Von Wolfgang Houschka
Da waren sie wieder. Kurz vor Weihnachten und mit dem Auftrag, Besonderes abzuliefern. Veranstalter Wolfgang Zapke stellte die Akteure vor: Dennis Jale aus Österreich, seine Band „Jam Gang“, Donna Rhodes, deren Ehemann Craig Morris und beider Kinder Savannah und Sam. Nach zweieinhalb Stunden stand vor ausverkauftem Haus fest: Für die Anhänger von Elvis und des Rock ’n’ Roll war dieser Abend wenige Tage vor Weihnachten eine Einstimmung vom Allerfeinsten.
Elvis Presley hatte in den 1950er-Jahren bereits zum Start seiner Karriere zwei Alben mit Weihnachtsliedern aufgenommen. Bekannte und teilweise auch eher nicht populäre Nummern daraus zogen sich durch das Programm. „Here Comes Santa Claus“, „Merry Christmas Baby“, „Silver Bells“: Mit der Morris Family im Hintergrund machte Dennis Jale diese Songs auf seine ganz eigene und hochprofessionelle Art. Dabei gilt für den Mann aus Austria: Er hat sich nie zum Glitzer-Kasper gemacht wie andere, die bis heute meinen, ein mit bunten Steinen besetzter weißer Anzug genüge, um das Elvis-Erbe auf die Bühne zu bringen. Dennis Jale hält sich auch völlig zurück, wenn es um die Körpersprache Presleys geht. Er hat seine ureigene Bühnenpräsenz und bringt sie so, dass der musikalische Funke vom ersten Lied an über die Rampe springt.
"Endless Harmony"
Dennis Jale und die Morris Family haben sich, um es salopp auszudrücken, gesucht und gefunden. Zwei Frauen, drei Männer, allesamt mit großartigen Stimmen ausgestattet und mit dem zu jeder Sekunde spürbar werdenden Bedürfnis agierend, für das Eintrittsgeld absolute Perfektion zu liefern. Kein Playback. Stattdessen fast schon – wie es seinerzeit die Beach Boys für sich in Anspruch nahmen – „Endless Harmony“. Allen voran die einst mit Elvis im Studio gestandene Donna Rhodes und ihr mit dem legendären Ray Charles durch die Konzerthallen der Welt gezogener Ehemann Craig Morris.
Die dargebotene Sammlung amerikanischer Pop-Weihnachtslieder kam daher wie ein Spaziergang mit Dean Martin durch das „Winter Wonderland“. Von Altmeister Chuck Berry wurde „Run, Run Rudolph“ furios in Szene gesetzt, „Drivin’ Home For Christmas“ von Chris Rea führte elegant über einen Highway in Richtung Nashville, von wo aus die Morris Family zu einem Meisterwerk von Eric Burdon startete: „River Deep, Mountain High“. Zugegeben, kein Weihnachtssong. Doch ein absoluter Höhepunkt für das gebannt dieser Darbietung lauschende Publikum.
Stehender Beifall
Es wurde noch besser. Zum Beispiel dann, als sich Craig Morris an die Orgel setzte und mit „Georgia On My Mind“ einen die Zeit überdauernden Hit von Ray Charles zum Besten gab. Die Version von Morris, der auch schon mit „Coal Miners Daughter“ Loretta Lynn zusammenarbeitete, ließ Atemlosigkeit zurück. Stehender Beifall und mit „If I Get Home On Christmas Day“ von Elvis der Beginn eines Finales, das man mitnahm hinaus in die Nebelnässe: „Stille Nacht“ in der Version des 65 Jahre vor diesem Abend am Amberger Maxplatz als Soldat gestandenen Elvis Presley. Das Publikum sang mit und war damit aktiv beteiligt am Ausklang eines wunderbaren Abends.
Dennis Jale und die Morris Family samt der einst auch mit den Bee Gees und Johnny Cash durch die Welt reisenden Donna Rhodes kommen wieder. Im Jahr 2026 im November werden sie im Musikomm ein Programm mit Gospel-Songs anbieten. Auch da dominiert Elvis. Nicht ohne Grund: Gospel-LPs waren die am meisten verkauften seiner Karriere.















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