(gfr) Knapp über 100 Tage ist Thomas Dickert nun Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg. Peu à peu besucht er die Bayerischen Amts- und Landgerichte. Zum Landgerichtsbezirk Amberg mit knapp 300 000 Einwohnern, erklärt Dickert, gehören die Amtsgerichtsbezirke Amberg und Schwandorf. 55 Mitarbeiter seien am Landgericht Amberg beschäftigt, davon 13 Richter, die vergangenes Jahr neben den laufenden Verfahren fast 900 neue erstinstanzliche Zivilverfahren abzuarbeiten hatten, außerdem 88 Berufungsverfahren und 200 Beschwerden.
Der Strafsektor erhöhte sich 2017 um 40 neue erstinstanzliche Strafverfahren sowie 136 Berufungsverfahren. Beim Amtsgericht Amberg seien über 100 Personen beschäftigt, darunter 13 Richter, die elfeinhalb Richterstellen besetzen. 2017 seien über 1200 Zivilklagen sowie über 850 Familiensachen eingegangen. Die Strafrichter hatten über 600 Strafverfahren gegen Erwachsene und fast 290 gegen Jugendliche und Heranwachsende zu bearbeiten. Die Freiwillige Gerichtsbarkeit verzeichnete 255 neue Verbraucher- und 141 Unternehmensinsolvenzen, außerdem 688 Betreuungsverfahren. Die Bediensteten des Amts- und Landgerichts seien überdurchschnittlich belastet, so der Oberlandesgerichtspräsident, aber sie würden mit viel Motivation hervorragende Arbeit leisten.
Dickert schwärmte regelrecht vom Landgerichtsgebäude. Im 16. Jahrhundert erbaut gelte es als eines der ältesten und schönsten Justizgebäude in Bayern. Durchgehend sei es als Gerichtsgebäude genutzt worden. Die letzte große Sanierung sei 2015 abgeschlossen worden und habe gut 30 Millionen Euro gekostet. Altehrwürdige Bausubstanz wurde erhalten, neue moderne Büros entstanden. Stolz könne das Landgericht Amberg auch sein, bereits zweimal den Wettbewerb "Innovative Justiz" gewonnen zu haben. Die Behörde habe Vorbildcharakter für ganz Bayern und nun sei Amberg auch noch Standort für die IT-Stelle des Oberlandesgerichts und zuständig für alle bayerischen Justizbehörden. Zum Amtsgericht meinte Dickert, dass das ehemalige Kloster in den letzten Jahren ebenfalls energetisch saniert, sicherheitstechnisch top aufgestellt sei und alle Räume seien barrierefrei.
Zusätzliche Planstellen seien in der bayerischen Justiz seit 2013 geschaffen worden, sagt Dickert, aber immer komplexer werdende Verfahren würden auch neue Wege, wie die digitale Verwaltungsakte oder in einigen Jahren auch die digitale Gerichtsakte erfordern. "Die Reise in die digitale Welt der Justiz schreitet zügig voran."
Zur Person
Thomas Dickert trat im August 1990 in den Staatsdienst ein, war im Justizministerium tätig, ab 1992 Staatsanwalt in Ingolstadt, dann Richter am Amtsgericht Pfaffenhofen. 1994 wurde er erneut in das Justizministerium berufen, war Mitarbeiter im Personalreferat, dann Richter im Zivilsenat des Oberlandesgerichts München und wechselte 1999 wieder in das Justizministerium. Ab 2006 war der 59-jährige Jurist Präsident des Landgerichts Ingolstadt, zwei Jahre später übernahm er die Abteilung Verbraucherschutz und Grundsatzfragen im Justizministerium, dann die Abteilung für Haushalt, Bau, Organisation, IT, Gebäudesicherheit, Kosten- und Kassenwesen sowie Geschäftsstatistik. Seit April ist Dickert Präsident des Oberlandesgerichts. (gfr)













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