Eine Revolution der Musikszene und die daraus resultierende rebellische Jugend von 1955. Eltern und Autoritätspersonen reagieren geschockt auf die jungen Wilden, die eine ganze Generation ins haltlose, unmoralische, Sitten verderbende Leben zu katapultieren drohen. Jetzt ist es ein Lebensstil. Und der war im ehemaligen Autohaus Zinkl hautnah zu erleben.
160 Bierkästen gestapelt und aneinandergereiht bilden eine lange Bar. Auf der beleuchteten Bühne glänzen Gitarren und Schlagzeug. Schallplatten und handgeschriebene Plakate hängen an den Wänden. In der "Oi's Rock 'n' Roll - VIP Lounge" stehen Ledersofas, die tief sitzen lassen. Am Eingang bildet sich eine Schlange. Es entsteht der Eindruck einer heimlichen, von Erwachsenen verpönten, gar rechtswidrig organisierten Tanz-Party - auch weil die ehemalige Schauhalle des Autohauses als Veranstaltungsort das gewisse Etwas bietet.
Es drängeln sich die ersten Hosenträger-Träger mit Chucks und Elvis-Tolle - die Pomade glänzt - zur Bühne. Im Schlepptau Bettie-Bang, mit rundem, kurzen Pony, rotem Lippenstift und mandelförmigem Eyeliner. Wie bekleidete Pin-Ups - der Posterwelt entsprungen. Kaum spielt die Murphy's Gang die ersten Takte der "Schickeria", wird sich vor der Bühne schon im Viervierteltakt Platz gemacht. Kick, Setzen, Kick, Sprung, Drehung. Innerhalb weniger Minuten bewegt sich alles, was zwei Beine hat. Das Autohaus rockt bis tief in die Nacht hinein. Die Stimmung ist fast so gut, wie man sie aus alten Elvis-Konzerten kennt. Nur kreischende Minderjährige fehlen.
"Rock around the Clock" scheint auch die Devise der Organisatoren Andreas Prechtl, Michael Hartinger und Markus Niebler von der Sudhausquelle zu sein. Eine Ausstellung von Jukeboxen, von denen die Besucher eine auch bedienen konnten, zieht die andere Art von Nischen-Liebhabern in das ehemalige Autohaus. Bereits am Mittwochvormittag strömen Neugierige aus allen Richtungen zum Oldtimer-Treffen. Präsentiert werden Chevrolet in knallrot oder leichtem mintgrün, VW Käfer oder BMW Isetta und sogar ein Austin Healy 1964. Zwischen den Fahrzeug-Reihen wird erklärt, gefachsimpelt und fotografiert. Autokenner werfen sich anerkennende Blicke zu. Respekt und Bewunderung schweben zwischen den glänzenden Benzinern. Heute ist alles rausgeputzt.
Tosender Beifall lässt die Motoristen draußen und drinnen aufhorchen. Die Sunny Songdays stimmen den Tag ein mit "Build me up", gefolgt von "My girl". Sie hellen den verregneten Tag nicht nur gesanglich auf. Die Wolken verziehen sich und die Sonne strahlt durch die großen Fenster. Im ehemaligen Autohaus lässt sich "Oi's Rock 'n' Roll" wohl nicht wiederholen. Aber vielleicht finden Prechtl, Hartinger und Niebler im nächsten Jahr einen neuen Schauplatz - denn der Erfolg bestätigt die Nachfrage der Rockabillies.























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