10.10.2018 - 10:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Plötzlich fliegt der Barhocker

Richter sind keine Hellseher. Wenn dann völlig ungeklärt ist, ob ein Barhocker als Schlagwerkzeug benutzt oder von jemandem durch die Gegend geworfen wird, bleibt nur eine Entscheidung: Freispruch.

Aus einer Wirtshausschlägerei wird ein Fall fürs Gericht.
von Autor HOUProfil

(hwo) Wirtshausschlägereien stehen bei der Justiz fast schon wöchentlich auf der Tagesordnung. Was dann in der Regel folgt, sind umfangreiche Beweisaufnahmen und, auch das ist üblich, sehr unterschiedliche Zeugenaussagen. So auch diesmal, als es vor Richter Markus Sand um gefährliche Körperverletzung ging.

Die gefährliche Körperverletzung setzt den Einsatz eines Werkzeugs voraus. Das können Schuhe sein, daneben aber auch Knüppel oder Schlagringe. Dass ein Barhocker in den Fokus rückt, kommt eher selten vor. Damit solle in einer April-Nacht dieses Jahres ein 28-Jähriger verletzt worden sein. Der Mann sagte das jedenfalls so, als ihn der Richter befragte. Auf der Anklagebank saß ein 35-Jähriger aus einem osteuropäischen Land, der durch eine Dolmetscherin mitteilen ließ, er sei zwar zusammen mit mehreren Kumpels in dem Amberger Lokal gewesen, habe aber keineswegs im Verlauf einer offenbar grundlos ausgebrochenen Schlägerei mit einem Barhocker zugehauen. Auch als Wurfgeschoss wollte er das Sitzmöbelstück nicht benutzt haben. Es gab Zeugen. Sie erinnerten sich an ein Gerangel, an etliche Beteiligte und an einen "fliegenden Barhocker". Doch ob es der 35-Jährige war, der mit dem Hocker zuschlug oder ihn warf, wurde nicht deutlich. Daraufhin zeichnete sich ab, dass der Prozess wie das Hornberger Schießen ausgehen würde.

In ihrem Schlussvortrag ließ Staatsanwältin Julia Weigl anklingen, dass man trotz zweistündiger Verhandlung nur von einem Gerangel zwischen mehreren Personen in und vor dem Lokal wisse. "Alles andere ist ungeklärt." Von daher verlangte sie Freispruch für den Angeklagten. Der verzichtete auf das letzte Wort. "Denn dieser Antrag dürfte wohl nicht auf Ihren Widerspruch stoßen", hatte ihm der Richter zuvor übersetzen lassen. Nur eines sagte der Mann noch: "Blöd, dass ich da war."

Seinen Freispruch begründete Markus Sand so: "Da war ein fliegender Stuhl. Man kann aber nicht ausschließen, dass die Verletzungen beim Geschädigten schon vorher bei der Auseinandersetzung entstanden waren. Wer sie allerdings verursachte, wissen wir nicht."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp