25.03.2020 - 14:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Posse um ein Müllhäuschen: Stadt fordert Abriss

Beim Seniorenzentrum an der Brentanostraße steht ein Müllhäuschen. Noch. Die Stadt Amberg ist mit dem Bau nicht einverstanden, laut Bauordnungsamt gefährdet es die Verkehrssicherheit. Das Verkehrsamt gab im Februar noch grünes Licht.

Das Müllhäuschen an der Ecke Brentanostraße, Haager Weg ist der Stadt Amberg ein Dorn im Auge. Nun muss es abgerissen werden.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Tief im Amberger Westen, wo die Brentanostraße auf den Haager Weg trifft, auf dem Flurstück 1451/10 steht ein Müllhäuschen. Eingehaust und mit hellbraunem Holz verkleidet. Etwa drei mal fünf Meter misst es. 2017 hatte es die Wohnungsunternehmen Amberg eG im Zuge des Neubaus des Seniorenzentrums errichtet.

Für die Stadt Amberg ist das ein Problem. Denn: Dort wo heute das Müllhäuschen steht, wäre eigentlich gemäß Freiflächengestaltungsplan eine Grünfläche samt Baum vorgesehen gewesen. "Das war ein Fehler von uns und von unseren Architekten", gibt Dieter Gerl, Vorstand von Wohnungsunternehmen, unumwunden zu. Als der Plan erstellt wurde, habe man nicht einkalkuliert, dass für ein derart großes Wohnheim gleich zwei Müllhäuschen notwendig seien. Eines steht bei der Tiefgarageneinfahrt, so wie im Bebauungsplan festgelegt. Dass nun ein Zweites notwendig würde, habe sich erst in der Bauphase ergeben. "Für uns war der Standort an der Ecke ideal", sagt Gerl, "eine Alternative haben wir nicht." Wie wäre es auf der Fläche vor dem Haupteingang? "Da müssten wir mit Mietkürzungen rechnen." Beim Kreisverkehr am Haager Weg? Könnte die Feuerwehrzufahrt blockieren.

Erhöhtes Unfallrisiko?

Erstmals erfuhr Gerl von dem Problem im Sommer des vergangenen Jahres. Das Bauordnungsamt meldete sich bei ihm und führte neben der Missachtung des Freiflächengestaltungsplans auch noch das Thema Verkehrssicherheit ins Feld. So entstehe an der Straßenecke durch das Müllhäuschen eine "unübersichtliche Verkehrssituation". Es verleite Fußgänger dazu, die Brentanostraße weiter westlich zu überqueren. Die Folge, so steht es im Schreiben des Bauordnungsamtes: ein erhöhtes Unfallrisiko.

"Für uns war der Standort ideal. Eine Alternative haben wir nicht."

Dieter Gerl, Wohnungsunternehmen eG

Dieter Gerl, Wohnungsunternehmen eG

Gerl wollte das so nicht akzeptieren, setzte sich mit dem Verkehrsamt in Verbindung. Kurz darauf machte sich ein Vertreter des Amtes ein Bild von der Lage. Sein Fazit: Aus verkehrsrechtlicher Sicht gebe es "keine Einwände gegen das Müllhäuschen. Die Sichtverhältnisse wurden auch bei einem Ortstermin überprüft", so steht es in dem Schreiben vom 12. Februar, das der Amberger Zeitung vorliegt.

Bewohner sammeln Unterschriften

Wieder versuchte es Gerl beim Bauordnungsamt. Die Heimbewohner hätten bereits Briefe an den Oberbürgermeister geschrieben und Unterschriften gesammelt. Ohne Erfolg. „Unsere Bewohner halten das mittlerweile für einen Schildbürgerstreich“, sagt Gerl. Am 10. März bekam er Post von der Stadt, mit schlechter Kunde. Der Beschluss des Bauordnungsamtes steht – nach sieben Monaten – fest: Das Müllhäuschen müsse innerhalb von zwei Monaten beseitigt werden. Andernfalls drohe ein Zwangsgeld in Höhe von 5000 Euro.

Darauf will es Gerl nicht ankommen lassen, er gibt sich geschlagen. „Verstehen muss ich die Entscheidung aber nicht.“ Er hatte noch immer auf eine wohlwollende Auslegung der Lage gehofft. Offen bleibt aber, ob durch den Rückbau des Müllhäuschens nicht erst ein Misstand entsteht. Die Mülltonnen müssten nach dem Abriss schließlich für jedermann zugänglich an der Kreuzung stehen bleiben. „Dann schmeißt da jeder seine Sachen hin, wie er will“, befürchtet Gerl.

Erneute Prüfung

Jasmin Hannich, die Leiterin des Amberger Bauordnungsamtes, sieht die Lage recht nüchtern. Der Bau sei nicht Teil des Bebauungsplans gewesen. Zudem habe das Amt für Verkehrsplanung den Standort abgelehnt – wegen der Verkehrssicherheit. Die Einschätzung des Straßenverkehrsamtes sei hier nachrangig. Da nun kein Alternativstandort möglich sei, bleibe ein Abriss der einzig gangbare Weg. Immerhin: Eine kleine Hoffnung gibt es noch für Gerl. Der Stadt sei an einer einvernehmlichen Lösung gelegen, „weshalb wir intern die Sach- und Rechtslage erneut prüfen“.

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