10.06.2019 - 17:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Rosenkranz und brutale Gewalt: Prozess gegen Auerbacher wird heute fortgesetzt

Er hat einen Rosenkranz mit großem Kreuz um den Hals. Im Zuhörreraum sagt einer: "Wenn der wieder rauskommt, hat Auerbach Angst." Vorne am Richtertisch erhebt sich die Frage: Ist dieser 27-Jährige eine Gefahr für die Öffentlichkeit?

Ist ein 27-jähriger Auerbacher eine Gefahr für die Öffentlichkeit? Diese Frage klärt das Landgericht Amberg. Heute wird der Prozess fortgesetzt.
von Autor HWOProfil

An einem Wochenende im Juli vergangenen Jahres lief der Mann durch seine Heimatstadt Auerbach und drosch zu. Zwei Männer und eine Frau erlitten dabei teilweise erhebliche Verletzungen. Eines der Opfer wurde sogar zweimal innerhalb weniger Stunden traktiert. In der Notaufnahme des Krankenhauses herrschte Hochbetrieb.

Erster Prozess abgebrochen

Das Verfahren gegen den 27-Jährigen hatte im März vor dem Amberger Schöffengericht begonnen. Dabei erzählte der Angeklagte umfangreich von seiner Spitzeltätigkeit für den Bundesverfassungsschutz, gab sich als eingeschleuster Informant beim Rockerclub Hells Angels aus und beschrieb seine Rolle als Enthüllungsjournalist. Das paarte sich mit der Erkenntnis, dass dieser Auerbacher schon öfter als Straftäter auffiel. Der Vorsitzende brach den Prozess ab und verwies das Verfahren zum Landgericht. Weil vom Gesetz her nur dort eine dauerhafte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie angeordnet werden kann.

Jetzt, vor der Ersten Strafkammer, war plötzlich keine Rede mehr von Agententätigkeiten und Rockern. "Dazu will ich jetzt nichts mehr sagen", hörte Richterin Roswitha Stöber. Dem Beschuldigten gegenüber saß eine psychiatrische Sachverständige und hörte aufmerksam zu. Allerdings machte der 27-Jährige zwei Stunden lang Angaben zu dem, was ihm Staatsanwältin Julia Weigl in der Anklageschrift vorgehalten hatte. Man vernahm, dass das alles an sich nicht so schlimm gewesen sei und einfach nur deshalb geschah, um Leute aus Auerbach zur Rede zu stellen. Als dann die Opfer zu Wort kamen, blätterte der mutmaßliche Täter gelangweilt im Strafgesetzbuch und erheiterte sich bisweilen.

Großalarm bei der Polizei

Fakt ist: An einem Juliwochenende 2018 herrschte Großalarm bei der Auerbacher Polizei. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, hatte der 27-Jährige bei einem Bekannten als Obdachloser Unterschlupf gefunden. Dann warf ihn der Kumpel aus seiner Wohnung. Mit der Folge, dass er innerhalb weniger Stunden zweimal Besuch vom Angeklagten erhielt. Erst setzte es Ohrfeigen. Später wurde die Wohnungstüre eingetreten und der Malträtierte bekam Tritte ab.

Die Polizei fahndete bereits nach dem Schläger, als er am Nachmittag des 20. Juli erneut auftauchte. Diesmal am Haus seiner Ex-Freundin, die eben von der Arbeit heimkehrte. Sie hatte ihm ebenfalls zuvor Obdach gewährt und war beim Hinauswurf ihres Partners bereits körperlich angegangen worden. Was dann vor dem Haus geschah, war übel: Der Täter zog sich nach Angaben der 26-Jährigen speziell zum Zuschlagen geeignete Quarzhandschuhe über und drosch zu. Die Wehrlose ging zu Boden und bekam heftige Tritte an den Oberkörper. Danach türmte der 27-Jährige. Jetzt sagte er: "Ich wollte nur reden."

Die Orgie der Gewalt ging weiter. Nur wenig später erschien der Gelegenheitsarbeiter bei einem Auerbacher Polizisten, der gegen ihn ermittelt hatte. Der 60-Jährige, unterdessen pensioniert, wurde unversehens angegriffen und mit Hieben gepeinigt. Seine Kollegen auf der Wache lösten danach eine groß angelegte Suche aus und nahmen den 27-Jährigen fest. Auch das, was sich dann auf dem Revier zutrug, gehört jetzt zu den Anklagepunkten. "Von Null auf Hundert", beschrieb es einer der Beamten. Jäher Zorn, als man den Mann in die Arrestzelle brachte, und ihm ein am Hals getragenes Amulett, abnehmen wollte. "Er hat es in den Mund gesteckt", erfuhr die Richterin. Daraufhin wurde Gewalt eingesetzt, um den 27-Jährigen am Verschlucken des Schmuckstücks ("Ich wollte es aus Glaubensgründen nicht ablegen") zu hindern.

Eine Gefahr für andere?

Später ermittelte eine Sonderkommission der Kripo. Deren Beamte brachten den Mann in U-Haft. Jetzt muss vor dem Landgericht geklärt werden, ob jemand, der unberechenbar ist, als Gefahr für die Öffentlichkeit gilt. Würde dies bejaht, müsste er dauerhaft in die Forensik. Fest steht dabei: Der intelligent formulierende Beschuldigte hält sich selbst für völlig normal. Er sagte mit Blick auf den misshandelten Polizisten: "Das war halt eine Botschaft an ihn." Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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