01.06.2018 - 14:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Progressiv im Autohaus

20 internationale Künstler begeben sich in Amberg auf die Spuren von damals. Das Künstlersymposium nimmt heuer Bezug auf ein 50 Jahre altes Konzept:1968 gab es eine Aktionswoche zu dem Thema "Amberg progressiv".

Die Teilnehmer des Amberger Kunstsymposiums sitzen auf der Couch, die Teil des Kunstwerks „Soziale Plastik“ ist.
von Wolfgang RuppertProfil

(pwpt) Was bedeutet eigentlich progressiv? Der Duden erklärt den Begriff mit "fortschrittlich" oder mit "sich in einem bestimmten Verhältnis allmählich steigernd, entwickelnd." Wahrscheinlich wird man aber dafür niemals eine völlig einheitliche Bedeutung finden. Trotzdem lohnt es sich, sich mit der Thematik auseinander zu setzen. Das haben die 20 Künstler des Amberger Künstlersymposiums bewiesen. Die Idee ist aber nicht gänzlich vom Himmel gefallen.

Progressives Heute

Schon 1968 fand in Amberg eine Aktionswoche statt, die den Titel "Amberg progressiv" trug. In dem Eröffnungstext von damals heißt es: "Was wir erwarten, ist ein kritisches Bewusstsein, ist [...] sich vom passiven Konsumenten loszusagen. [...] Wir sollten fragen und in Frage stellen." An diese Konzeption von damals wollen die Künstler heute ganz bewusst anknüpfen.
"Das Ziel der Künstler damals war es, Denkschemata aufzuweichen", erzählt Michaela Peter. Gegenstand der Kritik sei es gewesen, das "materielle Konsumverhalten" zu hinterfragen, ergänzt Hanna-Regina Uber. "Heute existiert der Begriff so nicht mehr", fügt sie hinzu. Damals sei Kunst sehr politisch gewesen und habe immer wieder mit Tabubrüchen zu provozieren versucht. "Das geht heute nicht mehr, Kunst kann das nicht mehr", behauptet Uber.
Die Künstler haben es sich zum Ziel gesetzt, das Wort "progressiv" aufzubrechen und in mannigfaltige Erscheinungsformen aufzugliedern, die ebenfalls mit der Wortendung "siv" aufhören. Winni Wonder, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Winfried Rudrof heißt, hat in Bezug auf die Thematik des diesjährigen Künstlersymposiums das Gedicht "Ballad of Siv" geschrieben, in das er die Themen der Künstler einarbeitet.
Dem, der den Raum für das Zusammenkommen bereitgestellt hat, sind die Künstler allesamt dankbar. Helmut Zinkl ist einer ihrer Sponsoren und lässt es sich nicht nehmen, immer wieder einmal selbst mit seinen Enkeln im ehemaligen Autohaus vorbeizukommen und den Künstlern über die Schulter zu blicken.

Definitiv kreativ, im leeren Zinkl-Gebäude, Vermischung der Künstler-Träume, im höchsten Maße intensiv.

Winfried Rudrof, besser bekannt als Winni Wonder

Raum Platz geben

"In dem Gebäude können wir uns sowohl gedanklich als auch physisch ausbreiten, das ist eine Art von Freiheit", sagt Michaela Peter. Die Künstler seien eine Symbiose mit dem Raum eingegangen. "Ich hatte musikalisch einfach gar keine Vorgabe", fügt Michael Dandorfer hinzu. Alle Künstler sind sich einig, dass es eine gewisse Form von Freiheit sei, "sich von dem Raum mitreißen zu lassen."
So schwer der Begriff "progressiv" heute sein mag, so wenig überholt ist er nichtsdestotrotz. Damals war es die Politik, in der die Künstler ihr Hauptanliegen sahen. Heue ist es die Wirtschaft. Allen Teilnehmern sei es ein Bedürfnis gewesen, sich aus dem ökonomischen Alltag herauszunehmen, meint Hanna-Regina Uber.

Info:

Abschluss des Symposiums

Nach einer Woche des gemeinsamen Schaffens wollen die Künstler ihre Arbeit am Samstag, 2.Juni, präsentieren. Im alten Zinkl-Gebäude wird eine große Vernissage stattfinden. Laut den Veranstaltern handelt es sich um eine "Kunstparty", bei der ein DJ auflegen wird sowie die Film- und Musikprojekte vorgestellt werden. Es wird auch Führungen durch die einzelnen Hallen der Künstler geben.(pwpt)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp