Amberg
25.01.2022 - 14:53 Uhr
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Schulsanitätsdienst an den Dr.-Johanna-Decker-Schule seit Jahrzehnten beliebt

Wenn das Handy klingelt, verlässt Katja Huber den Schulunterricht. Als Schulsanitäterin darf - nein, muss - sie das sogar. Der Dienst ist bei den DJD-Schülerinnen in Amberg äußert beliebt.

Die 17-jährige Katja Huber übt für den Notfall. Bereits seit vier Jahren ist sie als Schulsanitäterin im Einsatz. Bild: Petra Hartl
Die 17-jährige Katja Huber übt für den Notfall. Bereits seit vier Jahren ist sie als Schulsanitäterin im Einsatz.

Katja Huber kann sich noch sehr gut an ihren ersten Tag als Schulsanitäterin erinnern. Es war ihr aufregendster und anstrengendster zugleich in den vier Jahren, seit die Schülerin diese Aufgabe inne hat. Gleich fünf Einsätze hatte die heute 17-Jährige, die damals in der achten Klasse war. Beim letzten musste sie sogar einen Krankenwagen rufen, weil eine Schülerin die Treppe hinuntergestürzt war.

Der Schulsanitätsdienst ist in den Dr.-Johanna-Decker-Schulen seit über 20 Jahren eine feste Instanz. Lehrer Thomas Renner (Ersthelfer-Ausbildung beim BRK bereits im Jahr 1995) war schon damals einer, der das Projekt vorantrieb – und das bis heute tut. Der 50-Jährige kann sich über eine enorme Nachfrage bei den Schülerinnen freuen. Jedes Jahr werden am Gymnasium und der Realschule rund 30 junge Mädchen als Schulsanitäterinnen ausgebildet. Möglich ist das über ein Wahlfach. Weil dieses Angebot im vergangenen Schuljahr ausgesetzt war, sind heuer etwa 60 neue Schulsanitäterinnen hinzugekommen, was zu einer ziemlich kuriosen Situation führt.

Für jeden Tag werden zwei ausgebildete Helferinnen in einen Dienstplan eingetragen. Weil der Andrang aber so dermaßen groß ist, können einige der Mädchen im aktuellen Zwei-Monats-Plan gar nicht berücksichtigt werden.

Immer in Bereitschaft

Die Popularität des Dienstes erklärt sich Renner damit, dass der Einsatz als Schulsanitäterin als großes Abenteuer von den Schülerinnen gesehen wird. Wer die Aufgabe an einem Tag übernimmt, bekommt eine Notfalltasche und ein Handy überreicht und ist auf Bereitschaft. Laut Renner gibt es täglich Fälle. Hier ist ein Pflaster notwendig, dort ein Eisbeutel. Dabei gelte für die Schulsanitäterinnen die Fünf-Minuten-Regel. Alles, was in dieser Zeit selbst geklärt werden kann, wird auch gleich erledigt. Etwa einen Traubenzucker an die nervöse Schülerin zu überreichen, die kurz vor der Schulaufgabe steht. Kommt es zu schlimmeren Unfällen, verdreht sich ein Mädchen etwa das Knie im Sportunterricht, so muss der Rettungsdienst gerufen werden. Was in diesem Schuljahr tatsächlich schon 15 Mal vorkam. Die Schulsanitäterinnen können dabei sogar Infusionen und Medikamente herrichten, wobei sie sie nicht verabreichen dürfen.

Und wenn die Helferinnen gerufen werden, dürfen sie den Unterricht verlassen – sogar bei unangekündigten Exen. Bei Katja Huber ist das auch schon einmal vorgekommen. In Bio. Sie wurde dann eben in der nächsten Stunde ausgefragt. Renner betont bei der ganzen Sache aber: "An den Tagen, an denen die Mädchen Schulaufgaben oder angekündigte Leistungsnachweise haben, tragen sie sich nicht in den Dienstplan ein."

Berufsorientierung dank Sanitätsdienst

Die Ausbildung ist in jedem Fall nachhaltig. Denn wenn Renner in seiner Freizeit als ehrenamtlicher Rettungssanitäter für das BRK oder die Feuerwehr unterwegs ist, ist es sehr gut möglich, dass er dabei auf eine seiner ehemaligen Schülerinnen trifft. Eine arbeitet etwa hauptamtlich bei der Rettungswache in Sulzbach-Rosenberg, eine andere ist als Bufdi (Bundesfreiwilligendienst) in der Rettungswache in Amberg.

Auch Katja Huber hat der Schulsanitätsdienst geprägt. Sie sagt zwar, dass sie immer wieder nervös sei, wenn sie zur Hilfe gerufen wird: "Es war so, wenn es geklingelt hat, dass man da immer so einen kleinen Schockmoment hat." Allerdings betont sie auch: "Mein Grundsatz ist, das ich Menschen helfen möchte." Deshalb macht die 17-Jährige nicht nur eine Ausbildung bei der Feuerwehr, die aktuell wegen Corona aber unterbrochen ist, sondern beginnt in diesem Jahr eine Ausbildung als MTRA (Medizinisch-technische Radiologieassistentin). Ohne den Schulsanitätsdienst wäre sie sicherlich noch in einer Findungsphase, was ihre berufliche Zukunft betreffe, betont die Schülerin.

Amberg05.03.2020
Die Schulsanitäterinnen der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (DJDS) haben eigene Hoodies. Bild: Petra Hartl
Die Schulsanitäterinnen der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (DJDS) haben eigene Hoodies.
Die Schülerinnen lernen unter anderem, wie ein Druckverband angelegt wird. Bild: Petra Hartl
Die Schülerinnen lernen unter anderem, wie ein Druckverband angelegt wird.
Info:

Der Schulsanitätsdienst in Amberg

  • Einen Schulsanitätsdienst gibt es etwa auch an folgenden Schulen in Amberg: Gregor-Mendel-Gymnasium, Erasmus-Gymnasium, Max-Reger-Gymnasium, Luitpold-Mittelschule.
  • An der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule ist der Schulsanitätsdienst gerade im Aufbau.
  • Die Dr.-Johanna-Decker-Schule sind aufgrund des langjährigen Engagements sehr gut ausgerüstet. Zum Inventar zählen etwa 20 Reanimationspuppen zum Üben, ein Defibrillator und 15 Einsatzjacken.
Dr.-Johanna-Decker-Schulen (DJDS)
Die Dr.-Johanna-Decker-Schulen (DJDS) Amberg
sind ziemlich gut ausgerüstet.

"An den Tagen, an denen die Mädchen Schulaufgaben oder angekündigte Leistungsnachweise haben, tragen sie sich nicht in den Dienstplan ein."

Lehrer Thomas Renner

Lehrer Thomas Renner

"Es war so, wenn es geklingelt hat, dass man da immer so einen kleinen Schockmoment hat."

Schülerin Katja Huber über ihren Schulsanitätsdienst

Schülerin Katja Huber über ihren Schulsanitätsdienst

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