18.01.2019 - 12:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Von der Schnee-Katastrophe in den Ski-Urlaub

Am Freitag sind sie alle wieder zurückgekehrt - die Helden der Schneeschaufel und Absturzsicherung. Zeit, mit Kreisbrandrat Fredi Weiß und den Kreisbrandinspektoren Hans Sperber und Hubert Blödt eine Bilanz zu ziehen.

Abschiedsfoto am Königsee: Auch die Feuerwehr Haselmühl ist nach Hause zurückgekehrt.
von Uli Piehler Kontakt Profil

 

ONETZ: Die Anfrage kam vergangenes Wochenende quasi über Nacht. War es schwer, Freiwillige zu finden?

Fredi Weiß: Die Hilfeanforderung des Landkreises Berchtesgadener Land erreichte uns über die Regierung der Oberpfalz am vergangenen Samstag kurz vor 20 Uhr. Bereits eineinhalb Stunden später trafen sich der Sachbearbeiter-Katastrophenschutz, Rainer Schmid, mit den Führungskräften der Kreisbrandinspektion Amberg-Sulzbach im Landratsamt. Noch am gleichen Abend wurden die Kommandanten der betreffenden Feuerwehren informiert und Sonntag früh um 10 Uhr rückte bereits das Vorauskommando in Richtung Süden ab. Drei Stunden später verabschiedete Landrat Richard Reisinger unser Kontingent mit dem Reisesegen des Notfallseelsorgers Peter Bublitz in den Raum Berchtesgaden. Das zeugt von einer hohen Bereitschaft - kurzfristig und freiwillig ehrenamtlich zu helfen.

ONETZ: Solche Einsätze müssen doch mit dem Arbeitgeber abgeklärt werden. Wie haben die Firmenchefs reagiert?

Fredi Weiß: Hier müssen wir uns einmal wirklich bei den Arbeitgebern für das große Entgegenkommen und das Verständnis bedanken. Aber nicht nur für die vergangene Woche. Annähernd 2000 Einsätze jedes Jahr, davon ein hoher Anteil während des Tages - ohne die Freistellung unserer Einsatzkräfte durch ihren jeweiligen Arbeitgeber wäre die Tagesalarmsicherheit massiv gefährdet.

 

ONETZ: Gab es Fälle, bei denen die Firma oder auch die Familie ihr Veto eingelegt haben?

Fredi Weiß: Also uns wurde kein Fall bekannt, bei dem der Firmenchef sein Veto eingelegt hätte. Ohne der Unterstützung und des Verständnisses unserer Familien wäre dieser ehrenamtliche Feuerwehrdienst sowieso nicht darstellbar.

 

 

 

ONETZ: Das Nachtquartier in der Turnhalle in Bayerisch Gmain sah ja recht spartanisch aus. Wie schlief es sich dort? Wie waren die Nächte?

Hans Sperber: Natürlich waren unsere 110 Einsatzkräfte sehr beengt untergebracht. Klar ist es hier nachts lauter als im eigenen Schlafzimmer und das Duschen muss organisiert werden, aber es war ja nur ein Provisorium für einige Tage. Trotzdem gab es untereinander keine Schwierigkeiten, im Gegenteil – gelebte Kameradschaft und die eine oder andere neue Freundschaft entstand. Die Unterstützung der Pfarrgemeinde Bayerisch Gmain, wo wir schliefen, war echt klasse, ob Frühstück, Abendessen oder beim Lösen von Problemstellungen.

 

 

 

ONETZ: War auch Platz für Geselligkeit? Wann habt ihr immer Feierabend gemacht?

Hubert Blödt: Unser Einsatz ging jeden Tag von 7.30 bis 17 Uhr. Trotz oftmals widriger Umstände, am Montag zum Beispiel hat es den ganzen Tag geregnet und geschneit, waren Disziplin und Stimmung sehr gut. Abends wurde der nächste Tag besprochen oder sich gegenseitig das Erlebte erzählt. Viele nutzten auch die Möglichkeit eines kostenlosen Besuches in der Watzmann-Therme in Berchtesgaden oder der Rupertus- Therme in Bad Reichenhall.

 

 

ONETZ: Im Internet gab es auch Äußerungen von Leuten, die den gesamten Einsatz für überzogen hielten. Was sagen sie denen?

Fredi Weiß: Ich kann solche Einschätzungen überhaupt nicht nachvollziehen. Tausende von Helfer fahren hier doch nicht zu ihrer Freizeitgestaltung nach Oberbayern. Alle Objekte, die von ihrer gefährlichen Schneelast befreit wurden, sind vorher von einem Statiker begutachtet und in vier Gruppen priorisiert worden. Einige Gebäude wurden daraufhin sofort geräumt und die Familien konnten hier Zuhause nicht mehr betreten. Allein das zeigt den Ernst der Situation – da helfen uns laienhafte Ferndiagnosen wirklich nicht weiter.

 

 

 

ONETZ: Gab es schon mal einen ähnlich großen Einsatz für die Feuerwehren im Landkreis Amberg-Sulzbach?

Fredi Weiß: In den vergangenen Jahren waren wir bereits zweimal im Katastrophenschutzeinsatz. Im Jahre 2002 bei der Flutkatastrophe an der Elbe bei Dessau und 2006 für einen Tag im Bayerischen Wald bei der Schneekatastrophe im Bereich Drachselsried. Aber diese beiden Einsätze sind mit unserer Hilfe in Schönau am Königssee und Bischofswiesen überhaupt nicht zu vergleichen.

 

 

 

ONETZ: Freuen Sie sich noch aufs Skifahren oder haben Sie für heuer genug Schnee gesehen?

Hubert Blödt: Es gab zwar im Berchtesgadener Land Schnee im Überfluss, aber das heißt nicht, dass wir keinen Schnee mehr sehen können. Viele von uns meinten, dass ein Teil davon zu Hause nicht schlecht wäre und einige brechen bereits am Samstag zu ihrem geplanten Skiurlaub auf.

 

 

 

Bei Kreisbrandrat Fredi Weiß liefen die Fäden des Einsatzes zusammen.

 

 

 

Bericht mit Video aus dem Einsatzgebiet in Schönau am Königsee

Amberg

 

 

 

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