09.02.2020 - 17:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Riskantes Spiel mit der künstlichen Intelligenz

"Fehler im System" als unterhaltsame Komödie im Amberger Stadttheater mit nachdenklichem Schluss

„Fehler im System“ begeisterte am Stadttheater Amberg als durchgeknallte, aber auch nachdenklich Komödie. In den Hauptrollen spielten (von rechts) Jürgen Tarrach, Tommaso Cacciapuoti und Jantje Billker.
von Helmut FischerProfil

Der Titel "Fehler im System" hätte auch lauten können "Wie menschlich ist künstliche Intelligenz (bereits)?". Denn diese Komödie von Folke Braband zeigte im Stadttheater Amberg auf unterhaltsame, auch beängstigende Weise, wie sehr die vielgepriesene "KI" das menschliche Verhalten annehmen kann, wie nah die Roboter "selbst lernend" schon unseren individuellen, menschlichen Emotionen und Gefühlen sind.

Dies wird im Amberger Stadttheater in einer rasanten Bühnenshow dargeboten. Die attraktive Emma hat sich von ihrem Partner Oliver getrennt und ihn vor die Tür gesetzt. Doch plötzlich erscheint "Oliver 4.0", ein phantastisch programmierter Haushaltsroboter, der nicht nur genau so aussieht wie ihr "lebender" Oliver, sondern ungeahnte Fähigkeiten zeigt. Ihr Vater "Lea", der sich soeben einer Geschlechtsumwandlung unterzieht, trägt nicht nur zur allgemeinen Verwirrung bei, sondern wird selbst "versuchsweise" programmiert.

Programme gelöscht

Letztlich "lernt" Oliver 4.0 auch die Liebe kennen, und beschert Emma einen "zärtlichen, liebevollen Sex", wie sie ihm nach einer gemeinsamen Nacht bescheinigt. Doch am Schluss der Story verzichtet Oliver 4.0 auf seine "menschlichen" Programme. "Ich war stolz, menschliche Empfindungen zu haben, aber alle diese Gefühle sind programmiert", so sinniert er nach einem Anfall von Aggressivität "seiner" Emma und ihrem Vater Lea gegenüber und löscht zur riesigen Enttäuschung von Emma seine "menschlichen" Programme selbst.

Spannendes Spiel um die "Konkurrenz" menschlicher und künstlicher Intelligenz

Dieses Spiel um die "Konkurrenz" menschlicher und künstlicher Intelligenz wurde in spannender, turbulenter Weise auf die Bühne gebracht. Das Bühnenbild bestand aus einem überschaubar eingerichteten Zimmer, hatte aber im Hintergrund eine Leinwand, auf der die "Programmierschwingungen" des Oliver 4.0 in eindrucksvoller Weise sichtbar gemacht wurden, eine ebenso informative wie teilweise erschreckende Ergänzung.

Hintersinnige Dialoge

Aus den oft überraschenden Handlungs-Szenen mit teils absurden Situationen ergaben sich sprühende, auch hintersinnige Dialoge, die das Publikum oft zu spontaner Heiterkeit animierten. Die Akteure als Träger der Komödie schienen ihre Rollen nicht nur zu spielen, sondern zu leben.

Überzeugende Darsteller fesselten das Publikum und erhielten großen Beifall. Da war Jantje Bilker eine ebenso attraktive wie energische und wandlungsfähige Emma, die die Entwicklung von der abweisenden "Chefin" zur "menschlichen Partnerin" des Oliver 4.0 in allen Nuancen ebenso glaubhaft machte wie ihre komplizierte Beziehung zum "echten" Oliver.

Ihr Vater "Lea" wurde von Jürgen Tarrach in einfach großartiger Weise dargestellt. Er war in seiner "neu gewonnenen" Weiblichkeit unglaublich präsent, in Gesten wie auch in Sprache eine Idealbesetzung. Und seine intimen Auslassungen zur Emma, "ich weiß, das ist die traurige Wahrheit. Ich bin auf dem besten Wege mich zum ersten Mal wohl zu fühlen in meinem Körper" waren überzeugend und bewegend.

Geniale Klasse

Guido Hammesfahr ging in der Rolle des "Robotercatchers" Chris voll auf. Die mitunter hektische, gelegentlich auch ratlose Betriebsamkeit, die er ausleben musste, das war komisch und in der "Kraftanwendung" überraschend, auch wenn es manchmal etwas überzogen wirkte. Und Tommaso Cacciapuoti lief in der Doppelrolle der beiden Olivers zur Hochform auf.

Insbesondere sein "Oliver 4.0" mit der ständigen Bestätigung "Hallo, ich bin Oliver 4.0" , der "Zitierung" der Computersprache in einer fast irren Geschwindigkeit, der Darstellung erwachender "menschlicher Emotionen" und seinem Erschrecken über die Folgen seiner "Vermenschlichung" bis zur dann konsequenten Löschung der entsprechenden Programme - das war einfach brillante, geniale Klasse. So war "Fehler im System" sowohl eine mit euphorischem Schlussbeifall bedachte Komödie, als eben auch eine Schilderung der Risiken und Wirkungen künstlicher Intelligenz, die nachdenklich machte.

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