13.11.2018 - 15:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Regensburger Loks ziehen um nach Amberg

Ganz sachte schwebt die kleine blaue Lok auf das Gleis nieder. Es ist Millimeterarbeit, doch für die Männer in den beiden Kranwagen Routine. Wenige Minuten später tuckert die Gmeinder 5371 fröhlich pfeifend am alten Lokschuppen vorbei.

Ein Bild, das man auch nicht alle Tage so sieht. Statt auf den Schienen daneben reist die blaue Gmeinder-Lok bequem per Tieflader von Regensburg nach Amberg, wo sie ihre neue Heimat hat.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Es sind 14 Lokomotiven und Waggons, die am Dienstag und Mittwoch die Reise von Regensburg nach Amberg antreten - auf der Straße übrigens. Die Fahrzeuge sind im Eigentum der Regensburger Eisenbahnfreunde RSWE und ziehen um nach Amberg zum Verein Amberger Kaolinbahn, der an der alten Drehscheibe seine Heimat gefunden hat. Grund dafür ist der Verlust des bisherigen RSWE-Geländes in Regensburg, der zu diesem drastischen Schritt zwingt. "Aber wir verstehen uns mit den Amberger Freunden prächtig, da war das nur folgerichtig", sagt Bernd Heinrich, bei den Regensburger Eisenbahnern für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich.

Gemeinder-Lok unterwegs

Frühmorgens hat sich der erste Tieflader in Regensburg in Bewegung gesetzt, die Gmeinder-Lok auf dem Hänger und Bernd Heinrich auf dem Beifahrersitz. "Mein Wecker hat heute um 5.30 Uhr geklingelt", sagt er und macht nicht den Eindruck, dass ihm das Aufstehen an diesem Tag schwer gefallen ist. Die obligatorischen Verkehrsmeldungen über Behinderungen durch Schwertransporte haben eine gewisse Öffentlichkeit geschaffen.

Daher befindet sich am Vereinsgelände der AKB in Amberg eine größere Anzahl an Kameras, Fotoapparaten und -handys im Einsatz, als der Transport den engen Kreisverkehr am Krankenhaus überwunden hat und auf das ehemalige Bahngelände einbiegt. Grünes Licht für die beiden Kranwagen, die für das Einheben der Fahrzeuge angemietet worden sind. "Zwei Kräne, damit die Loks und Waggons nicht verdrückt werden", klärt Bernd Heinrich das ungewöhnliche Vorgehen auf. Eine Kette kommt um die vorderen, die andere um die hinteren Puffer und schon schweben die knapp 14 Tonnen der Gmeinder-Lok über dem Boden. Ganz sanft schwenken sie die Kranwagen auf das Gleis. Nur noch kurz korrigiert, dann steht sie auch schon auf den Schienen.

Video: Wenn die Lok am Haken hängt

Mediale Schwerarbeit

Derweil hetzen Bernd Heinrich und Matthias Gruschwitz von einem Mikrofon zum nächsten, um Interviews zu geben. Während Heinrich sich wahnsinnig freut, dass die für die Industriegeschichte der Region so wichtige Regensburger Sammlung in Amberg eine neue Heimat findet, die passender nicht sein könnte, erklärt Matthias Gruschwitz, wie es mit dem Vereinsgelände weitergehen könnte. Das der Eigentümer, die Familie Stadler, den Eisenbahnfreunden über einen langfristigen Pachtvertrag überlassen hat.

Im Hintergrund steht die Beinaheruine des ehemaligen Lokschuppens, der einmal das vitale Herzstück eines Oberpfälzer Industriebahnmuseums werden könnte und soll. Erster Schritt wäre die Sanierung des maroden Dachs, damit der Zerfall erst einmal aufgehalten ist. Kostenpunkt allein dafür: rund 250 000 Euro. "Danach könnten wir so peu-a-peu daran gehen, das Gebäude zu sanieren und in ein Museum umzubauen", schaut Gruschwitz in die Zukunft. Die Spendenaktion ist angelaufen, pro gespendeten Euro gibt die Stadt Amberg vier als Zuschuss, so erklärt der Eisenbahnfreund.

In der Zwischenzeit ist die Gmeinder-Lok gestartet und setzt mit einem fröhlichen Pfeifen in Bewegung, das ein bisschen an die Lokomotive Emma aus Jim Knop erinnert. Den Transport hat sie offenbar gut überstanden, jetzt können die anderen Fahrzeuge kommen.

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Der Verein "Amberger Kaolinbahn" im Internet

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