23.03.2020 - 11:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Schulleiter zieht erste Bilanz: Warum der digitale Unterricht auch Vorteile hat

Die erste Woche ohne Unterricht ist geschafft: Grund genug für Karl Bösl, den Leiter des Erasmus-Gymnasiums, eine erste kleine Bilanz zu ziehen. Dabei geht er auch auf Mebis ein, das Internetportal des Kultusministeriums.

Schulleiter Karl Bösl ist zuversichtlich, was den digitalen Unterricht am Erasmus-Gymnasium betrifft
von Elisa RomfeldProfil

"Die Lehrer haben bereits eine ganze Woche vor der befürchteten Schulschließung ihre Mebis-Kenntnisse aufgefrischt. Jedem einzelnen Schüler wurde gezeigt, wie er mit der Plattform arbeiten kann", sagt der Schulleiter, der in dieser Ausnahmesituation Lehrer und Schüler gleichermaßen in der Lage sieht, den Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten. Das lässt Bösl optimistisch in die Zukunft blicken. Denn der Unterricht fällt bekanntlich mindestens noch zwei Wochen aus, bevor es dann in die Osterferien geht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die Plattform hatte zunächst Kapazitätsprobleme und wurde gehackt, laufe nun der digitale Unterricht: Lehrer können die Aufgaben online stellen, Videos verlinken oder selbst erstellen und Hausaufgaben termingebunden einfordern und oftmals auch korrigiert zurücksenden, was im Großteil der Fälle reibungslos funktioniere. Bei Schwierigkeiten mit der Internetplattform Mebis erhalten Schüler und Eltern die Informationen und Arbeitsanweisungen stattdessen per E-Mail.

Bernadette Spörer, die am Erasmus-Gymnasium Französisch und Englisch unterrichtet, kommt mit der aktuellen Situation klar: "Die Schüler lernen nun, sich selbst die Inhalte beizubringen, und der Lehrer wird zum Lernbegleiter, der dann durch Übungen den Stoff vertieft. Diese Methode ist in Dänemark und in den USA schon weit verbreitet. Sie ähnelt sehr dem Montessori-Prinzip ,Hilf mir es selbst zu tun'. Ich finde den didaktischen Ansatz super." Auch der intensive Austausch mit den Oberstufenschülern wirke sich positiv aus, sagt Lehrerin Nicole Druckseis (Geschichte, Sozialkunde, Deutsch): "Die Schüler bekommen ein persönliches Feedback von mir, wenn sie mir etwas zuschicken, und sind sichtlich dankbar dafür."

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Wenn Schüler jedoch "digital abtauchen", kann eine Lehrkraft auch mitunter das Gefühl bekommen, "in ein Schwarzes Loch" hinein zu unterrichten, wie es Christina Schleicher, Lehrerin für Griechisch und Latein, zum Teil beobachtet. Hier seien nun, vor allem in Unter- und Mittelstufe, die Eltern gefordert, eine geordnete Arbeitsstruktur mit festen Lernzeiten aufzubauen und auf deren Einhaltung zu achten. Die erteilten Arbeitsaufträge müssen kontrolliert und gegebenenfalls an die Lehrer zurückgeschickt werden. Ob die Schüler die vorgegebenen Aufgaben in angemessener Zeit erledigen können und wie das Arbeiten mit der Plattform klappt, werde gerade mit Hilfe einer Elternumfrage evaluiert.

Bilanz nach Woche eins: Positiv ist laut Karl Bösl anzumerken, dass die Digitalisierung an den Schulen einen Schub erhält. Selbst die älteren Lehrer setzten sich nun mit den digitalen Möglichkeiten auseinander, "was eine große Chance für modernes Unterrichten bietet". Auch das Zusammengehörigkeitsgefühl sei fühlbar: "Schulleitung, Lehrer, Eltern und Schüler ziehen mehr noch als zuvor an einem Strang, damit das Lernen nicht unterbrochen wird und man nach den schulfreien Wochen auch an sichtbare Lernerfolge anknüpfen kann."

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