14.04.2019 - 14:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Saufgelage in Amberg: Zum Schluss doch Bewährung

Sie saufen eine Nacht lang durch. Kurz nach Tagesanbruch lümmeln sich drei junge Männer auf dem Parkplatz eines Supermarkts und versuchen, Zigaretten zu schnorren. Daraus entwickelt sich eine wüste Auseinandersetzung. Mit Nachspiel.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

14. Juli 2017, kurz nach 7 Uhr morgens auf dem Parkgelände eines Supermarkts an der Regensburger Straße. Drei Männer treiben sich dort herum - betrunken, aggressiv und darauf aus, von Kunden einer Bäckerei, die in dem Gebäudekomplex eine Filiale betreibt und schon geöffnet hat, Zigaretten zu bekommen. Die des Weges kommenden Leute werden angemacht. Ein 62-Jähriger will sich das nicht bieten lassen, lehnt Schnorrereien strikt ab, sieht sich Angriffslustigen gegenüber und holt aus dem Kofferraum seines Wagens eine nach seinen Angaben zum Entasten von Bäumen mitgeführte Buschmachete. Sie wird ihm entrissen, der Mann bekommt Schläge.

Fliegende Stühle

Der Tumult geht weiter. Ein Stuhl vom nahen Straßencafé fliegt, es hagelt Hiebe und Beleidigungen. Auch gegen andere. Dann treffen zwei Funkstreifenbesatzungen der Polizei ein. Einer der Täter leistet laut Angaben der Beamten massiven Widerstand, muss unter Zwang zur Wache gebracht werden und beruhigt sich auch dort erst nach längerer Zeit. Das Intermezzo hatte im Juli vergangenen Jahres ein juristisches Nachspiel. Zwei Tage lang verhandelte eine Amtsrichterin gegen zwei der Raufbolde. Einer bekam Bewährung, der andere, weil Hauptaggressor, wurde für 18 Monate hinter Gitter geschickt. Der Vorsitzenden Richterin hatte er damals gesagt, dass er erst dann außer sich geriet, als man ihn einen "Scheiß Ausländer" nannte.

Der 23-Jährige ließ über seinen Anwalt Jörg Jendricke Berufung einlegen. So wurde nun der "unliebsame Zwischenfall" (Zitat Jendricke) vor der 3. Strafkammer des Landgerichts erneut aufgerollt. Allerdings nicht mehr in allen Einzelheiten. Primär ging es um die Strafaussetzung zur Bewährung. Was den Vorsitzenden Richter Peter Hollweck dabei stark interessierte, war die Frage: "Ist der Mann ein Alkoholiker und konsumiert er Drogen?" Beides verneinte der 23-Jährige, der geltend machte, dass er einen festen Arbeitsplatz hat und bei einem Haftaufenthalt um seine Existenz bangen müsse.

Regelmäßige Kontrollen

Die auf dem Parkplatz vornehmlich durch ihn angezettelte Schlägerei endete für den 23-Jährigen mit einem Aufatmen. Die in erster Instanz verhängte Haftstrafe von eineinhalb Jahren wurde zur Bewährung ausgesetzt. Mit Auflagen: Da ihm die Richter seine mehrfach beteuerte Abstinenz von Alkohol und Rauschgift nicht glaubten, wurden regelmäßige Urinkontrollen angeordnet. Zudem wurde ein Bewährungshelfer bestellt. Staatsanwältin Manula Zeller stimmte zu. Das Urteil ist rechtskräftig.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.