 weitere Kinder in 18 in Vollzeit tätigen Familien sind es in der Stadt Amberg, wobei auf beiden Seiten jeweils 22 sogenannte Bereitschaftspflegefamilien zur Verfügung stehen. Sie springen dann ein, wenn Nachwuchs quasi akut ohne große Vorplanung von den eigenen Eltern abgeholt werden muss. Das ist unter Umständen, die den Jugendämtern meist schon länger bekannt sind, der Fall, wenn Situationen zum Beispiel durch Alkohol- oder Gewalteinflüsse außer Kontrolle geraten.

Dass das gar nicht so selten vorkommt, beweist die gar nicht so niedrige Zahl vorhandener Pflegefamilien. Dass sie trotzdem nicht ausreicht, liegt nach Schilderung von Herzog und Sitorius daran, dass diese Ressourcen praktisch schon belegt sind; selbst Bereitschaftspflegefamilien, die Knall auf Fall gefragt sind, sind in der Regel bis zu acht Wochen eingebunden und "ausgebucht". Sie stehen aber auch nicht für die dauerhafte Betreuung zur Verfügung, sondern nur für "Notfälle", die aber genauso häufig auftreten können und sozusagen noch dringender (vorübergehend) gelöst werden müssen.

SkF braucht Verstärkung

Deswegen ist "Nachschub" eigentlich permanent nötig, schildern die Damen vom Pflegekinderdienst des SkF, der vor diesem Hintergrund händeringend um Unterstützung bittet (siehe unten). "Es gibt auch in Deutschland und Bayern viel Leid in den Familien", beschreibt Marcel Morgenstern seine Motivation, zwei Kinder (drei und sechs Jahre alt) aufgenommen zu haben. "Wie unsere eigenen Kinder sind sie fest bei uns integriert", berichtet der Landkreisbewohner und meint damit vom Kindergarten- über den Schulbesuch bis hin zum restlichen Alltag mit sämtlichen Anforderungen das ganze Familienleben. "Wenn man es schlau anstellt, ist alles möglich", sagt der fünffache Vater und macht Mut, dass auch eine siebenköpfige Familie im Grunde "nur Organisationssache" ist.

Hintergrund:

Zeit, Platz, Geduld und Liebe für Kinder: Das sind die Mindestvoraussetzungen, die jemand haben muss, um Nachwuchs in Pflege zu nehmen. Auch wenn das neue Familienmitglied wie ein eigenes Kind behandelt werden soll, bleibt laut SkF die Rolle der leiblichen Eltern – das sei auch etwas, das die „Ersatzmütter und -väter“ akzeptieren müssten.

Wer das mitbringt, selbst in geordneten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, sich den Fragebögen des Landesjugendamts stellt, ein dreitägiges Einführungsseminar und eine jährliche Fortbildung zum Thema beim SkF besucht, kann sich prinzipiell beim Pflegekinderdienst anmelden und größtenteils nach eigenen Vorstellungen (Geschlecht, Alter, Herkunft) ein zu vermittelndes Kind auswählen, das ja auch in die neue Familie passen soll. Interessenten können sich beim SkF am Studentenplatz 2 melden (09621/48 72-0, www.skf-amberg.de).

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