11.10.2018 - 08:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Protest gegen AfD: "Kunst bleibt frei"

Amberger Künstler verhüllen in einer Nacht- und Nebel-Aktion zehn Kunstwerke und verkünden dabei ein klares Statement: "Kunst bleibt frei." Der Grund dafür ist die AfD-Veranstaltung im ACC am Freitag.

Protestaktion gegen AfD-Versammlung: Amberger Künstler verhüllen in der Nacht zum Donnerstag zehn Kunstwerke in der Stadt.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

(san/roa) Die Leute tauchen aus der Dunkelheit auf, streifen sich schnell weiße T-Shirts über mit einer klaren Aussage: "Kunst bleibt frei", ist darauf zu lesen. Schnell die Folie geschnappt und dann kann's auch schon losgehen. Ach halt, die Leitern fehlen noch. Künstlerin Hanna Uber Diem aus Aschach eilt zum VW-Bus und holt sie. Währenddessen breiten andere Kulturschaffende eine weiße Malerfolie aus, kleben zwei Stück aneinander, heben sie vorsichtig hoch und stülpen sie der Bürgerkugel auf dem Multifunktionsplatz über.

Einige Passanten bleiben stehen und schauen ganz verdutzt, was hier gerade geschieht.

Angesichts der Tatsache, dass am Freitagabend die Afd mit ihrem Bundesvorstands-Mitglied Alice Weidel zum Wahlkampf-Abschluss ins ACC kommt und ein breites Aktionsbündnis dagegen mit einer Demo protestiert, setzen auch die Künstler ein sichtbares Zeichen - indem sie Kunst unsichtbar machen. Naja, nicht für immer, sondern nur bis Samstagfrüh. Dann nämlich werden die Kunstwerke wieder enthüllt.

Es ist Mittwochabend, kurz vor 21 Uhr: In nicht einmal einer halben Stunde haben die Kunstschaffendes ihr erstes Werk vollendet: Die Bürgerkugel ist komplett unter der Malerfolie verschwunden. Und schon geht's weiter zum nächsten. Das wird schon etwas kniffliger: Miro und Poldi sind um einiges höher und die Folie über die Schnurrhaare zu hieven, ist durchaus als Herausforderung zu verbuchen. Die Künstler haben sich einiges bei dieser Nacht- und Nebelaktion vorgenommen: Insgesamt zehn Kunstwerke wollen sie verhüllen. Neben der Bürgerkugel noch Miro und Poldi, die leuchtenden Stäbe vor dem ACC, den Brunnen vor dem Kufü, die Würfel auf dem OTH-Campus, die beiden Skulpturen zwischen der Hochschule und der Grammerzentrale, den Schweinchenbrunnen, den Nepomuk auf der Kurfürstenbrücke und schließlich noch Friedrich vor dem Luftmuseum. Jedes unsichtbar gewordene Kunstwerk bekommt ein Schild. "Kein Mensch ist illegal" ist beispielsweise an der Bürgerskulptur auf dem Multifunktionsplatz zu lesen. Und Miro und Poldi verteidigen die Freiheit der Kunst. Es sind auch einige Punkte aus dem Wahlprogramm der AfD, gegen die sich die Künstler auf diese Art und Weise wehren. Und natürlich machen sie auch aufmerksam auf die große Demo am frühen Freitagabend.

Am Donnerstagvormittag eröffnet Anne Kuchler eine Ausstellung im ACC. Sie widmet sich dem Thema "25 Jahre Arbeitskreis Flüchtlingshilfe". Wenn sich die AfD am Freitag dort versammelt, können Weidel und Co. auch Karikaturen zu Afrika und Europa besichtigen. Die Aufsteller von Missio stehen im ersten Stock und vereinen sich unter dem Titel "Alle in einem Boot". Am Statement des Stadtrats kommt keiner vorbei. Die ersten beiden Sätze daraus hängen gut sichtbar im Foyer.

