14.10.2018 - 20:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Schockstarre bei der SPD

Als der Beamer im Gewerkschaftshaus um 18 Uhr die Wahlprognose an die Wand wirft, bleibt den Genossen die Luft weg. "Uiala" bringt SPD-Urgestein Richard Gaßner die Stimmung auf den Punkt.

Für Uwe Bergmann wird es knapp. Das schlechte SPD-Ergebnis könnte seine Pläne für einen Einzug in den Landtag verhindern.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Gaßner ringt um Worte. "Ich bin schockiert", sagt der Bezirksrat und ehemalige Bürgermeister von Kümmersbruck, als seiner Partei ein Ergebnis von nur noch etwa zehn Prozent vorhergesagt wird. "Das ist wirklich unter ferner liefen." Gaßner liefert auch gleich nach, was diese Zahlen bedeuten: "Das heißt, wir haben in der Oberpfalz nur noch zwei Mandate. Und es wird sehr, sehr eng für Uwe Bergmann."

Bergmann verfolgt den Ausgang der Wahl zunächst in Sulzbach-Rosenberg, erst gegen 20.30 Uhr trifft er in Amberg ein. Zu diesem Zeitpunkt liegen längst einzelne Ergebnisse aus den Landkreisgemeinden vor. Hohenburg beispielsweise meldet 13,8 Prozent für die Weidenerin Claudia Marino von der AfD und nicht einmal 7 Prozent für ihn, den SPD-Kreisvorsitzenden aus Schnaittenbach. "Das ist so eine Sache, die ich nicht verstehe. Eine Partei, die nicht für die kleinen Leute eintritt und eine Kandidatin, die keiner kennt, und die überhaupt nicht in Erscheinung getreten ist, mit fast 14 Prozent auszustatten - das kann ich einfach nicht nachvollziehen", resümiert er. "Schock" - das ist das Wort des Abends bei der SPD. Auch die Amberger Bürgermeisterin Brigitte Netta verwendet es. "Wenn ich an die Stimmung bei der Demo am Freitag denke, kann ich das Ergebnis nicht verstehen." Natürlich wird analysiert, nach Gründen für den desaströsen Absturz gesucht. Der Spitzenkandidatin Natascha Kohnen will keiner einen Vorwurf machen. Eher sehen die Genossen die Ursachen in Berlin. Dort seien in den vergangenen Wochen und Monaten eklatante handwerkliche Fehler gemacht worden. "Ich sage nur Maaßen", wirft Gaßner ein. "Den Diesel-Skandal oder die Renten-Diskussion." Gaßner hält die Zeit für gekommen, über das Ende der Großen Koalition nachzudenken. "Es gibt da eine Ausstiegsklausel und über diese müssen wir jetzt intensiv diskutieren." Der scheidende Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl aus Schnaittenbach tritt durch die Saaltür. Das Ende seiner Zeit als Abgeordneter habe er sich anders vorgestellt, bekennt er. "Die paar Kollegen, die jetzt noch für die SPD in den Landtag einziehen, sind nicht zu beneiden." Sie hätten viel größere Gebiete zu betreuen. "Das wird kein Zuckerschlecken."

Richard Gaßner (Zweiter von links) und Peter Danninger (rechts) verflogen die Wahlkampfberichterstattung im Amberger Gewerkschaftshaus.

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