05.10.2020 - 08:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Pianist Herbert Schuch begeistert im Stadttheater

Die Zielgerade des Beethoven-Zyklus der städtischen Konzertreihe ist erreicht. Am Samstag setzte der Pianist Herbert Schuch im Stadttheater mit den Konzerten Nummer neun einen Schlusspunkt voll Glanz und Glorie.

Herbert Schuch spielte Beethovens "Diabelli-Variationen" op. 120, wie immer top vorbereitet, souverän, mit künstlerischem Charisma. Lob und Lorbeer dafür! Die Positionierung des Flügels vor dem Vorhang hat sich bestens bewährt; mehr Klarheit, mehr Präsenz.
von Peter K. DonhauserProfil

Zu hören gab es schon in acht Konzerten alle 32 Klaviersonaten; am Samstag waren im Stadttheater Amberg die „Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli“ op. 120, komponiert 1823, an der Reihe. Gespielt von Pianist Herbert Schuch. Es sind 33 (statt der nur einen beauftragten) Variationen, Beethovens letztes großes Klavierwerk. Das immerhin gefällige Thema des Herrn Verlegers hatte bei ihm statt einer Routinearbeit einen Schaffensrausch ausgelöst, er hatte da weder auf die tickende Uhr noch die klingende Münze geschaut. Statt eines beiläufigen Albumblatts sehen wir eines der bedeutendsten Variationswerke für Klavier, es steht in der Hall of Fame neben den Beethoven-Variationen von Max Reger, den Händel-Variationen von Brahms und den Goldberg-Variationen von Bach. Letzterer resümierte in diesen den Stand der Kompositionstechnik, Beethoven blickte zudem visionär in die Zukunft.

Musikalisches Ohrenfutter

Nach mehr als einem halben Jahr Konserven-Kultur wegen Covid-19 haben Hörer wie Musiker dringenden, ja existenziellen Nachholbedarf in Sachen Live-Musik. Kulturamt wie Herbert Schuch haben einfallsreich reagiert: Das Konzert wurde zweimal gespielt, frisches Futter für die Ohren, klingende geistige Nahrung, eine kulturelle Vitaminspritze.

Die Diabelli-Variationen bringen spezielle Herausforderungen: Statt der drei oder vier „Persönlichkeiten“ einer Sonate treten 33 auf die Bühne, sie wechseln in kürzeren Abständen. Schuch musste oft blitzschnell die „Rolle“ wechseln, Tempo, Grundstimmung, Charaktere, Temperamente wollen auf den Punkt getroffen werden, wenn sie nicht blass und austauschbar wirken sollen.

Geniales Musikhandwerk

Herbert Schuch gelingt das in bewundernswerter Weise. Er bedient sich einer stilistisch breiten Klangpalette: Die erste Fuge in Variation 24 spielte er linear, nach innen gerichtet singend wie auf einer Orgel. Die virtuosen Passagen (V 16) packte er an wie ein junger Liszt. In V 20 und 27 zeigte er bewusst auf die Grenzen klarer Tonalität wie später Wagner und Reger.

Stets hat er nicht nur die richtigen Töne auswendig im Kopf sondern auch eine glasklare Stimmen-Regie: Wer Wichtiges zu sagen hat, wer aktiv, wer passiv agiert, wie Dialoge quer durch die Notensysteme laufen. Da gibt es ungekannte Motiv-Netzwerke zu entdecken. Das Vivace-Thema spielte er nicht so lebhaft wie einst Friedrich Gulda, zu entdecken gibt es dann eine fast swingende Interpretation von einem Marsch (V 1), skurrilen Humor (V 9), Drohgebärde und Einschüchterung (V 13), fast sprachlos stockendes Sprechen (V 14), Wut (V 19), magische, anrührende Intensität (V 31).

Schon von Anfang richtete Herbert Schuch den Blick auf das Ziel seines Ein-Stunden-Marathons: Ohne Durchhänger fügte er die 33 Variationen zu einer Einheit bis zum abschließenden Resümee. Lorbeer-Lob für seine große Klavierkunst, die Herz und Geist erfrischt.

Starpianist spielt im Stadttheater

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