18.07.2018 - 16:47 Uhr
AmbergOberpfalz

„Satt und sauber“ reicht nicht in der Altenpflege

Ein verpflichtendes Soziales Jahr, die Errichtung von dezentral sozialpsychiatrischen Stationen in Altenheimen und ein staatliches Investitionsprogramm für Senioreneinrichtungen. Das sind die Kernforderungen, die Wolfgang Hiemer erhob.

Das Bild zeigt Caritas-Heimleiter Wolfgang Hiemer (Sechster von links) und Pflegedienstleiterin Mirjam Pauser (Vierte von links) im Kreis der Mitglieder des ÖDP-Kreisvorstandes Amberg-Sulzbach.
von Externer BeitragProfil

(exb) Hiemer ist Leiter des Caritas-Altenheims an der Friedlandstraße und kandidiert in Niederbayern als Vertreter der ÖDP für den Bezirkstag. Bei einem Gespräch mit dem ÖDP-Kreisverband warnte er davor, dass in den nächsten acht Jahren immer mehr bestehende Altenheime schließen müssten. Sie würden den modernen Anforderungen, wie zum Beispiel an die Zimmergröße und die Ausstattung des Sanitärbereichs, nicht mehr genügen. Gemeinnützige Träger könnten beim Betrieb von Altenheimen derzeit zwar ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften, aber nicht auch noch Rücklagen für Generalsanierungen oder Neubauten bilden.

In einer Zeit des demografischen Wandels, und dadurch erhöhtem Bedarf an Senioreneinrichtungen, müsse der Freistaat hier in die Bresche springen. Privatisierung sei keine Lösung, wenn ein Heimplatz für die Bewohner einigermaßen bezahlbar bleiben solle. Schon heute könnten nur 40 Prozent der Bewohner die Kosten für eine Heimunterbringung selbst voll tragen, der Rest erhalte staatliche Zusatzleistungen. Auch ist es laut Hiemer erforderlich, dass die von der Regierung der Oberpfalz festgestellten Investitionskosten vom Bezirk Oberpfalz in vollem Umfang anerkannt werden. Nur dann sind Träger von Einrichtungen langfristig bereit, in Neu- und Umbauten zu investieren. Hiemer warb auch für das Berufsbild des Altenpflegers. Die Bezahlung habe sich verbessert, das Schulgeld müssen die Auszubildenden nicht mehr selbst tragen.

Cornelia Schmid vom Verein pflegender Angehöriger fragte, warum es so schwierig sei, langfristig einen Kurzzeitpflegeplatz zu reservieren, so dass auch pflegende Angehörige einen Urlaub buchen könnten. Mirjam Pauser, Pflegedienstleiterin im Caritas-Altenheim, antwortete, dass der Bedarf an Pflegekräften verschiedener Qualifikationsstufen stark variiere. Daher sei die Reservierung schwierig.

ÖDP-Vorstandsmitglied Günter Neumann hat selbst Angehörige in einem Seniorenheim und fragte deshalb kritisch nach, ob nicht der Personalschlüssel in den Heimen generell zu knapp bemessen sei. Das wollte Mirjam Pauser so nicht bestätigen. Das Problem sei aber, dass es keine Personalreserven gebe, wenn mehrere Mitarbeiter durch Krankheit ausfielen. Wolfgang Hiemer forderte deshalb vier zusätzliche Pflegekräfte auf 100 Heimbewohner. Eine solche Verbesserung des Schlüssels würde die Personalsituation deutlich entspannen. Das Motto "satt und sauber" genüge in der Altenpflege auf keinen Fall. Entscheidend sei eine Betreuungssituation, die dem Pflegepersonal eine echte Hinwendung zu den Bewohnern und menschliche Anteilnahme ermögliche.

Im Zentrum der Überlegungen als Gesellschaft müsse laut Günter Neumann ein Paradigmenwechsel stehen. Nicht das Budget dürfe diktieren, wie menschenwürdig die Pflege gestaltet werde, sondern die Bedürfnisse der zu pflegenden Menschen müssten der Maßstab sein, "wenn wir eine menschenwürdige Gesellschaft sein wollen".



Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.