Info:

Marktplatz-Fest: „Wir sind Amberg“

Das Fest auf dem Marktplatz startet am Freitag, 12. Oktober, ab 14 Uhr mit einem Grußwort von Oberbürgermeister Michael Cerny. Auf der Bühne stehen anschließend folgende Bands: BBou (14.20 Uhr), The Grunge (15.20 Uhr), Jalapenos Percussion (16.10 Uhr), Voice Mas (16.45 Uhr), Supersonic (17.45 Uhr), Johnny Gold (18.45 Uhr), Special Gue$t (19.30 Uhr), The Funky Blues Rabbits (20.45 Uhr). Die Veranstaltung moderiert Lukas der Hegner.

Demo für Toleranz und Menschenrechte

Bürger, die sich an der Demonstration beteiligen wollen, sammeln sich am Freitag um 16.45 Uhr an der Ecke Georgenstraße/ Regierungsstraße. Um 17 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Er führt am Landratsamt vorbei über den Kurfürstenring zum Kongresszentrum. Vor dem ACC ist ab 17.30 Uhr eine Kundgebung geplant. Die Redebeiträge sind auf fünf Minuten pro Gruppe begrenzt. Am Mikrofon sind Tanja Dandorfer, Mit-Organisatorin der Demo, Vertreter des Evangelischen Bildungswerkes, des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe, von SPD, Linken, Grünen, Amberger Bunt und Amberger Künstler.

Die Stadt Amberg weist zudem in einer Pressemitteilung darauf hin, dass es am Freitag bei der Demonstration und Kundgebung zwischen 17 und 23 Uhr auf der Strecke von der Regierungsstraße, Schloßgraben, Kurfürstenring bis Am Anschuss zu Verkehrsbehinderungen kommt. Die rechte Spur des Kurfürstenrings zwischen Wingershofer Torplatz und Schießstätteweg ist in Richtung Kreisverkehr gesperrt. In diesem Bereich gilt in beiden Fahrtrichtungen zudem eine Tempobeschränkung auf 30 km/h. Die Straße Am Anschuss ist zwischen Kurfürstenring und Ernst-Michel-Platz für den gesamten Verkehr gesperrt. Die Zufahrt zur Bäckerei ist frei.

AfD im ACC

Mit Alice Weidel, Mitglied des Bundesvorstands, bestreitet die AfD am Freitag, 12. Oktober, ihren Wahlkampfabschluss im Amberger Kongresszentrum. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr. (roa)

Die Ausstellung im ACC zeigt Karikaturen zu Afrika und Europa sowie gibt einen Einblick in die Historie von 25 Jahre Arbeitskreis Flüchtlingshilfe. Von links: Bürgermeisterin Brigitte Netta, Arbeitskreis-Leiterin Anne Kuchler, OB Michael Cerny, Caritas-Geschäftsführer Günter Koller.

Kommentar:

Keine Ausnahme für AfD

Bedienen wir uns zunächst einiger Feststellungen der Bundeszentrale für politische Bildung: „Wahlkampf ist verdichtete politische Kommunikation: Eigentlich besteht vor der Wahl für die konkurrierenden Parteien die Gelegenheit, die Lage zu analysieren und ihre Pläne für die Zukunft zu präsentieren. In der Realität sehen sich die Wahlberechtigten immer professionelleren Werbekampagnen ausgesetzt, die konkrete Inhalte vermeiden und oft Probleme verschleiern.“
So weit, so gut, so oft richtig. Unserem Haus ging es auch in diesem Wahlkampf um die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit. Da gehört es dazu, dass wir in der Zeitung und im Onetz auch über Auffassungen berichten, die wir selbst nicht teilen. Veröffentlicht wird, was die Redaktion als wichtig einstuft. Willkür? Nein. Seit Jahrzehnten basiert unsere Wahl-Berichterstattung auf Regeln. In diesen Leitlinien, die für alle Parteien und Kandidaten gelten, findet sich auch folgender Satz: „Der Samstag vor dem Wahltag ist von Wahlkampf-Berichterstattung freizuhalten.“
Aus gutem Grund: Dem politischen Gegner wäre es ja nicht mehr möglich, auf veröffentlichte Aussagen entsprechend zu reagieren. Unser Regelwerk findet damit auch bei der AfD und für den Auftritt von Alice Weidel im ACC Anwendung. Also gibt es von dieser Veranstaltung ebenfalls keine inhaltliche Berichterstattung.

Jürgen Kandziora

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