02.08.2019 - 09:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Schwerkranke Kinder heben ab: Angst bleibt am Boden

Sie sind noch klein, aber sie kennen Schmerzen und Angst. Doch dann kommt ein Tag, an dem alles anders ist: die Kinder dürfen fliegen, und die Traurigkeit bleibt am Boden.

von Helga KammProfil

Ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Die Sonne scheint auf Felder und Wälder rund um den kleinen Flugplatz in Weiden-Latsch, am Himmel Schönwetterwolken, am Boden unter dem Tower Tische, Bänke, Sonnenschirme und eine erwartungsvolle, aufgeregte Gruppe von Eltern und Kindern. Sie sind eingeladen zu einem Rundflugnachmittag unter dem Motto "Piloten für Kinder". Der Oberpfälzer Motorflieger Club (OMC) und der Verein Kinderkrebshilfe Weiden haben sich zusammengetan, um krebskranken oder schwerstbehinderten Kindern ein besonderes Erlebnis zu ermöglichen: einen Rundflug über Weiden, Parkstein und die nördliche Oberpfalz.

Es ist eine Premiere, denn normalerweise sind die Privatpiloten eher als ehrenamtliche Luftbeobachter unterwegs. Seit mehr als 40 Jahren hält das Team der Luftrettungsstaffel im Sommer nach Bränden in Wäldern und Feldern Ausschau, opfert dafür Arbeits- und Freizeit.

Glänzende Augen

An diesem Nachmittag werden ihre drei Flugzeuge vom Typ Cessna für einen anderen wertvollen Einsatz zur Verfügung gestellt, sie machen kranken Kindern eine große Freude. In die Hand genommen haben dieses Event vor allem zwei Männer: Herbert Putzer, der Leiter der Integrierten Leitstelle Weiden, der zugleich Vorsitzender der Kinderkrebshilfe Oberpfalz-Nord ist, und als Veranstaltungsleiter Günter Zagel vom OMC, der Stützpunktleiter der Luftrettungsstaffel. Auch die Piloten erklären spontan ihre Bereitschaft, sich für diese gute Sache zur Verfügung zu stellen. Michael Meier (OMC-Schatzmeister und Einsatzpilot), Dieter Henl (OMC-Einsatzpilot und Luftbeobachter) und Anton Moll (Flugschule AM-Flugwelt und OMC-Mitglied) starten den ganzen Nachmittag über zu rund 15-minütigen Rundflügen. Sie sorgen damit für glänzende Kinderaugen und strahlendes Lächeln.

Gemeldet sind etwa 38 Passagiere. Weil die Geschwister von schwerkranken Kindern nicht selten mitleiden, wenn sich alles um den kleinen Patienten dreht, dürfen an diesem Nachmittag auch sie mitfliegen, in Einzelfällen auch Elternteile, wenn es notwendig erscheint. Bei den Kindern gibt es keine Angst, nur Interesse, Staunen, Begeisterung. Dankbarkeit zeigen vor allem die Eltern, die häufig als Einzelkämpfer mit der Krankheit ihrer Kinder und den sich dadurch ergebenden Problemen fertig werden müssen. "Die Kinderkrebshilfe ist so wichtig für uns", ist zu hören, und großer Respekt für die in diesem Verein alle ehrenamtlich Tätigen kommt damit zum Ausdruck.

"Super" und "cool"

"Meinen Flieger-Kollegen und mir war es ein Herzensanliegen, euch diesen schönen Nachmittag zu bieten", sagt Veranstaltungsleiter Günter Zagel und wünscht den Kindern ein unvergessliches Erlebnis. Herbert Putzer wiederum sagt Zagel ein "herzliches Vergelt's Gott" für sein Engagement und die Unterstützung durch seine Frau Waltraud und seinen Sohn Michael. Beide sorgen an einem Kaffee- und Kuchenbuffet für das leibliche Wohl ihrer Gäste, haben gekühlte Getränke parat, Würstchen und eine Kühltasche voller Eis. Dann geht es Schlag auf Schlag. Einsteigen, anschnallen, Kopfhörer aufsetzen, starten, rund 700 Höhenmeter erreichen, über Weiden und Parkstein hinwegfliegen, auf den Rauhen Kulm herabschauen und auf Bärnau, Kurven ziehen, Luftlöcher ausgleichen, wieder sinken, landen.

Wenn Sven Henl den kleinen Passagieren beim Aussteigen hilft und fragt, wie es war, dann kommen Kommentare wie: "Super, cool, klasse, geil" - höchstes Lob also in der Sprache der Kinder. Aber auch die Piloten sind sehr zufrieden. "Die waren so gut drauf", erzählt Michael Meier. "Da hatten die Mütter oft mehr Angst." Zwischen den Rundflügen gibt es ein besonderes Highlight für die Wartenden: Der Rettungshubschrauber Christoph 80 kann besichtigt werden. Der Eurocopter EC 135 mit 743 PS ist seit 2011 in Latsch stationiert und flog im vergangenen Jahr 1240 Einsätze. Martin Anz und Robert Schmid erklären, wie der Helikopter funktioniert und lassen die Mädchen und Buben Probe sitzen.

Unter den Sonnenschirmen zu Füßen des Latscher Towers klingt der Nachmittag allmählich aus. Für eine letzte Überraschung sorgt Organisator Günter Zagel. Der Kofferraum seines Autos ist gefüllt mit Rucksäcken. Für jedes Kind gibt es einen, abgestimmt auf Alter und Geschlecht, gefüllt mit Spielsachen, Sportartikeln, Kuscheltieren. "Alle Mühe und alles Geld ist es wert, wenn ich sehe, wie diese Kinder sich freuen", sagt er und strahlt selbst wie ein Honigkuchenpferd.

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