08.11.2018 - 17:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Polizisten bespuckt und verletzt

13 Zeugen: Fast alles Polizeibeamte, die sich mit dem Angeklagten abzuärgern hatten. Der junge Mann, gerade erst 19 Jahre alt, kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Auch, weil er jetzt endlich eine Lehrstelle hat.

Er hat Polizisten verletzt. Ein 19-Jähriger bekam vor Gericht trotzdem noch eine Chance. Nicht zuletzt, weil er jetzt eine Lehrstelle hat.
von Autor HWOProfil

Schon als er den Kindergarten besuchte, wurde festgestellt: "Er hat Schwierigkeiten, sich sozial einzuordnen." Daran änderte sich später nicht viel. Probleme in der Schule, Zoff daheim, Rauswurf aus der elterlichen Wohnung und ein Quartier im Obdachlosenheim. Dazwischen immer mal wieder Aggressivitäten, die den Jugendrichter beschäftigten. Ausgelöst meist durch Alkohol und Drogenkonsum. Für den heute 19-Jährigen gab es Verwarnungen. Doch eine Haftstrafe bekam er erst jetzt. Allerdings eine, die der Amberger nicht abzusitzen braucht.

Ein letzter Warnschuss vor den Bug, trotz zweier heftiger Begebenheiten, die Schichtbesatzungen der Polizei auf Trab hielten. Dabei wurden zwei Beamte verletzt. Ihnen muss der junge Mann nun von seinem Lehrlingslohn ein Schmerzensgeld bezahlen.

Am Gehsteig eingeschlafen

Vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Peter Jung verlas Staatsanwältin Jennifer Jäger eine vierseitige Anklageschrift. Darin wurde deutlich, dass sich der 19-Jährige grundlos wie ein Berserker aufführte.

Der erste Vorfall: Nach einer Feier wollte der Beschuldigte zwar mit einem Taxi heimfahren, doch kein Mietwagen nahm ihn wegen seiner Trunkenheit mit. Daraufhin ging er samt seiner zwei Promille auf der Schlachthausstraße stadteinwärts, sank zu Boden und schlief auf dem Trottoir ein. Polizisten kamen und weckten ihn. Daraufhin begann eine Auseinandersetzung, bei der die Uniformierten tätlich angegriffen wurden. Der 19-Jährige beleidigte die Ordnungshüter, bespuckte sie und ging in ähnlicher Weise gegen Sanitäter vor.

Einige Zeit darauf mussten erneut Funkstreifenbesatzungen ausrücken. Sie wurden zu einer tätlichen Auseinandersetzung in einem Obdachlosenheim gerufen und sahen sich vor dem Haus in Bahnhofsnähe erneut dem jungen Mann gegenüber. Wieder ging er gegen die Uniformierten vor, belegte sie mit üblen Schimpfwörtern und verletzte eine Beamtin an der Hand.

"Ein Heranwachsender mit schädlichen Neigungen", befand Staatsanwältin Jäger. Dass der 19-Jährige, der auch beim zweiten Vorfall total betrunken war, seine Aggressionshandlungen sofort eingeräumt und sich bei den Polizisten entschuldigt hatte, hielt sie ihm zugute. Die Anklagevertreterin beantragte neun Monate Haft und räumte dem 19-Jährigen eine Chance auf Bewährung ein. Das tat auch Anwalt Michael Schüll. Er hielt allerdings sechs Monate mit Bewährung für ausreichend.

Bewährung mit Auflagen

Das Jugendschöffengericht schloss sich dem Antrag des Verteidigers an und verhängte eine halbjährige Gefängnisstrafe mit Bewährung. Das Urteil wurde allerdings mit Auflagen verbunden. Der 19-Jährige muss sich unter anderem in eine Drogenberatung begeben und hat den Weisungen eines Bewährungshelfers Folge zu leisten.

Obdach hat er jetzt wieder. Verwandte haben ihn aufgenommen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.